Formel 1

Nullnummer statt Sieg: Verstappen-Frust bei Ricciardo-Sieg in Baku

Triumph und Trauer lagen bei Red Bull in Aserbaidschan dicht beisammen. Für Daniel Ricciardo gab es den Sieg, für Max Verstappen blieben nur aufmunternde Worte.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen zeigte in Baku erneut eine fahrerische Darbietung aller höchster Güte - und wieder blieben die Anstrengungen des Red Bull-Piloten unbelohnt. Nach Montreal ereilte den Niederländer beim Großen Preis von Aserbaidschan der zweite Motorschaden in Folge. Während Teamkollege Daniel Ricciardo im Chaos auf den Straßen Bakus den Sieg abstaubte, blieb beim an diesem Wochenende stärker aufgelegten Bullen nur der Frust über eine weitere verpasste Chance.

"Ich bin am Boden zerstört. Nach einem vielversprechenden Start ins Rennen wurde ich schon wieder von der Technik im Stich gelassen", klagte Verstappen, nachdem er bereits in der zwölften Runde die Segel streichen musste. Wie schon beim vorherigen Rennen in Kanada, wo er auf Platz zwei liegend das Rennen vorzeitig beenden musste, war es ein Defekt an seiner Renault-Power-Unit, welcher sämtliche Chancen auf ein Top-Resultat zunichtemachte.

Bei dem chaotischen Rennen hätten wir mindestens auf das Podium fahren können.
Max Verstappen

Verstappen kämpfte zu diesem Zeitpunkt mit Sergio Perez um die dritte Position und auch das Führungsduo mit Lewis Hamilton und Sebastian Vettel war noch in Sichtweite. Angesichts des Sieges von Ricciardo, der zu dieser Zeit auf Platz 17 in den Untiefen des Mittelfeldes unterwegs war, fiel es dem 19-Jährigen nicht schwer, sich auszumalen, was für ihn an diesem Tag drin gewesen wäre: "Bei dem chaotischen Rennen hätten wir mindestens auf das Podium fahren können."

Selbst Red Bull-Teamchef Christian Horner konnte dem kaum widersprechen, hatte Verstappen doch das gesamte Wochenende über die Nase relativ deutlich vor Ricciardo gehabt. Rückblickend wäre der zweite F1-Sieg des Shooting Stars angesichts seiner Pace für Horner eigentlich nur Formsache gewesen: "Gar kein Zweifel, nicht im Geringsten. Vor allem bei den ganzen Zwischenfällen an der Spitze."

Verstappen kämpte gerade mit Perez, als sein Renault-Aggregat den Dienst quittierte - Foto: Sutton

Baku-Motorschaden keine Wiederholung von Montreal

Nachdem Ricciardo schon im Qualifying mit einem Mauerkontakt verwachst hatte, war Verstappen von Startposition fünf aus von vornherein Red Bulls heißestes Eisen für den Grand Prix auf dem Baku City Circuit. Ein vorgezogener Reparatur-Boxenstopp bei Ricciardo in der Anfangsphase trug sein Übriges dazu bei, dass das Team zu Beginn all seine Hoffnungen auf die Startnummer 33 stützte. "Daniel war eigentlich raus zu diesem Zeitpunkt, wohingegen Max sehr stark aussah", so Horner.

Wir müssen uns anschauen, was vom Motor übrig ist und dann herausfinden, was los war. Aber wir sind für Max natürlich sehr enttäuscht.
Christian Horner

Mitten im Zweikampf mit Perez musste Verstappen in der zwölften Runde plötzlich abreißen lassen und kehrte daraufhin in langsamer Fahrt zur Box zurück. Der Pilot kommentierte den neuerlichen Defekt im Boxenfunk lediglich mit einem sarkastischen "Here we go again." An eine Weiterfahrt war laut Red Bull-Berater Helmut Marko nicht zu denken. "Es gab ein Motorproblem, das man mit den Mappings nicht mehr lösen konnte", so der Österreicher, der vermutete, dass ein Wrackteil für den Schaden am Renault-Aggregat verantwortlich sein könnte: "Da war ein sehr großes Teil und die Temperaturen gingen hoch. Vielleicht war das die Ursache."

Horner konnte zumindest bestätigen, dass es sich bei dem Problem nicht um eine Wiederholung des Montreal-Motorschadens handelte. "Die beiden Defekte hatten nichts miteinander zu tun. Wir hatten hier einen plötzlichen Verlust des Öldrucks", erklärte der Brite. Eine Erklärung hatten Team und Motorenlieferant zunächst jedoch nicht: "Wir müssen uns anschauen, was vom Motor übrig ist und dann herausfinden, was los war. Aber wir sind für Max natürlich sehr enttäuscht."

Während Ricciardo momentan auf einer Welle des Glücks schwimmt, muss Verstappen harte Zeiten durchstehen - Foto: Sutton

Horner: Max fährt im Moment unglaublich beeindruckend

Der vierte technischbedingte Ausfall für seinen Fahrer in der laufenden Saison ließ den Teamchef offenbar alles andere als kalt. Während Ricciardo im ersten gemeinsamen Jahr 2016 oftmals noch die bessere Pace hatte, scheint Verstappen seine Spitzenleistungen diese Saison deutlich konstanter abrufen zu können. Auch Horner ist nicht entgangen, dass der Youngster in seinem dritten Jahr in der Königsklasse nochmal zugelegt hat: "Er kam hier hin und war das ganze Wochenende voll dabei. Er fährt im Moment unglaublich beeindruckend. Er hat wirklich nochmal einen Gang hochgeschaltet."

Jetzt gerade ist er enorm frustriert. Und was es für ihn noch schlimmer macht, ist, dass sein Teamkollege Podien und jetzt sogar einen Sieg einfährt.
Christian Horner

Horner sieht, dass die anhaltenden Misserfolge Verstappens Stimmung momentan sehr drücken. Auch, weil es bei Ricciardo dafür umso besser läuft. "Jetzt gerade ist er enorm frustriert. Und was es für ihn noch schlimmer macht, ist, dass sein Teamkollege Podien und jetzt sogar einen Sieg einfährt", erklärte der Brite. Marko sah dies ähnlich: "Es trifft ihn im Moment immer in super Situationen. Und diese Rückschläge treffen ihn doppelt hart, denn sie sind zwar Teamkollegen, aber wenn der andere dann auch noch gewinnt, tut es doppelt weh."

Die Teamführung hat jedoch keinen Zweifel daran, dass Verstappen in naher Zukunft wieder die verdienten Lorbeeren für seine harte Arbeit einfahren wird. "Er hat eine Pechsträhne, aber das wird sich auch wieder ändern. Das tut es immer und ich bin zuversichtlich, dass es bald der Fall sein wird. Ein gutes Ergebnis ist für ihn nicht weit entfernt", so Horner.


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