Formel 1

Formel 1 Malaysia 2017: WM-Duell Vettel vs. Mercedes im Fokus

Letztes F1-Rennen in Malaysia. Wird die 2017er Ausgabe in Sepang ein echter Knüller zum Abschied? Wir haben die Brennpunkte um Vettel, Hamilton und Co.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - 15. Station der Formel-1-Saison 2017 in Malaysia. Zum vorerst letzten Mal gastiert die Königsklasse auf dem Sepang International Circuit, seit 1999 fester Bestandteil des F1-Rennkalenders. Zuletzt gewann Lewis Hamilton in Singapur klarer denn je die Oberhand im WM-Duell mit Sebastian Vettel.

Entsprechend richten sich auch in Sepang fast alle Augen auf den Zweikampf Mercedes gegen Ferrari. Geht es so weiter? Ist die Trendwende eingeleitet? Doch es gibt noch andere wichtige Fragen vor dem Wochenende. Motorsport-Magazin.com mit den Brennpunkten zum Malaysia GP.

Mercedes vs. Ferrari: Wie geht es weiter im WM-Duell?

Null Punkte statt scheinbar sichere 25, großer Rückschlag gegen Lewis Hamilton statt eigener Big Point im WM-Kampf. Trotzdem stellte Sebastian Vettel nach seinem zu großen Teilen selbstverschuldeten Ausfall durch einen Start-Unfall in Singapur kurz und bündig fest: "Es ist bitter. Aber es ist kein Weltuntergang. Es wird sicher noch mehr Gelegenheiten geben." Eine solche braucht es für Vettel möglichst bald, bereits jetzt ist sein Rückstand in der WM mit 28 Punkten so groß wie es sein eigener Vorsprung nie gewesen war.

Ob Malaysia dafür direkt das richtige Pflaster ist? Man möchte es meinen. Mit vier Siegen ist Vettel Rekordsieger in Sepang - noch vor Michael Schumacher mit drei Erfolgen. Noch dazu siegte er auch mit Ferrari schon in Malaysia - 2015 gleich in seinem Debütjahr bei der Scuderia. Lewis Hamilton dagegen kommt auf gerade einmal einen Sieg, je zwei zweite und dritte Plätze. Allerdings verlor der Brite durch einen Motorschaden im Vorjahr auch einen sicheren Sieg während Sebastian Vettel den Kvyat machte und Nico Rosberg am Start ins Heck krachte.

Insgesamt aber scheint Malaysia dennoch nicht unbedingt die Ausgeburt der Mercedes-Stärke zu sein. Trotz Hybrid-Zeitalter gewann nur 2014 ein Silberpfeil in Sepang. "In den vergangenen Jahren fiel unsere Bilanz dort durchwachsen aus", erinnert Toto Wolff. "Aber die grundsätzliche Charakteristik der Strecke mit ihren flüssigen Kurven und langen Geraden sollte bedeuten, dass der Kurs unserem Auto gut liegt", hofft der Motorsportchef.

Dennoch bleibt Mercedes vorsichtig. Selbst wenn man in Singapur nicht nur wegen des Unfalls am Start gewann, sondern im Rennen auch die eigene Performance deutlich steigerte. "Die Gefahr eines solchen Resultats ist, dass man dadurch sein eigenes Performance-Niveau falsch einschätzt. Seitdem wir die Plätze eins und drei eingefahren haben, lag unser Hauptaugenmerk auch innerhalb des Teams auf den schmerzhaften Momenten des Wochenendes in Singapur - warum wir auf den Long Runs am Freitag zu kämpfen hatten und warum unsere Performance auf einer Runde im Qualifying nicht stimmte", versichert Wolff, nicht einen Moment geruht zu haben.

Wolff weiter: "Das vergangene Rennen erinnerte uns daran, dass der Sport stets überraschen und allen Prognosen trotzen kann. Das Ergebnis aus Singapur verändert nichts daran, wie wir die letzten sechs Rennen ab diesem Wochenende in Malaysia angehen. Wir müssen auf jeder Strecke in Bestform sein!" Apropos Bestform: Die vermochte Mercedes zuletzt häufig besonders auf dem weichen Reifen abzurufen. In Malaysia nun haben Hamilton und Valtteri Bottas mehr von diesem mittleren Reifen im Gepäck als die Konkurrenz. Mercedes wird also nicht nur in Sachen Performance, sondern auch Strategie absolut nichts dem Zufall überlassen.

Welche Rolle spielt der Wettergott diesmal?

Zum großen Teil verantwortlich für die Performance-Steigerung Mercedes' am Rennsonntag in Singapur: der Regen. Bei kühleren Bedingungen funktionierte der W08 plötzlich sehr viel besser als im Training. Nur so vermochte Lewis Hamilton den verbliebenen Red Bull von Daniel Ricciardo relativ mühelos in Schach zu halten.

Warum das für Malaysia relevant ist? Weil es wieder regnen könnte, nein dürfte. Aktuell gehen die Prognosen von einem in Südostasien typisch wechselhaftem Wochenende aus. Bei mindestens 40 Prozent liegt die Regenwahrscheinlichkeit während aller Sessions, pünktlich zum Rennstart klettert diese sogar auf stolze 90 Prozent. Gleich der nächste Start im Regen scheint also wahrscheinlich. Neues Chaos, neue Dramen?

Gut möglich. Ebenfalls gut möglich eine dramatische Folge für den WM-Kampf. Bislang sah Ferrari im Regen alles andere als gut aus - auch den Crash in Singapur beiseite. Im verregneten Monza-Qualifying ging Ferrari etwa völlig baden, war chancenlos gegen Mercedes, Red Bull und sogar manches Mittelfeld-Team. Doch wo Risiko, da auch Chance.

Kommt es anders, zu einem Wetterumschwung, könnte Ferrari plötzlich richtig gut dastehen - der üblichen Sepang-Hitze sei Dank. Warme Temperaturen mag der Ferrari, noch dazu hat Pirelli mit Medium, Soft und Supersoft eine gegenüber dem Vorjahr um eine Stufe weichere Riege an Reifen mitgebracht, was die reifenschonenden Qualitäten des SF17H nur noch mehr betonen sollte. "Die Wetterbedingungen sind für die Autos, Reifen, Fahrer und Teammitglieder fordernd und können das Gesamtbild oftmals noch erschweren", weiß auch Toto Wolff.

Überzeugt Pierre Gasly bei seinem F1-Debüt?

Die Knaller-Nachrichten in der Formel 1 reißen einfach nicht ab. Nach den großen Motoren-Rochaden hielt sich für eine Weile hartnäckig das Gerücht, Carlos Sainz könne doch schon in Malaysia zu Renault wechseln, Jolyon Palmer ersetzen. Das ist inzwischen vom Tisch. Dennoch blieb es bei Toro Rosso im Vorfeld des Wochenendes nicht ruhig.

Grund: Daniil Kvyat wurde spontan ausgebootet, statt des Russen fährt in Malaysia nun Nachwuchstalent Pierre Gasly. Der amtierende GP2-Champion zeigt aktuell in der japanischen Super Formula eine starke Leistung, kämpft gleich in seiner ersten und mutmaßlich einzigen Saison voll um den Titel. Hintergrund: Toro Rosso will Gasly erste Erfahrungen für ein mögliches Cockpit 2018 als Sainz-Erbe bieten, noch dazu prüfen, ob der Franzose F1-fit ist.

Auch in Suzuka soll Gasly wieder im Toro Rosso sitzen, Kvyat erst in den USA zurückkehren wenn Gasly das Saisonfinale der Super Formula bestreitet. Aber: Wie geht es danach weiter? Darf Gasly wieder ran und wird Kvyat final für die Schlussphase ausgebootet? Viel wird daran hängen, wie sich Gasly bei seinen beiden Auftritten schlägt.

Dass er überzeugen kann, glaubt der Franzose selbst natürlich voll und ganz. "Ich mache mir keine Sorgen. Ich bin sehr gespannt auf mein Debüt in Sepang. Ich habe hart gearbeitet, um mich darauf vorzubereiten, in die F1 zu kommen", sagt Gasly. "Ich bin echt glücklich, diese Gelegenheit zu bekommen." Jetzt muss er sie nur noch nutzen.

Wie reagiert Daniil Kvyat auf die Degradierung 2.0?

Nicht minder spannend als die Performance des Franzosen wird die Reaktion Kvyats zu beobachten sein. Taucht der Russe überhaupt im Paddock auf? Anzunehmen, braucht es für den Fall der Fälle einen Ersatzfahrer. Doch sonderlich begeistert dürfte Kvyat nach der zweiten Degradierung binnen eineinhalb Jahren kaum sein. Zumal Toro Rosso genauso gut auch Sainz hätte pausieren lassen können, der ohnehin zum Saisonende abwandert.

Doch offensichtlich will man sich nicht um die größere Punkte-Chance aufseiten Sainz' bringen. Kein großer Vertrauensbeweis gegenüber Kvyat. Sollte er dann auch noch den Rest der Saison zuschauen müssen, kann man ihm nur wünschen, bei einer potentiellen Rückkehr 2018 als Teamkollege von Gasly nicht erneut gebrochener Mann zu sein.


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