Formel 1

Max Verstappen: Die irre Pleiten-Serie des Red-Bull-Stars im Detail

Max Verstappen erlebt nach seinem Durchbruch 2016 in der F1-Saison 2017 heftige Rückschläge. Was der Youngster alles einstecken musste und wie es weitergeht:
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Während in der Fromel-1-Saison 2017 alle über die coolen, neuen Autos und das großartige WM-Duell Mercedes vs. Ferrari und Sebastian Vettel vs. Lewis Hamilton, schwärmen, schaut einer dem ganzen Treiben ziemlich verbittert zu: Max Verstappen - weil er eigentlich erwartet hatte, genau dort kräftig mitzumischen.

Doch für Red Bulls Raketenstarter der Vorsaison läuft es 2017 einfach gar nicht. Während Teamkollege Daniel Ricciardo von Podium zu Podium, zuletzt sogar zum Sieg eilt, bleiben für den Youngster allenfalls Krümel vom Kuchen - wenn überhaupt. Das allerdings längst nicht selbst verschuldet. "Er fährt im Moment unglaublich beeindruckend. Er hat wirklich nochmal einen Gang hochgeschaltet", lobt Teamchef Christian Horner.

Verstappens Endgegner? Bremse, Batterie & Öldruck

Das Problem liegt also woanders: meist im Heck des Red Bull RB13, der Power Unit von Renault. Gleich vier Mal scheidet Verstappen in den vergangenen sechs Rennen aus, drei Mal davon wegen technischer Defekte. In Bahrain sind es die Bremsen, in Kanada die Batterie, in Baku erneut die Power Unit, diesmal plötzlicher Abfall des Öldrucks. Verstappen-Ausfall Nummer vier? Als Opfer einer Crash-Kettenreaktion beim Start des Spanien GP in Barcelona.

Besonders bitter: Das Pech erwischt Verstappen noch dazu meist in aussichtsreicher Lage. "Es trifft ihn im Moment einfach immer in super Situationen", bestätigt Horner. Die Chronik:

Bahrain, Spanien: In Sakhir und Barcelona wäre Verstappen zumindest in der Verlosung um ein Treppchen gewesen. In der Wüste fuhr Verstappen an dritter Steller als er mit defekten Bremsen an der Box abstellte, in Montmeló zeigte er ebenfalls einen starken Start, hätte ohne den Abschuss auf der Außenbahn in Kurve eins in Turn zwei die bessere Linie, also eine große Chance gehabt, ebenfalls als Dritter aus der ersten Runde zu kommen.

Monaco: Zwar kein Ausfall, doch auch ein Fall von großem Pech in Monte Carlo. Verstappen hat wie Räikkönen an der Spitze teamintern das Pech, dass der Undercut ausnahmsweise einmal nicht zum Erfolg führt.

Kanada: Verstappen liegt nach einem Raketenstart sogar auf Platz zwei als ihm die Batterie in Runde zehn einen Strich durch die Rechnung macht.

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Baku: Der Red-Bull-Pilot fährt auf P4 als die Power Unit streikt, er in Runde zwölf abstellen muss. Vor ihm liegen mit Hamilton, Vettel und Perez einzig Fahrer, die später durch Strafe, Defekt oder Crash um alle Siegchancen gebracht werden. Nur Formsache gewesen sei da eigentlich ein Sieg, so Horner: "Gar kein Zweifel, nicht im Geringsten."

Fraglich nur, ob Renault in diesem Fall tatsächlich verantwortlich ist. Dasselbe Problem wie in Kanada soll es nicht gewesen sein, offenbar auch kein anderer durch die Konstruktion der Power Unit bedingter Defekt. "Die beiden Defekte hatten nichts miteinander zu tun. Wir hatten hier einen plötzlichen Verlust des Öldrucks", sagt Horner. Sondern? Ein Wrackteil. "Es war ein sehr großes Teil und die Temperaturen gingen hoch. Vielleicht war das die Ursache", vermutet Motorsportberater Helmut Marko.

Frust-Max: Schmale Ausbeute

Entsprechend wenig verwundernd ist der Frust des Niederländers, etwa als Verstappen nach seinem jüngsten Ausfall in Baku seine Medienpflichten boykottiert oder sich am Boxenfunk mit Galgenhumor über den neuerlichen Defekt auslässt. Noch dazu staubt parallel Teamkollege Ricciardo ab, schnappt sich nach drei dritten Plätzen am Fließband in Aserbaidschan auch noch einen Sieg. Einen Sieg, der viel mehr Verstappen hätte gehören sollen, hatte der Niederländer das Training dominiert. Doch wird Verstappen bereits im Qualifying von der Technik ausgebremst, muss den Motor runterdrehen, noch dazu ein entsynchronisiertes Getriebe.

Insgesamt stehen für Max Verstappen somit gerade einmal ein Dritter (China) und drei fünfte Plätze (Australien, Russland, Monaco) als schmale Ausbeute zu Buche, in der WM liegt er mit 45 Zählern nur einen Punkt vor Force Indias Sergio Perez an sechster Stelle. Daniel Ricciardo hat doppelt so viele Punkte vorzuweisen. Alles nur eine Pechsträhne, wiegelt Christian Horner ab. Von Verschwörungstheorien indessen, die Red Bull Daniel Ricciardo bevorzugen sehen, will Verstappen selbst nichts wissen.

Auch selbst macht Verstappen Fehler - aber nur im Training wie hier in Baku - Foto: Sutton

Vor Red Bulls Heimrennen in Spielberg: Renault gelobt Besserung

Doch wie soll es weitergehen? "Das wird sich auch wieder ändern. Das tut es immer und ich bin zuversichtlich, dass es bald der Fall sein wird. Ein gutes Ergebnis ist für ihn nicht weit entfernt", sagt Horner lapidar. Eine Versicherung klingt anders. Viel versichern kann der Teamchef allerdings auch nicht, kommt das größte Ungemach doch von Motorenseite. Doch Renault selbst macht seinem Kunden vor dem Heimrennen Red Bulls in Österreich Mut.

Die neuen Batterien sind jetzt eine andere Spezifikation ohne diese Bedenken.
Remi Taffin

"Es ist völlig klar, dass wir Zuverlässigkeitsprobleme auf der Strecke hatten", gesteht Remi Taffin. "Probleme, die wir sofort angegangen sind", stellt der Technische Direktor Renaults aber klar. Das dürfe allerdings nicht von den klaren Fortschritten ablenken. Immerhin sei Renault in Baku durch besseres Verständnis des eigenen PU-Pakets ein guter Schritt gelungen. Von zwei Zehnteln ist die Rede. Doch dürfte das einen Max Verstappen kaum ruhig schlafen lassen. Auch zwei Sekunden bringen nichts, wenn es nach zehn Runden wieder ganz aus ist.

Doch Taffin macht auch in Sachen Standfestigkeit Mut. "Wir haben neue und bessere Prozesse anlaufen lassen, um auf Probleme aufmerksam zu werden, noch bevor die Autos auf die Strecke gehen und arbeiten auf diesem Gebiet mit großem Einsatz. Immerhin haben wir auch bei unseren Kunden übereinstimmende Probleme gesehen", sagt der Franzose.

Gerade die wiederholten Probleme mit der Batterie sei man angegangen. "Die neuen Batterien sind jetzt eine andere Spezifikation ohne diese Bedenken", versichert Taffin. "Was den Verbrennungsmotor angeht hat bereits die jüngste Spezifikation die bisherigen Probleme adressiert." Nach Österreich werde man die neuesten Versionen aller Komponenten bringen. "Wir sollten keine Wiederholung vorheriger Wehen sehen."


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