Formel 1

Formel 1 Japan 2017: Verstappen-Sieg ruiniert? Alonso bestraft

Hochspannung beim Formel-1-Finale in Japan: Max Verstappen hängt Lewis Hamilton im Getriebe - bis Fernando Alonso und Felipe Massa dazwischenfunken. Strafe!
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nervenkitzel am Ende eines zuvor weitgehend unspektakulären Japan GP. Beim 16. Saisonlauf der Formel 1 in Suzuka ist Red Bulls Max Verstappen in den letzten drei Rennrunden plötzlich direkt dran am führenden Mercedes von Lewis Hamilton.

Der Brite hatte sich kurz zuvor per Boxenfunk über merkwürdige Vibrationen beschwert und massiv auf Verstappen verloren, sodass der F1-Youngster dem dreimaligen Weltmeister schon unmittelbar im Getriebe hing. Ein Überholmanöver schien sicher. Doch es kam anders - in Person von Fernando Alonso und Felipe Massa.

Der Grund: Bei den Überrundungen des Spaniers in der vorletzten und des Brasilianers in der letzten Runde in Japan kam Lewis Hamilton wesentlich schneller voran als Max Verstappen.

Stewards greifen durch: Strafe gegen Fernando Alonso

Alonso ließ Hamilton in der Haarnadel vorbei, Verstappen - wegen eines Patzers in Degner zwei kurzzeitig etwas zurückgefallen - immerhin noch halbwegs zügig vor Spoon passieren. Massa dagegen winkte Hamilton danach auf Start-Ziel durch, Verstappen aber versauerte die kompletten Esses hinter dem Williams, erst vor der ersten Degner fuhr Massa beiseite.

Kurios: Gegen Alonso, schon in Malaysia beim Überrunden Zentrum des Ärgers von Ferraris Sebastian Vettel, leitete die Rennleitung eine Untersuchung wegen Ignorierens blauer Flaggen ein, jedoch nicht gegen Massa.

Das Urteil: Verwarnung und zwei Strafpunkte für Alonso. Interessant: Die Strafe kassiert aber Alonso nicht, weil er Verstappen zu spät vorbei gelassen hat, sondern schon zuvor Hamilton. Bereits in Runde 51 habe Alonso zwischen Spoon und 130R die Signale in Form blauer Flaggen und Nachricht auf das Dashboard erhalten, aber viel zu spät reagiert - nämlich erst in der Haarnadel in Runde 52.

Dass keine Starfversetzung für Austin oder Zeitstrafe für Suzuka hinzukommt, hat Alonso dem Fakt zu verdanken, dass er beim Überrundungsvorgang selbst a) schließlich doch viel Platz gelassen hat und es b) zuvor zumindest in den Esses an sicheren Möglichkeiten gemangelt habe, so die Begründung. Doch wie schätzen die Beteiligten die Lage ein?

Felipe Massa lässt Lewis Hamilton vorbei, Max Verstappen muss viel länger warten - Foto: Sutton

Verstappen aufgehalten: So rechtfertigen sich Alonso & Massa

So verteidigt sich Fernando Alonso: (Interview vor dem Urteilsspruch) "Es ist im Spiegel schwierig zu sehen. Ich habe gesehen, dass Lewis kommt. Aber nicht, dass direkt dahinter noch ein Auto ist. Ich wusste nicht, ob es Palmer ist, gegen den ich gekämpft habe. Ich hätte nicht erwartet, dass es so schnell geht. Aber ich habe den Red Bull dann so schnell vorbei gelassen, wie es ging. Ich denke nicht, dass es den Rennausgang beeinflusst hat. Sie kamen hinter mir als Erster und Zweiter und haben das Rennen auch in dieser Reihenfolge beendet. Also habe ich da nicht gestört. Hoffentlich war es okay und es gibt jetzt keine Strafe für Austin, sodass wir von unserer normalen Position starten können. Aber was auch immer kommt und sie entscheiden: Wir akzeptieren es und versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen."

So verteidigt sich Felipe Massa: "Es war mitten in den Esses, da habe ich ihn dann vorbeigelassen sobald ich konnte. Fernando hat ihn ja auch relativ lange aufgehalten. Ich habe ihn wirklich vorbei gelassen, sobald es ging."

Verstappen bleibt cool: Massa/Alonso haben Sieg nicht gekostet

Für Überrundungsopfer Max Verstappen ist das Thema jedoch ohnehin kein Großes. Die Verbal-Attacke auf Alonso und Massa bleibt aus. "Es hat nicht wirklich geholfen", sagt Verstappen nur über die Situation mit Alonso. Anders als die Rennleitung sah allerdings auch der Red-Bull-Pilot das größere Problem in Massa. "Es war mehr die letzte Runde mit Massa. Aber ich denke nicht, dass ich an Lewis vorbeigekommen wäre. Es war nicht ideal, aber hätte keinen Unterschied gemacht", sagt Verstappen.

Deshalb würde Massa von Verstappen auch noch eine Weihnachtskarte bekommen, so der Youngster. Zumindest in der Theorie. Verstappen: "Ich schicke niemals Weihnachtskarten an andere Fahrer."

Insgesamt habe der Verkehr sogar eher Hamilton geschadet, meint Verstappen gar. "Ich konnte sehen, wie er seine Reifen gemanagt hat und im Verkehr schien es für ihn schwieriger, anderen Autos zu folgen, als mir", schildert Verstappen. Das bestätigt Hamilton: "Er kam ein paar Mal nah ran, besonders beim VSC als die Reifen kalt waren und im Verkehr beim Überrunden. Aber es hat gereicht." Das passt sehr gut zu der Urteilsbegründung der Stewards.

Beim Formel-1-Fahrer aus den Niederlanden dagegen überwiegt ohnehin vielmehr die Freude über den zweiten Platz und vor allem die erneut starke Pace seines Red Bull. "Es war ein toller Tag. Ich war voll dabei mit Lewis, besonders in den letzten Runden hatten wir eine tolle Pace. Es war schwer, zu überholen. Aber ich habe alles versucht, aber es hat nicht gereicht, ich kam nicht vorbei. Unser Auto wird aber von Tag zu Tag besser", schwärmt Verstappen.

Alonso: Nur so konnte Massa meiner Attacke entwischen!

Der große Gewinner der ganzen Situation - natürlich neben Lewis Hamilton: Felipe Massa, der durch seine einen ganzen Sektor lange Blockade schließlich Fernando Alonso hinter sich hielt und sich den letzten WM-Punkt für P10 sicherte.

"Ich konnte mich am Ende vor Fernando halten, was schwierig war und noch einen Punkt holen. Und ein Punkt ist besser als nichts - vor allem mit Blick auf die Team gegen die wir kämpfen, Renault und Toro Rosso", sagt Massa über ein hartes Rennen im Williams. "Ich hatte mit den Reifen zu kämpfen - beiden Mischungen - und der Pace. Andere Teams hatten heute eine bessere Pace."

Eines dieser Teams: McLaren. Entsprechend zeigte Alonso sich nicht gerade begeistert, den Punkt so knapp und unglücklich verpasst zu haben. "Wir hätten es verdient gehabt. Wir sind als 20. gestartet und Elfter geworden, haben uns also gut zurückgekämpft mit nur einem Stopp. Das war eine große Leistung von allen im Team nach der Motorstrafe", sagt Alonso.

Eigentlich hätte er den Punkt auch holen können, jedoch: "Es war einfach eine unglückliche Situation mit Felipe. Er hat sehr mit den Reifen gekämpft. Beim Virtuellen Safety Car konnte er etwas durchatmen, dann kamen in den letzten zwei Runden die Führenden und er konnte nochmal durchatmen und hat sich so den letzten Punkt geschnappt. Nur deshalb ist er meiner finalen Attacke entwischt!"


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