Formel 1

Aserbaidschan GP: Die 10 Antworten zum Rennen

So viel Action wie beim Aserbaidschan GP gab es schon lange nicht mehr in der F1. Die Antworten zum Rennen in Baku.
von Philipp Schajer

Wie gewann Ricciardo das Rennen?

Daniel Ricciardo startete nur vom zehnten Platz und musste bereits in der sechsten Runde stoppen, weil sich ein Teil in der Bremsbelüftung seines Red Bulls verfangen hatte. Dann jedoch lief das Chaos-Rennen für den Australier wie am Schnürchen. Ricciardo hielt sich aus allen Schwierigkeiten heraus, profitierte von den Missgeschicken und Fehlern der anderen Piloten und zeigt selbst tolle Überholmanöver, unter anderem gegen beide Williams-Piloten.

Ausschlaggebend für Ricciardos Sieg war letztlich aber freilich, dass Sebastian Vettel für seinen Rammstoß gegen Lewis Hamilton bestraft wurde und der Mercedes-Pilot seinerseits einen Not-Stopp einlegen musste, da sein Cockpit-Kopfschutz defekt war. Dadurch wurde Ricciardo vom dritten auf den ersten Platz befördert, den er in souveräner Manier nach Hause fuhr und seinen fünften Grand-Prix-Sieg feierte.

Warum gab es drei Safety-Car-Phasen und eine Unterbrechung?

Gleich drei Mal gab es in Baku das Safety Car zu bestaunen - Foto: Sutton

Baku sah binnen kurzer Zeit gleich drei Safety-Car-Phasen. In Runde 13 blieb Daniil Kvyat an einer ungünstigen Stelle stehen, sodass Bernd Mayländer auf die Strecke geschickt wurde, um den havarierten Toro Rosso sicher bergen zu können. Als das Rennen in Runde 16 wieder freigegeben wurde, verloren einige Boliden Teile, die zahlreich auf der Strecke verteilt wurden - erneut wurde das Safety Car auf den Plan gerufen.

Beim zweiten Restart in Runde 19 kamen sich schließlich die beiden Force-India-Piloten Sergio Perez und Esteban Ocon ins Gehege. Wieder kam das Safety Car zum Einsatz, um die Strecke säubern zu können. Nach zwei Runden entschied die Rennleitung dann, den Grand Prix per roter Flagge zu unterbrechen, um die Streckenposten nicht zu gefährden. Nach 22 Minuten wurde das Rennen wieder aufgenommen.

Warum gab es zwischen Vettel und Hamilton Stunk?

Am Ende der zweiten Safety-Car-Phase nahm Hamilton zunächst viel Abstand vom Safety Car, über dessen geringes Tempo er sich bereits mehrfach beklagt hatte, zudem verlangsamte er vor Kurve 14 stark. Vettel war auf das Bremsmanöver nicht eingestellt und krachte Hamilton ins Heck, wobei sowohl der Diffusor des Mercedes als auch der Frontflügel des Ferraris leicht beschädigt wurden.

Weil sich Vettel durch Hamiltons Verhalten provoziert sah, fuhr er völlig in Rage links neben den Briten und versetzte ihm einen Rammstoß, während er in seine Richtung gestikulierte. Beide Autos wurden dabei nur leicht beschädigt und konnten das Rennen wieder aufnehmen.

Die Stewards nahmen sich des Vorfalls an und belegten Vettel mit einer 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe, zudem bekam der Ferrari-Pilot drei Strafpunkte aufgebrummt. Hamilton kam mit seinem vermeintlichen "Bremstest" hingegen ungeschoren davon.

Warum musste Hamilton einen Not-Stopp einlegen?

Durch Vettels Strafe wäre der Weg zum Sieg für Hamilton frei gewesen, doch der Mercedes-Pilot musste ebenfalls unfreiwillig die Boxen anlaufen. Am Silberpfeil hatte sich der Cockpit-Kopfschutz gelöst, und weil Hamilton nicht selbst in der Lage war, ihn wieder in die richtige Position zu bringen, musste er stoppen, damit dies von den Mercedes-Mechanikern erledigt werden konnte. Der Brite kam unmittelbar hinter Vettel zurück auf die Strecke und fand im restlichen Rennen keinen Weg an ihm vorbei.

Wie kam Bottas vom Ende des Feldes bis aufs Podium?

Für Valtteri Bottas war das Rennen nach einer Stallkollision mit Kimi Räikkönen eigentlich schon gelaufen. Der Mercedes-Pilot schleppte sich zurück an die Box und verlor dabei über eine Runde. Im Zuge der Safety-Car-Phasen durfte sich Bottas jedoch zurückrunden und fand so wieder den Anschluss an das kompakte Feld, durch das er sich in weiterer Folge pflügte. Darüber hinaus profitierte er wie Ricciardo von den Strafen und Ausfällen.

In der Schlussphase des Rennens drehte Bottas eine schnellste Runde nach der anderen und holte sukzessive auf Lance Stroll auf, den er mithilfe des Windschattens wenige Meter vor der Ziellinie auch tatsächlich noch überholte und so Zweiter wurde.

Wie wurde Stroll Dritter?

Lance Stroll schrieb in Baku Geschichte und fuhr als jüngster Rookie überhaupt in der Formel 1 auf das Podium. Der vielgescholtene Kanadier fuhr im Gegensatz zu vielen anderen auf dem schwierigen Stadtkurs ein fehlerfreies Rennen und arbeitete sich kontinuierlich nach vorne. Vor dem dritten Restart lag Stroll bereits an vierter Stelle, hinter Hamilton, Vettel und seinem Teamkollegen Massa.

Zum ersten Mal auf dem Podium: Da macht Stroll große Augen - Foto: Sutton

Massa schied in weiterer Folge aus, dafür musste Stroll im Gegenzug Ricciardo vorbeilassen, sodass er nach der der Strafe gegen Vettel und Hamiltons Not-Stopp an zweiter Stelle lag. Zwar ließ sich der Williams-Pilot auf den letzten Metern des Rennens noch von Bottas überholen, der Freude über Platz drei tat dies jedoch keinen Abbruch.

Was war zwischen Perez und Ocon?

Wie schon in Kanada lieferten sich die Force-India-Piloten ein heißes Duell, diesmal mit unschönem Ausgang für das indische Team. Beim zweiten Restart wollte Esteban Ocon in Kurve zwei Sergio Perez überholen, ließ dem Mexikaner am Kurvenausgang aber zu wenig Platz, sodass es zur Berührung kam.

Beide Piloten mussten sich mit ihren beschädigten Autos daraufhin zurück an die Boxen schleppen, konnten nach Reparaturarbeiten aber zumindest vorerst weiterfahren. Während Perez später aufgeben musste, kam Ocon immerhin als Sechster ins Ziel.

Bitteres Aus für Sergio Perez - Foto: Sutton

Warum schied Verstappen schon wieder aus?

Max Verstappen bleibt vom Pech verfolgt und musste bereits den vierten Ausfall in den letzten sechs Rennen hinnehmen. Der Niederländer machte in Runde 13 Jagd auf den drittplatzierten Sergio Perez, als er plötzlich keine Leistung mehr hatte. "Ein plötzlicher Motorschaden warf Max aus dem Rennen", erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Was war bei Räikkönen los?

Kimi Räikkönen erlebte ein völlig verkorkstes Rennen. Zwar wurde der Ferrari des Finnen bei der Startkollision mit Landsmann Bottas nicht stark beschädigt, er wurde durch den Zwischenfall jedoch von Perez und Verstappen überholt und fiel auf den fünften Platz zurück. Beim zweiten Restart holte sich Räikkönen in den Trümmer-Teilen, die aus der Force-India-Kollision hervorgegangen waren, einen Reifenschaden und beschädigte sich in weiterer Folge den Unterboden.

Während der Rennunterbrechung konnte der Ferrari zwar repariert werden, allerdings nicht wie vorgeschrieben in der Fastlane, sondern in der Garage, was eine Durchfahrtstrafe nach sich zog. In Runde 46 gab der Finne das Rennen schlussendlich auf.

Räikkönen und Bottas kollidierten - Foto: Sutton

Wie wurden Massa und Hülkenberg um ein Top-Ergebnis gebracht?

Felipe Massa lag vor dem dritten Restart an der dritten Stelle. Nach der Wiederaufnahme des Rennens wurde der Williams-Pilot zunächst von Daniel Ricciardo überholt, ehe er kurz darauf immer langsamer wurde und schließlich wegen eines defekten Dämpfers an der Hinterachse aufgeben musste.

Auch Nico Hülkenberg hatte ein Top-Ergebnis vor Augen, ehe er an Position sechs liegend die Leitplanke an der Innenseite von Kurve sieben touchierte und seinen Renault in weiterer Folge mit einer gebrochenen Vorderradaufhängung abstellen musste.


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