Formel 1

Lucky RB13: Ricciardo staubt nach Hamilton-Vettel-Clash in Baku ab und siegt

Daniel Ricciardo meisterte den Spießrutenlauf beim Aserbaidschan GP am besten: Während die Gegner strauchelten, fuhr er für Red Bull den ersten Saisonsieg ein.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mit seinem Überraschungs-Sieg schrieb Daniel Ricciardo beim chaotischen Großen Preis von Aserbaidschan 2017 eine der wenigen Erfogsstories - und das, obwohl die Vorzeichen nach seinem verpatzten Qualifying alles andere als gut standen. Auch der Start ins Rennen verlief für den Australier nicht nach Plan. Dennoch hielt er seinen Red Bull erfolgreich auf Kurs, während die Konkurrenz im großen Baku-Chaos reihenweise die Segel streichen musste. Der erste Saisonsieg kam für Ricciardo mehr als unerwartet und schmeckte damit umso süßer.

"Ich kann es wirklich nicht glauben. Es war so ein verrücktes Rennen", resümierte der nun fünfmalige Grand-Prix-Sieger nach seinem Überraschungs-Triumph im achten Rennen der Formel-1-Saison 2017. Von Startplatz zehn aus hatte Ricciardo zunächst nicht die besten Karten auf einen Durchmarsch an die Spitze und ein unplanmäßiger Boxenstopp in Runde fünf tat sein Übriges dazu bei, dem 27-Jährigen einen harten Tag zu bereiten: "Ich hatte gleich am Anfang Wrackteile in der Bremsbelüftung und war nach dem vorgezogenen Boxenstopp nur noch auf Platz 17."

Ich hatte noch nie einen langweiligen Sieg, und das heute war sicherlich auch keiner.
Daniel Ricciardo

Zu diesem Zeitpunkt sah selbst der stets optimistische Ricciardo nur geringe Chancen, in diesem Rennen noch ein denkwürdiges Resultat zu erreichen: "Da habe ich natürlich nicht an einen Sieg geglaubt. Darauf hätte ich nie gewettet." Der weitere Rennverlauf war dann aber ganz nach Ricciardos Geschmack, hatte sich der Red Bull-Pilot doch ein ereignisreiches Rennen mit jeder Menge Safety Car-Phasen nach dem Qualifying noch gewünscht.

"Ich hatte es gestern nach meinem Fehler im Zeittraining noch gesagt: Heute würde ein Rennen gespickt von Fahrfehlern werden, bei dem es darauf ankommt, selbst keinen Ärger zu haben und davon zu profitieren", erklärte Ricciardo weiter. Nach dem unverschuldeten Rückschlag in der Anfangsphase hielt der Red Bull-Pilot sich an seinen Plan und rückte sukzessive weiter vor: "Die Dinge liefen für uns und ich konnte bei jedem Re-Start Positionen gutmachen.

Red Bulls erster Saisonsieg kam wie 2016 durch Fehler der Konkurrenz zustande - Foto: Sutton

Nach Rennabbruch Lunte gerochen

Vom Sieg war Ricciardo in der ersten Rennhälfte zunächst aber weit entfernt, denn an der Spitze gaben Lewis Hamilton und Sebastian Vettel den Ton an. Erst nachdem die beiden Spitzenreiter aneinandergeraten waren und es gegen Rennhalbzeit aufgrund der verschmutzten Strecke einen Abbruch gab, nahm Ricciardos Rennen wieder Fahrt auf: "Nach all dem Chaos und der roten Flagge hatte ich das Gefühl, dass das Podest in Reichweite war."

Als ich gesehen habe, dass Lewis an die Box musste und Seb die Strafe bekam, wusste ich, dass der Sieg möglich war.
Daniel Ricciardo

Beim Re-Start lag der spätere Sieger zunächst nur auf dem siebten Rang. Bei der Anfahrt zur ersten Kurve nutzte er die Gunst der Stunde und flog innen an einer ganzen Reihe von Konkurrenten vorbei. In seinen Augen im Nachhinein die rennentscheidende Szene: "Der letzte Re-Start war der wichtigste. Ich glaube es waren Stroll, Hülkenberg und Massa. Wir fuhren zu viert nebeneinander und ich schaffte es, mir die dritte Position zu schnappen. Das war das siegbringende Manöver."

Dass es schlussendlich wirklich den Sieg bringen könnte, erkannte Ricciardo allerdings erst, als die Spitzenreiter von der Technik beziehungsweise der Rennleitung vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurden. Nachdem Hamilton seine Kopfstütze wechseln lassen und Vettel eine 10-Sekunden-Zeitstrafe absitzen musste, übernahm Ricciardo die Führung. In dem Moment wurde auch ihm klar, dass es tatsächlich klappen könnte. "Als ich gesehen habe, dass Lewis an die Box musste und Seb die Strafe bekam, wusste ich, dass der Sieg möglich war", erklärte er weiter.

Stroll kam bei seinem ersten Podestbesuch gleich in den Genuss von Ricciardos obligatorischem Shoey - Foto: Sutton

Gekichert wie ein kleiner Schuljunge

Bis zum Zielstrich musste Ricciardo seine Führung samt Vorsprung für ganze 17 Runden verwalten. Vom hinter ihm fahrenden Lance Stroll im Williams ging dabei nicht wirklich eine Gefahr aus, denn der Rookie erlag auf dem Weg zu seinem ersten Podium nicht der möglichen Gier nach einem Rennsieg. Während der an diesem Wochenende eigentlich besser aufgelegte Teamkollege Max Verstappen früh mit einem Defekt die Segel streichen musste, freute sich Ricciardo nach dem unerwarteten ersten Saisonsieg ein Loch in den Bauch. "Ich war in der Ehrenrunde sprachlos und habe gekichert wie ein kleiner Schuljunge", beschrieb er die Emotionen nach der Zieldurchfahrt.

Nach meinem Fehler im Qualifying war ich ganz klar enttäuscht, aber man darf niemals aufgeben und muss immer bis zum Ende kämpfen.
Daniel Ricciardo

Der fünfte Sieg in der Karriere des WM-Dritten von 2014 war zweifelsohne ähnlich denkwürdig wie seine bisherigen Erfolge. Auch Ricciardo ist nicht entgangen, dass jeder seiner Triumphe, angefangen vom Premieren-Sieg in Montreal 2014 bis hin zum aktuellen Erfolg in Baku, stets eine kleine Überraschung war: "Ich hatte noch nie einen langweiligen Sieg, und das heute war sicherlich auch keiner." Die Tatsache, dass der Sieg auf dem Baku City Circuit am Ende eines besonders kniffligen Wochenendes stand, sorgte bei Ricciardo allerdings für ein besonders gutes Gefühl.

"Nach meinem Fehler im Qualifying war ich ganz klar enttäuscht, aber man darf niemals aufgeben und muss immer bis zum Ende kämpfen", so der Australier. Auf dem Podium ließ es sich Ex-Pilot David Coulthard bei den Interviews dann nicht nehmen, Ricciardos Shoey-Ritual mit dem eigenhändigen öffnen von dessen linkem Schuh höchstpersönlich einzuleiten. "Die anderen wollen eine australische Feier. Ihr seid auf dem Podium in Aserbaidschan, da könnt ihr einen Drink, den der Sieger ausgibt, nicht ausschlagen", scherzte der Schotte.


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