Formel 1 - Crash-Pilot Palmer: Auf Zerstörer-Tour in Ungarn

Wie Rallycross in der F1-Edition

Jolyon Palmer zerstört seinen Renault zum Auftakt in Ungarn gleich mehrfach. Besonders der Kerb-Vorfall im 1. Training steht unter allgemeiner Beobachtung.
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Motorsport-Magazin.com - Jolyon Palmer war der große Crash-Pilot am Freitag in Ungarn. Seine Bilanz aus zwei Trainings: ein zerstörter Frontflügel, ein beschädigter Unterboden, ein seitlicher Einschlag und zwei Rotphasen. Es war definitiv nicht der Tag des Renault-Piloten, um den es ohnehin immer wieder Rauswurf-Gerüchte gibt.

Vor allem sein Zwischenfall im 1. Training sorgte für Diskussionen im Nachgang. Wenige Sekunden vor dem Ende der Session verlor Palmer ausgangs der vierten Kurve seinen Frontflügel, fuhr mit dem Rest des Autos darüber und beschädigte sich dabei seinen Reifen sowie den Unterboden. Ein kurioser Unfall, der den Renault-Mechanikern eines an Arbeit zwischen beiden Sessions bescherte.

Gefahrenstelle Kurve 4?

Palmer fuhr dabei in Kurve vier offenbar mehr als unglücklich über das Ende der Kerbs. Neuer Doppel-Kerbs, die erst vor dem Wochenende in den Kurven 4 und 11 angebracht worden waren. "Er fuhr weit über den Kerb", bestätigte Nick Chester, Renaults Technikdirektor. "Es gibt da einen kleinen Abfall am Ausgang der Kerbs. Das reicht aus, damit Chassis, Unterboden und der Frontflügel einfedern. Und ja, es hat gerade so ausgereicht, dass er sich den Flügel abriss."

Bislang war Palmer der einzige Pilot, der sich einen Teil seines Autos an besagter Stelle zerstörte. Er selbst war aber alles andere als begeistert von der Streckenänderung. "Jahrelang konnten wir da von der Strecke runter und dann wieder drauf", sagte der Unglücks-Pilot. "Das ist eine schnelle Kurve mit blindem Eingang. Ich hatte nicht erwartet, dort das Auto zu zerstören."

Unterboden-Wechsel-Dich

Pirelli hat bereits angekündigt, die neuen Doppel-Kerbs noch einmal genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Im Falle einer Ein-Stopp-Strategie müssen die Autos immerhin rund 40 Mal auf demselben Reifensatz an diesen Stellen vorbei. "Wir checken den Grad der Auswirkungen", sagte Pirelli-Manager Mario Isola am Freitagabend.

Für Palmer war der Kerb-Austritt eine kostspielige Angelegenheit. Der lose Frontflügel fügte dem Update-Unterboden seines Renault einige Schäden zu, die zunächst repariert werden mussten. Im 2. Training fuhr Palmer mit einer alten Variante des Unterbodens, der einiges an Performance bringen soll.

Jolyon Palmer fährt hier jedenfalls nicht mehr... - Foto: Sutton

Bitte nicht über die Kerbs fahren...

"Wir haben genügend Frontflügel dabei und reparieren den Unterboden, für Samstag sollte alles passen", beruhigte Nick Chester. Gleichzeitig gab er Palmer für die Zukunft noch einen nett gemeinten Rat mit auf den Weg: "Die Kerbs sind hier neu und der Plan ist, dass die Fahrer nicht über die zweite Reihe dieser Kerbs fahren sollten."

Palmer lernte zumindest daraus und kam im 2. Training unfallfrei an Kurve vier vorbei. Dafür erwischte es ihn in der letzten Kurve. 18 Minuten vor dem Ende der Session verlor er plötzlich die Kontrolle über seinen Wagen und schlug seitlich in der Streckenbegrenzung ein. Das sorgte für eine weitere Rotphase. Palmer fiel, wie zuvor schon Antonio Giovinazzi und Pascal Wehrlein, offenbar plötzlichem Übersteuern zum Opfer.

Rallycross in der F1-Edition

Nach dem Ausbrechen des Hecks konnte Palmer zwar noch gegenlenken, doch da hatte sich das Auto bereits selbstständig gemacht - bis in die Reifenstapel hinein. "Irgendwas hat seit Beginn des Trainings nicht funktioniert", war Palmer sicher. Der Abflug im 2. Training als Folge des Vormittags-Crashs? Palmer: "Das Auto wurde anders wieder zusammengebaut. Wir haben es versucht, mit einer gewissen Unbekannten auszubalancieren. "

Der Teamkollege von Nico Hülkenberg weiter: "Das war nicht nur ein bisschen Übersteuern. Am Heck fehlte der komplette Grip. Und das jedes Mal. Das war wie Rallycross in der F1-Version. Ich hatte schon mal Probleme mit der Balance, aber das hier war viel heftiger."

Etwa ein Problem mit den Reifen, nachdem es in den Trainings auffällig viele Dreher gegeben hatte? Pirelli-Mann Isola beschwichtigte: "Wenn das Setup nicht passt, verlierst du viel Downforce am Heck. Es ist klar, dass das Auto dann viel nervöser reagiert. Das liegt aber nicht am Grip der Reifen. Wenn du hinten Downforce verlierst, dann kommt es eben zum plötzlichen Übersteuern."


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