Formel 1

Formel 1 Mexiko: Strafen-Ärger? Räikkönen will mehr Kiesbetten

Formel-1-Pilot Kimi Räikkönen rät Max Verstappen in Mexiko, Strafen wie in Austin zu akzeptieren. Das sei eben die F1 - müsse sich aber ändern. Kimis Traum:
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen ist am ersten Tag beim Mexiko GP der Formel 1 ein gefragter Mann im Fahrerlager. Immerhin ist der Medien-Donnerstag in Mexiko Tag eins im Paddock nach den großen Diskussionen rund um die umstrittene Strafe gegen Max Verstappen beim vergangenen USA GP - und Räikkönen in diesem Kontext alles andere als unbeteiligt.

Rückblick: In Austin hatte Red-Bull-Pilot Verstappen durch fünf Strafsekunden seinen dritten Platz auf dem Podium verloren - an eben jenen Kimi Räikkönen. Den Ferrari-Piloten hatte Verstappen zuvor durch Abkürzen der Strecke in der drittletzten Kurve des Rennens überholt. Dafür die Strafe.

Kimi Räikkönen: Verstappen muss solche Strafen akzeptieren

Was folgte war ein Aufschrei im Fahrerlager. Allen voran Red Bull war wenig überraschend pikiert, protestierte eifrig. Selbst mancher Konkurrent hielt die Strafe für völlig daneben, den Sport schädigend etwa. "Mit dieser Art von Entscheidung machen wir den Sport kaputt", polterte Niki Lauda. Das Thema wirkte also gewaltig nach, überstrahlte sogar den WM-Kampf.

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Verstappen selbst bezeichnete einen der verantwortlichen Stewards sogar als 'Idioten' und Schlimmeres. Inzwischen hat sich der Youngster für diese Wortwahl entschuldigt. Daran tut er auch gut, meint nun Kimi Räikkönen. In Mexiko auf die ganze Aufregung angesprochen gibt der Formel-1-Routinier dem Youngster einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg.

Räikkönen: Mika Salo hat Ferrari in Austin nicht geholfen

"Du musst es akzeptieren. Manchmal findest du, es sei harsch gegen dich, aber manchmal läuft es auch für dich. So wird es immer sein", meint Räikkönen, 16 Jahre Formel 1 - mit Unterbrechung - in den Knochen. Aus dieser ganzen Erfahrung könne er das nur empfehlen. "Ich habe viele Strafen aus Gründen bekommen, die etwas ... naja. Bei denen du denkst, dass es nichts war. Aber du lässt es gut sein und nächstes Mal versuchst du, es anders zu machen und ein anderes Ergebnis zu bekommen", ergänzt Räikkönen.

Erst in Belgien habe er so ähnlichen Fall erlebt. "Jeder hat (in Austin, Anm. d. Red.) gesagt: 'Oh, Mika Salo (Ex-Scuderia-Fahrer und Finne, Anm. d. Red.) hat Ferrari geholfen.' Aber in Spa war er auch einer der Stewards und ich habe dort eine Strafe für wirklich Nichts erhalten", erinnert Räikkönen. In Spa kassierte der Ferrari-Pilot eine Stop&GO-Strafe von zehn Sekunden, weil er unter gelben Flaggen nicht vom Gas gegangen war - was Räikkönen angesichts des aus seiner Sicht völlig ungefährlichen Ort des Vergehens (mitten auf der Kemmel-Geraden) damals als sinnlos abstempelte.

Räikkönen: Mehr Konsistenz in Strafen nicht so leicht

Nicht zum ersten Mal kritisierte der Finne dort die Stewards. Insgesamt aber schätzt Räikkönen deren Arbeit durchaus. Man müsse die Kirche auch einmal im Dorf lassen, es sei doch selbstverständlich, dass beim Thema Strafen nicht jeder Beteiligte zufrieden nach Hause gehen. ""Sie machen die beste Arbeit, die sie tun können. Ich kenne das Gefühl, wenn es sich gegen dich richtet. Das ist nicht das größte, aber das ist eben das Leben", meint Räikkönen.

Doch gerade die mangelnde Konsistenz der Strafsprüche in der Formel 1 geriet nicht nur in Austin einmal mehr in die Kritik - dort waren einige andere Fahrer wegen Verstößen gegen Track Limits völlig unbescholten davon gekommen -, sondern wurde auch seitens Kimi Räikkönen, aber auch anderer Fahrer und Teamchefs, schon mehrfach angeprangert. Ein Zustand, der sich in der Formel 1 wohl kaum ändern werde, fürchtet Räikkönen: "Es gibt ein paar verschiedene Stewards und jeder hat seine eigene Meinung zu allem, sodass manch einer zufrieden, manch einer traurig sein wird - und so wird es immer sein."

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Kimi Räikkönen: Nur mehr Kiesbetten könnten der Formel 1 helfen

Ebenfalls mehrfach kam deshalb bereits die Idee auf, stets auf die identischen Stewards zu setzen. Doch selbst das bringe keine Abhilfe, meint Räikkönen. "Ich denke nicht, dass sich das verändern wird - selbst wenn wir immer die gleichen Leute haben", sagt der Ferrari-Pilot. Denn: "Kein Vorfall gleicht dem anderen, also wird das Endergebnis nie dasselbe sein, denn es wird bei den Dingen, die sie ansehen, immer Unterschiede geben. Leider ist das Teil des Rennsports - wir werden das immer diskutieren."

Es denn die Formel 1 besinnt sich wieder auf etwas, das lange Zeit Standard war: Kiesbetten statt asphaltierte Auslaufzonen sind in großen Teilen der F1-Szene eine zuletzt wieder zunehmend aufkommende Forderung. Glühender Anhänger der Kiesbetten-Bewegung: Kimi Räikkönen. "Ich denke der größte Teil des Problems ist, dass die Strecken so viele Auslaufzonen haben. Wenn du in der Auslaufzone viel Grip vorfindest, wirst du da natürlich hinfahren. Wenn du uns nur die kleinste Chance gibst, fahren wir hin, wo auch immer es der schnellste Weg ist", erklärt der Iceman.

Räikkönen weiter: "Als ich angefangen habe, hatten die Kurse Kerbs und Kiesbetten, sodass du nie daran gedacht hast, dort hinzufahren. Aber jedes Jahr ist dann mehr Asphalt gekommen. An manchen Orten haben wir dafür Regeln, an anderen nicht. Bis wir überall Kies hinschütten wird es eine Neverending-Story sein. Das ist eine dieser Diskussionen, die ewig weitergeht. Wie mit den blauen Flaggen. Für immer!"

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Sebastian Vettel: Formel-1-Fahrer sind selbst schuld

Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel bringt unterdessen einen weiteren Aspekt ins Spiel: Nicht nur die unsäglichen Auslaufzonen seien schuld, sondern womöglich auch die Fahrer selbst. "Die Regel ist klar. Der Regelverstoß ist in gewisser Weise auch klar. Für das Racing ist das natürlich doof", stellt der deutsche Formel-1-Pilot zunächst klar.

"Aber ich glaube, vielleicht sind wir da als Fahrer selbst schuld, weil wir in der Vergangenheit immer gemotzt und gemeckert haben, als jemand von der Bahn abgekommen ist und dann vielleicht ein bisschen schneller war, und wir diskutiert haben und gesagt haben, das müsse doch bestraft werden, das könne nicht sein und so weiter. Wenn das dann über Jahre hinweg so geht, dann kommt man an den Punkt, an dem wir jetzt sind."


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