Formel 1

Pro & Contra - Vettels Baku-Strafe nach Hamilton-Rammstoß angemessen?

Sebastian Vettels Rammstoß gegen Lewis Hamilton in Baku war der Skandal des Rennens. Der Ferrari-Star kassiert eine Strafe. Okay oder zu lasch? Wir diskutieren.
von Christian Menath & Robert Seiwert

Pro: Die Strafe geht in Ordnung

Zugegeben: Ganz sauber war es nicht, was sich Vettel da geleistet hat. Dem Gegner absichtlich einen Rempler zu verpassen, da hätte er sich über eine härtere Strafe kaum beschweren können. Dürfte kein Geheimnis sein, dass er sich schlichtweg an Hamilton wegen dessen Rumschleicherei revanchiert hat. Auch, wenn Vettel das so natürlich niemals zugeben würde.

Aber dafür eine drakonische Strafe wie Disqualifikation oder gar Rennsperre zu fordern, wäre doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Denn letztendlich gibt es nur eine Sache, die den Sport überhaupt rechtfertigt: menschliche Emotionen. Und genau diese hat Vettel in Baku gezeigt. Hart, aber immer noch kontrolliert genug.

Ja, es war an der Grenze, aber seien wir doch mal ehrlich: Es ist überhaupt nichts passiert in dieser Situation. Viel ärgerlicher war direkt davor, dass sich Vettel Teile seines Frontflügels an Hamiltons Silberpfeil zerstört hat. Daraufhin gab's eben eine kleine Retourkutsche. Die FIA hatte vor der Saison ausgeschrieben, dass Zwischenfälle lockerer geahndet werden. Und in Baku entsprechend gehandelt.

Also lassen wir alle mal die Kirche im Dorf und freuen uns lieber über ein WM-Duell, das gerade um eine ganze Spur brisanter geworden ist. Klar, solche Aktionen wie von Vettel sind nicht schön. Es sollte aber im Einzelfall entschieden werden, ob es eine Strafe gibt - hier war das Urteil der Rennleitung angemessen.

Contra: Strafe viel zu lasch

Sorry, aber wenn es für einen stinknormalen Unfall Startplatzstrafen und Co. gibt, dann muss ein vorsätzlicher Rammstoß deutlich härter bestraft werden, als mit 10 Sekunden Stop and Go und drei Strafpunkten. Man kann Motorsport wirklich selten mit Fußball vergleichen, aber hier passt es: Für ein vorsätzliches Revanche-Foul gibt es Rot. Auch wenn der Vorfall bei niedriger Geschwindigkeit passiert ist, bei einer Tätlichkeit reicht der einfache Tatbestand für einen Platzverweis.

Wieder zurück zum Motorsport: Platzverweis bedeutet Disqualifikation. Und danach kann man noch darüber diskutieren, ob es auch für das nächste Rennen eine Strafe geben soll. Wer garantiert denn, dass Vettel nicht wieder die Sicherungen durchbrennen? Und was passiert, wenn ihm die Nerven das nächste Mal bei 300 km/h durchgehen? Solch einem Verhalten muss man einen Denkzettel verpassen.

Dazu waren der Zeitpunkt, zu dem die Strafe ausgesprochen wurde und die Art und Weise, wie die Stewards dazu kamen, zumindest fragwürdig. Wollte man Vettel nur wieder auf der Strecke gegen Hamilton kämpfen sehen? Normalerweise müssen bei einem solchen Zwischenfall beide Fahrer nach dem Rennen angehört werden.

Darauf verzichtete man diesmal und vergaß dabei sogar, Vettel gleich noch drei Strafpunkte zu geben. Das wurde erst nach dem Rennen korrigiert. Im WM-Kampf sollten solch wichtige Entscheidungen wohl überlegt und nicht nach Gusto des Rennverlaufs entschieden werden.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter