Formel 1 / Rennbericht

Formel 1 Japan 2017: Hamilton zittert sich zum Sieg, Vettel out

Lewis Hamilton gewinnt den Japan GP der Formel 1. Knapper Sieg für Mercedes in Suzuka. Sebastian Vettel scheidet mit nächstem Ferrari-Defekt aus.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Japan gewonnen. Beim Formel-1-Rennen in Suzuka siegte der Mercedes-Pilot in einem dramatischen Zitter-Finale gegen Max Verstappen von Red Bull. Mit seinem achten Saisonsieg setzte Hamilton einen weiteren Big Point in der WM, da Sebastian Vettel nach einem erneuten Schaden am Ferrari-Motor bereits früh im Rennen aufgeben musste.

"Er ist ein perfektes Rennen gefahren und konnte auch bei den Temperaturen, bei denen Mercedes nicht so gut ist, mit den Reifen richtig haushalten", sagte Niki Lauda bei Sky. "Red Bull war aber schnell heute. Gott sei Dank ist der Punktevorsprung durch das Problem, das Vettel wieder hatte, extrem gewachsen. Aber er tut mir fast leid. Das ist jetzt logischerweise ein riesen Schritt Richtung Titel. Es sind noch vier Rennen und das Polster ist nicht schlecht."

Das Podium: Hinter Hamilton schafften es erneut beide Red Bull auf das Podium. Max Verstappen wurde Zweiter vor Teamkollege Daniel Ricciardo.

Die Punkteränge: Vierter und Fünfter wurden Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen, die nach ihren Strafversetzungen durch Getriebestrafen mit einer anderen Reifen-Strategie so zumindest Schadensbegrenzung betrieben. Esteban Ocon, Sergio Perez, Kevin Magnussen, Romain Grosjean und Felipe Massa komplettierten die Top-Ten.

Japan GP: Stimmen von Hamilton, Verstappen & Ricciardo

Lewis Hamilton: "Von so einem Punkteabstand jetzt konnte ich nur träumen. Ferrari war das ganze Jahr über ein großer Herausforderer. Aber meine Jungs arbeiten so sorgfältig, deshalb haben wir diese Zuverlässigkeit. Danke an alle. Die Red Bulls waren im Renntrimm sehr schnell. Im Qualifying schon. Max ist ein außergewöhnliches Rennen gefahren. Es war definitiv nicht einfach für uns. Aber ich konnte ihn halten. Er kam ein paar Mal nah ran, besonders beim VSC als die Reifen kalt waren und beim Überrunden. Aber es hat gereicht."

Max Verstappen: "Es war ein toller Tag. Suzuka ist wirklich sehr nett zu mir, letztes Jahr schon. Ich war voll dabei. In den letzten Runden hatten wir eine tolle Pace. Es war schwer, zu überholen. Aber ich habe alles versucht, aber es hat nicht gereicht, ich kam nicht vorbei. Unser Auto wird aber von Tag zu Tag besser."

Daniel Ricciardo: "Das ist mein erstes Podium hier. Das war mein Ziel. Jetzt habe ich es geschafft. Dankeschön! Diese Strecke hat mir immer schon Spaß gemacht, jetzt mit den Autos dieses Jahr noch mehr. Nach dem Start war es kein besonders aufregendes Rennen für mich, ich habe viel verwaltet. Am Ende kam Valtteri noch auf, das hat es nochmal spannender gemacht."

Der WM-Stand: In der Fahrer-WM führt Lewis Hamilton nun mit 59 Punkten vor Vettel. Damit kann der Brite schon beim nächsten Rennen Weltmeister werden wenn er siegt und Vettel maximal Sechster wird. Bottas rückt bis auf 13 Punkte an Vettel heran. Bei den Konstrukteuren ist Mercedes ebenfalls fast schon durch, hat 145 Punkte Vorsprung. Red Bull jedoch ist plötzlich dran an Ferrari - nur noch 92 Punkte Unterschied.

Das Wetter: Sonnenschein in Japan. Der erwartete Wetterumschwung war gekommen. 26 Grad Außentemperatur und die direkte Sonneneinstrahlung erhitzten den Asphalt auf 44 Grad Celsius. Schlechte Neuigkeiten für Mercedes, umso bessere für Ferrari und auch Red Bull. Zumal Lewis Hamilton schon in der Einführungsrunde von überhitzenden Reifen funkte.

Sebastian Vettel: Ferrari-Defekt sorgt für nächsten Ausfall

Das Vettel-Bangen vor dem Start: Unglaublich: Schon wieder Probleme bei Ferrari. Die Motorabdeckung von Sebastian Vettels Ferrari war abmontiert, Ferrari musste tatsächlich eine Zündkerze wechseln, nachdem man etwas Ungewöhnliches in der Telemetrie festgestellt hatte. Nicht gerade ein kleiner Eingriff. Vettels Gesicht daneben sprach Bände. Tiefe Sorgenfalten, Stirnrunzeln. In die Einführungsrunde ging es aber erst einmal für Vettel ...

Der Start: Zunächst unspektakulär. Lewis Hamilton behauptete souverän die Führung vor Sebastian Vettel und den Red Bull. In den ersten Kurven drückte sich aber Esteban Ocon vorbei an Daniel Ricciardo, weiter hinten erst Stoffel Vandoorne, dann Carlos Sainz in der Wiese, Letzterer auch in der Mauer.

In der Haarnadel dann Angriff Max Verstappen! Vorbei an Vettel, der immer langsamer wurde. Auch Ocon klebte ihm im Getriebe. Auf Start-Ziel meldete Vettel Power-Probleme, Gegner um Gegner zog vorbei. Zuvor war Kimi Räikkönen noch von Nico Hülkenberg überholt und dabei in Spoon in die Wiese gedrückt worden. Auch der Finne verlor viele Plätze. Bitterer Auftakt für Ferrari.

Plötzlich kam auch noch das Safety Car auf die Strecke, weil Sanz bei seinem Unfall ungünstig stehen geblieben war.

Der Re-Start: Stark gemacht von Lewis Hamilton. Max Verstappen bot sich keine Chance. Auch dahinter tat sich nichts - einzig Vettel (noch P6) wurde noch weiter durchgereicht. Nach nur einer Runde wurde Vettel angewiesen, das Auto an die Box zu bringen und aufzugeben. Das Ende seines Rennen - und wohl auch des WM-Traums.

Das Manöver des Rennens: Diesmal keine Aktion auf der Strecke, sondern Vettels Aus. Nichts hat mit Blick auf das große WM-Bild größere Relevanz. Zumal der Kampf um den Sieg in Suzuka damit - bis auf das Drama kurz vor Schluss (s. Abschnitt unten) entscheiden war.

"Manchmal gehen eben Dinge kaputt. Das ist leider so, auch wenn man es sich anders wünschen würde. Manchmal geht es einfach schief", sagte Vettel. Und bestätigte: "Es war wohl die Zündkerze. Sie war auch eingefahren und alles. Wenn wir wüsste warum, hätten wir es vermieden. Schade - mit mehr Leistung wäre ich wohl schon am Start vorbeigezogen."

Der Rennverlauf: Durch die kuriose Startphase um Vettel führte Lewis Hamilton zu Beginn des Rennen souverän in Suzuka, zog Max Verstappen jedoch nur mühsam Zehntel um Zehntel davon. Dahinter ließ Ocon sofort abreißen und spielte Bremsklotz für Daniel Ricciardo und Valtteri Bottas. Kimi Räikkönen lag im letzten Ferrari auf P9, bremste sich mit einem sauberen Manöver in der Schikane in Runde acht aber wieder vorbei an Nico Hülkenberg..

Gleich zu Beginn der elften Runde überholte Daniel Ricciardo Esteban Ocon auf Start-Ziel, war neuer Dritter. Ganz sauberes Manöver auch vom Australier. Eine Runde später wiederholte Valtteri Bottas den Vorgang. Ocon nur noch Fünfter direkt vor seinem Teamrivalen Sergio Perez. An der Spize hatte Hamilton nach rund einem Viertel des Rennens 3,5 Sekunden Vorsprung auf Verstappen.

Nach 14 Runden hatte Kimi Räikkönen auch Felipe Massa überholt. Jetzt trennten den verbliebenen Ferrari nur mehr die Force India von seinen wahren Gegnern. Die hatte er sehr schnell eingeholt während dahinter Felipe Massa als erster Top-Ten Pilot zum Reifenwechsel auf Soft kam. In Runde 20 dann Räikkönen vor Kurve eins vorbei an Sergio Perez und war Sechster. Gleicher Move wie damals gegen Giancarlo Fisichella um den Sieg. Ende der Runde kam Esteban Ocon zum Reifenwechsel, ehe ihm dasselbe Schicksal blühte.

Die Strategien und Boxenstopps: Durch die warmen Bedingungen schien Pirellis Empfehlung einer Zwei-Stopp-Strategie für solche Umstände die Wahl der Stunde. Den Auftakt machten abgesehen von Vandoorne unter dem frühen VSC die Williams kurz vor Runde 20 mit einem Wechsel auf Soft, was zumindest eine Einstopp-Strategie möglich erlaubte.

An der Spitze eröffnete Max Verstappen den Reigen in Runde 22, kam unmittelbar vor Räikkönen auf die Strecke zurück. Perfektes Timing bei Red Bull. Für den Finnen jedoch kein Bremsklotz-Problem, da Verstappen mit frischen Reifen natürlich sofort wegziehen konnte. Einen Umlauf später auch Hamilton an der Box, Ricciardo übernahm die Spitze vor Bottas. Beide hatten auf Soft gewechselt, also doch Einstopp-Strategien - trotz der Hitze.

In Runde 25 folgte Daniel Ricciardo, fiel allerdings hinter den noch Stopp-losen Räikkönen zurück. Vorne hatte Hamilton den ebenfalls Stopp-losen Bottas eingeholt und wurde in Runde 28 vorbeigelassen, sodass Bottas jetzt bis zu seinem Stopp in Runde 30 als Verstappen-Puffer fungierte. Kurz zuvor war Kimi Räikkönen an die Box, hielt sich vor beiden Force India und war mit Supersoft jetzt in einer guten Position, weiter aufzuholen.

Der Stand nach den Boxenstopps: Durch den Undercut war Verstappen Hamilton wieder berdrohlich nahe gerückt. Nur noch zwei Sekunden trennte die virtuell Führenden. Dank der Bottas-Hilfe vergrößerte Hamilton seinen Vorsprung jedoch zügig wieder. Hamilton führte jetzt gut 20 Runden vor Rennende mit drei Sekunden vor Verstappen. Ricciardo lag weitere zehn Sekunden dahinter, genauso Bottas, der aber mit Supersoft unterwegs war. Noch einmal zehn Sekunden fehlten Kimi Räikkönen, ebenfalls mit dem superweichen Reifen. Der Finne musste allerdings noch an Nico Hülkenberg vorbei, der einen extrem langen ersten Stint fuhr.

Der weitere Rennverlauf: Viel Bewegung gab es an der Spitze nicht mehr nach den Boxenstopps. Niemand machte entscheidend Boden gut - einzig zwischen Verstappen und Hamilton blieb der Abstand mit 2,5 Sekunden noch recht spannend klein. Dahinter überall deutlich größere Gaps von lange mindestens neun Sekunden. Erst spät kam zumindest Bottas Ricciardo etwas näher.

Bei Force India gab es zudem die Anweisung, Positionen zu halten. Nach diversen Vorfällen zwischen Perez und Ocon hat das Team inzwischen ja klare Teamorder in solchen Fällen angeordnet. Einzig dahinter hätte Nico Hülkenberg noch für Spektakel sorgen können, doch ein defektes DRS stoppte seine Supersoft Aufholjagd jäh.

Das dramatische Finale: Kurz vor Rennende meldete Hamilton dann plötzlich ein Problem am Mercedes, Vibrationen, verlor dramatisch auf Verstappen. Doch der Britte rettete sich hauchdünn noch ins Ziel. Auch, weil Fernando Alonso Verstappen beim Überrunden behinderte. Die FIA ermittelt. "Es ist im Spiegel schwierig zu sehen. Ich habe gewusst, dass Lewis kommt. Aber nicht, dass direkt dahinter noch ein Auto ist", entschuldigte sich Alonso. "Ich habe ihn dann so schnell vorbei gelassen, wie es ging. Ich denke nicht, dass es den Rennausgang beeinflusst hat."

Später hielt auch noch Felipe Massa Verstappen auf. "Es war mitten in den Esses, da habe ich ihn dann aber vorbeigelassen sobald ich konnte", sagte Massa. Dahinter behauptete Ricciardo P3 vor Bottas, der zwar bis auf eine Sekunde heranfahren, aber nie angreifen konnte.

Die Zwischenfälle: Nach dem Start der nächste Zwischenfall in Runde acht: Marcus Ericsson war in Degner zwei in die Mauer gekracht. Virtuelles Safety Car für knapp zwei Runden. McLaren nutzte das für einen Reifenwechsel bei Stoffel Vandoorne, der so nur eine Position verlor. Während des Rennens zudem einige kuriose Szenen mit umherfliegenden Dingen: Mal war es ein Stück Kunstrasen, mal - offenbar - das Sitzpolster eines Fans. Kurzer Aufreger auch um Nico Hülkenberg, der Mitte des Rennens in der zweiten Degner wild durch das Kiesbett räuberte.

In Runde 42 kollidierte Kevin Magnussen im Kampf um P8 mit Felipe Massa bei einem Überholversuch mit der Brechstange in Kurve zwei, kam so vorbei. Auch Romain Grosjean rutschte mit durch. Alle konnten weiterfahren. Dann Drama in Runde 47: Lance Stroll mit gebrochener Aufhängung in den Esses wild durch die Auslaufzone, räumte dabei fast einen Red Bull ab und musste den Williams schließlich abstellen. Doppelt Gelb, dann VSC.

Die Ausfälle: Für Carlos Sainz endete nach seinem Ablug sein letztes Rennen für Toro Rosso bereits in der ersten Runde. In der Runde nach dem Re-Start dann auch Feierabend für Sebastian Vettel wegen des Motordefekts. In Runde acht Feierabend auch für Marcus Ericsson, der in Degner zwei gecrasht war. In Runde 42 musste auch Nico Hülkenberg aufgeben, dessen DRS sich nicht mehr schließen ließ. In Runde 47 musste Lance Stroll den Williams mit gebrochener Radaufhängung stehen lassen.

Die Analyse: Das war die Vorentscheidung. Durch den nächsten Big Point für Lewis Hamilton ist Sebastian Vettel in der WM nun so gut wie geschlagen. Zumal Mercedes auch wieder gut in Form war - trotz der Hitze. Aber: Wie stark Ferrari tatsächlich gewesen wäre ist kaum einzuschätzen. Auch nicht durch Räikkönen, der sich lange Zeit erst nach vorne kämpfen musste. Dennoch: Inzwischen muss sich die Scuderia sogar Sorgen um P2 in der Konstrukteurswertung machen ...

Die Top-Facts des Rennens

  • Lewis Hamilton gewinnt in Japan
  • 8. Saisonsieg für den Briten
  • Wieder Motorprobleme bei Vettel: Nächster Ausfall!
  • Hamilton kann schon in Austin Champion werden
  • Beide Red Bull auf dem Podium
  • Dramatisches Finish: Technik-Probleme bei Hamilton
  • Sainz & Ericsson crashen
  • Auch Hülkenberg raus - mit DRS-Defekt
  • Stroll mit kuriosem Abflug in den Esses

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