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Formel 1 Monza: Die 7 Schlüsselfaktoren vor dem Rennen

Vor dem Rennen in Monza: Wie mutig ist Lance Stroll gegen Lewis Hamilton? Was ist die beste Strategie und wie sieht die Startaufstellung eigentlich aus?
von Robert Seiwert

1. - S wie Startaufstellung

Konfusion an allen Ecken und Enden der Startaufstellung in Monza - Strafen sei Dank. Die beiden Red Bulls Max Verstappen und Daniel Ricciardo verlieren wegen Motorenwechseln die Startplätze zwei und drei. Verstappen muss theoretisch 20 Plätze zurück, Ricciardo 25. In der Endabrechnung startet Verstappen von P14, Ricciardo von P17. Nico Hülkenberg bekommt 10 Strafplätze aufgebrummt und startet vom 15. statt vom 12. Platz.

Fernando Alonso fällt von Startplatz 13 wegen seiner Motorenstrafe (+35) auf P19 zurück. Dahinter liegt nur Romain Grosjean, der im Qualifying die 107-Prozent-Hürde wegen seines frühen Unfalls verpasste, das Rennen aber trotzdem starten darf.

Glück für Carlos Sainz: Eigentlich hätte der Toro-Rosso-Pilot hätten wegen neuen Motoren-Komponenten eigentlich 10 Plätze verloren, fällt aber effektiv nur vom 15. auf den 16. Startplatz zurück. Zu guter Letzt noch Jolyon Palmer mit Startplatz 18 statt 17 infolge einer 10-Platz-Strafe. Ist doch alles ganz einfach, oder?

2. - S wie Start

Alle Augen auf Lance Stroll: Wie aggressiv geht der Rookie auf dem Weg in Kurve 1 gegen WM-Anwärter Lewis Hamilton vor? "Einfach reingehen", riet Felipe Massa seinem jungen Teamkollegen. "Die Fahrer, die um die WM kämpfen, müssen aufpassen. Alles anderen haben nichts zu verlieren." Gewagte Ansage des Brasilianers, die Stroll wohl nicht so ganz beherzigen wird: "Er kämpft um den Titel, ich nicht. Ich will nicht mit Lewis in der ersten Kurve zusammenknallen."

Selbst Valtteri Bottas wurde gefragt, was er Stroll raten würde. "Mach langsam und lass Lewis schön vorbei", sagte Finne nach dem misslungenen Qualifying mit einem Zwinkern. Bottas eigener Plan: so schnell wie möglich Stroll und Esteban Ocon überholen. "Unsere Autos haben schon Performance-Unterschiede, ich bin da zuversichtlich", kündigte er an.

3. - S wie Stroll

Nächster Rekord geknackt: Lance Stroll ist nun der jüngste Fahrer in der Geschichte der Formel 1, der ein Rennen aus der ersten Startreihe beginnt. In Monza löste er Max Verstappen ab, der 2016 in Spa ebenfalls aus Reihe 1 gestartet war. Im Vergleich war der Niederländer genau 25 Tage älter als der heute 18-jährige Stroll.

Auf den weiteren Plätzen in der ewigen Liste der F1: Ricardo Rodriguez (19 Jahre, 6 Monate, 27 Tage - Italien GP 1961), Sebastian Vettel (21 Jahre, 2 Monate, 11 Tage - Italien GP 2008), Fernando Alonso (21 Jahre, 7 Monate, 22 Tage - Malaysia GP 2003), Rubens Barrichello (22 Jahre, 3 Monate, 5 Tage - Belgien GP 1994) und Lewis Hamilton im Alter von 22 Jahren, 3 Monaten und 8 Tagen beim Bahrain GP 2007.

4. - S wie Sonntagswetter

Nach dem Regen-Chaos am Samstag reicht es Bella Italia dann auch wieder. Für den Rennsonntag ist bestes Wetter vorhergesagt. Die Tifosi erwarten 25 Grad und Sonnenschein. Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt aktuell 1 Prozent - und das um 7 Uhr morgens. Schon fast schade, nachdem das Chaos-Qualifying trotz XXL-Länge sicherlich das spannendste der gesamten Saison 2017 war.

5. S wie Setup

Das unstete Wetter veranlasste die Teams dazu, Kompromisse beim Setup einzugehen. Eine Art krasses Trocken- oder Regen-Setup gibt es in der Formel 1 eigentlich nicht mehr - kleine Anpassungen können allerdings auch einen Unterschied ausmachen. In Monza werden die Flügel traditionell so richtig flach gestellt. Wer im Qualifying aber auf Regen spekulierte, war mit etwas mehr Downforce besser bedient. "Ein bisschen mehr Downforce hatten wir schon, war aber eine Kleinigkeit", sagte Felipe Massa zu Motorsport-Magazin.com.

Mit am extremsten hielt es Red Bull angesichts der Motoren-Strafen. Es war immer klar, dass Max Verstappen und Daniel Ricciardo von weit hinten starten würden. Flach, flacher, Red Bull, lautete also das Motto. "Wir haben alles auf wenig Downforce eingestellt", bestätigte Helmut Marko bei Motorsport-Magazin.com. "Das Auto ist aufs Überholen getrimmt."

Hatte Mercedes angesichts der Qualifying-Übermacht von Lewis Hamilton vielleicht verstärkt auf Regen hingearbeitet, um eine möglichst gute Startposition herauszuholen? WM-Gegner Sebastian Vettel: "Nein, das gibt es heute eh nicht mehr. Wenn es am Sonntag nass wird, werden vielleicht ein paar Dinge geändert. Aber so ist das nicht mehr."

6. - S wie Strategie

Das Regen-Qualifying sorgt auch in Sachen Strategie für Spannung. Am Sonntag dürfen die Top-10 ihre Startreifen frei wählen, nachdem am Samstag die Regenreifen zum Einsatz gekommen waren. In den Trainings tüftelten die Teams mit den Soft- sowie den Supersoft-Reifen herum, um optimal aufs Rennen vorbereitet zu sein.

Anhand der Daten aus den Trainings hat Pirelli die theoretisch schnellsten Rennstrategien abgeleitet. Als schnellste Taktik gilt ein Start auf den Supersoft-Reifen über einen Stint von 26 Runden, gefolgt von einem zweiten Stint über die restlichen 27 Runden auf den Soft-Reifen. Alternativ möglich wäre ein Start auf den Soft-Reifen mit einem Stint über 23 bis 25 Runden mit anschließendem Wechsel auf die Softs bis zum Rennende.

7. - S wie Streckenrekord

In Monza ist es der Formel 1 nicht gelungen, einen neuen Streckenrekord aufzustellen. Dabei half das regnerische Qualifying sicherlich nicht, wo gerade Mercedes den Power-Knopf betätigt und noch mal Zeit rausholt. Im Training war Valtteri Bottas der Schnellste in 1:21.406 Minuten. Der Monza-Streckenrekord datiert aus dem Jahr 2004, aufgestellt in 1:19.525 Minuten von Juan Pablo Montoya. Hätten die Silberpfeile in einem trockenen Qualifying die rund zwei Sekunden gefunden? Es wäre auf dem Highspeed-Kurs, der den breiten Autos in Sachen Topspeed überhaupt nicht entgegenkommt, sicherlich eng geworden.

Ähnlich sieht es beim Rundenrekord im Königlichen Park aus. Der liegt noch immer bei Rubens Barrichellos 1:21.046 Minuten aus dem Jahr 2004. Ein Blick auf die Longrun-Zeiten vom Freitag zeigt, dass der Rekord im Rennen vermutlich nicht geknackt wird. Valtteri Bottas fuhr auf einem 14-Runden-Run mit den Supersoft-Reifen eine Mittelwertzeit von 1:24.763 Minuten - also fast vier Sekunden langsamer als Barrichello vor 13 Jahren.


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