Formel 1

Formel 1, Kanada GP: Die große Analyse Team für Team

Lewis Hamilton krönt sich immer mehr zum König von Kanada. Sebastian Vettel zeigte eine tolle Aufholjagd, während McLaren erneut ohne Punkte blieb.
von Robert Seiwert

Mercedes: Dominanter Doppelsieg

  • Statistik: 1. Doppelsieg 2017
  • Besonderheiten: 6. Kanada-Sieg für Hamilton, 4. Grand Slam seiner Karriere
  • Techn. Probleme: Keine
  • Strafen: Keine
  • Lewis Hamilton: "Die Arbeitsatmosphäre ist dieses Jahr auf einem komplett anderen Level. Auf einem professionellen Level, das über jedem steht, das ich bislang erlebt habe."
  • Valtteri Bottas: "Es ist beeindruckend, wie das Team in den letzten 2 Wochen reagiert hat."

Das Ping-Pong-Spiel in der Formel 1 geht munter weiter. Mercedes war in Montreal das dominante Team, allen voran Lewis Hamilton. Der Kanada-Spezialist fuhr in seiner eigenen Welt, holte den Sieg, Pole, schnellste Runde und führte das ganze Rennen lang an. Schon nach dem Start war ziemlich klar, dass sein Sieg unangefochten sein würde, die Konkurrenz half zudem fleißig mit. Valtteri Bottas holte mit Platz 2 ebenfalls viele Punkte, verblasste aber komplett in Hamiltons Antlitz.

Lewis Hamilton gelang das perfekte Wochenende in Kanada - Foto: Mercedes-Benz

Ferrari: Team-Patzer bei Vettel

  • Statistik: Vettel 2017 erstmals nicht auf dem Podium
  • Besonderheiten: Vettel-Aufholjagd von P18 auf P4 nach frühem Schaden
  • Techn. Probleme: Flügel und Unterboden bei Vettel, Bremsen bei Kimi
  • Strafen: Keine
  • Sebastian Vettel: "Man kann Max wirklich keinen Vorwurf machen."
  • Kimi Räikkönen: "Es ging es nur noch darum, das Rennen irgendwie zu beenden."

Schadensbegrenzung bei Sebastian Vettel. Der Ferrari-Star fiel nach einem Start-Kontakt mit Verstappen bis auf den 18. Platz zurück, kämpfte sich am Ende bis auf Rang vier zurück. Es hätte besser laufen können, wenn Ferrari den Unterboden-Schaden an Vettels Auto richtig eingeschätzt hätte. Am Ende profitierte er zumindest ein wenig vom teaminternen Geplänkel bei Force India. Kimi Räikkönen erwischte keinen guten Start, steckte im Verkehr, switchte früh auf Zwei-Stopp-Strategie und kämpfte am Ende mit den Bremsen. Gebauchtes Rennen.

EIn Schaden am Frontflügel warf Sebastian Vettel weit zurück - Foto: Sutton

Red Bull: Ricciardo zum Dritten!

  • Statistik: 3. Podestplatz für Ricciardo in Folge, 3. Ausfall von Verstappen in letzten 5 Rennen
  • Besonderheiten: Verstappen fällt von P2 aus - richtig angefressen
  • Techn. Probleme: Energiespeicher-Defekt sorgt für Verstappen-Aus
  • Strafen: Keine
  • Daniel Ricciardo: "Ich war froh, als ich die Ziellinie gesehen habe. Das war hart!"
  • Max Verstappen: "So läuft es manchmal im Racing - aber es reicht langsam."

Daniel Ricciardo, der heimliche Podest-Hamster. Auch in Kanada fuhr er aufs Podium, nach ewiger Jagd durch die Force Indias. Der Australier behielt dank perfekter Performance die Oberhand, sprach von einem extrem harten Rennen, weil ihn jeder kleine Fehler das Podest gekostet hätte. Ganz anders bei Max Verstappen, dem großen Pechvogel. Nach einem Granaten-Start fuhr er auf Platz zwei, das Podium in Reichweite. Nach dem Re-Start versetzte ihm ein technischer Defekt den K.o.

Max Verstappen rollte auf Rang zwei liegend aus - Foto: Sutton

Force India: Ärger überschattet Top-Leistung

  • Statistik: Zum 6. Mal doppelte Punkte fürs Team
  • Besonderheiten: Teamorder-Ärger zwischen Perez und Ocon
  • Techn. Probleme: Keine
  • Strafen: Keine
  • Sergio Perez: "Esteban war aber nie nah genug für einen Überholversuch."
  • Esteban Ocon am Funk: "Das kann er nicht machen, das ist kein faires Racing. Das ist nicht fair!"

Eine erneut starke Teamleistung von Force India wurde überschattet vom anschließenden Ärger zwischen Sergio Perez und Esteban Ocon. Als die beiden auf den Plätzen vier und fünf liegend Jagd auf Daniel Ricciardo machten, kam der Vorschlag an Perez, seinen vermeintlich schnelleren Teamkollegen vorbei zu lassen. Perez weigerte sich aber. Es kam zum Zweikampf der Pink Panther, von dem letztendlich Sebastian Vettel profitierte und beide überholte. Dann fühlte sich Ocon in der letzten Schikane auch noch unfair behandelt, weil sich Perez hart verteidigte. So etwas soll in Zukunft nicht mehr passieren.

Die beiden Force-India-Piloten bekamen sich in die Haare - Foto: Sutton

Toro Rosso: Ärger und Ausfall

  • Statistik: Erster Doppel-Ausfall in der Saison 2017
  • Besonderheiten: Doppelte Strafe für Kvyat
  • Techn. Probleme: Chaos beim Kvyat-Boxenstopp
  • Strafen: 3 Plätze für Sainz in Baku nach Grosjean/Massa-Crash
  • Daniil Kvyat: "Sind wir Taxifahrer oder Formel-1-Fahrer? Ich verstehe das nicht. Es ist ein Zirkus, ein dummer, verfickter Zirkus."
  • Carlos Sainz: "Ich habe das andere Auto nicht gesehen, war in meinem toten Winkel."

Katastrophen-Rennen für Toro Rosso! Daniil Kvyat wurde kurioserweise doppelt bestraft, weil er wegen eines abgewürgten Motors zu spät zu seinem Startplatz kam. Nach einem Reifen-Chaos samt defekter Radmutter nahm das Team den Russen in Runde 54 aus dem Rennen. So weit kam Carlos Sainz erst gar nicht, nachdem er beim Start in Grosjean geknallt war und dabei auch noch Massa abräumte. Seine Argumentation - siehe Zitat oben - ließ die Rennleitung nicht gelten.

Daniil Kvyat musste zwei Strafen antreten - und war bedient - Foto: Sutton

Williams: Hype um Stroll

  • Statistik: 1. WM-Punkt für Stroll in der Formel 1
  • Besonderheiten: Massa beim Start abgeschossen
  • Techn. Probleme: Keine
  • Strafen: Keine
  • Lance Stroll: "Menschen, die mich nicht mögen, finden immer irgendwas."
  • Felipe Massa: "Ich war kompletter Passagier beim Unfall."

Für Williams fühlte sich der neunte Platz von Lance Stroll an wie ein Sieg. Paddy Lowe machte sich instinktiv sogar auf den Weg in Richtung Podest... Später gab es noch Crowdsurfing und Teamfoto für Lance nach den ersten Punkten in der Formel 1. Dem gesamten Stroll-Clan - und auch Williams - fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Schlechter lief es bei Felipe Massa, der dem Start-Crash zwischen Sainz und Grosjean zum Opfer fiel.

Beim Heimrennen platzte für Lance Stroll der Knoten - Foto: Sutton

Renault: Hulk punktet weiter

  • Statistik: 4. Punktefahrt für Hülkenberg mit Renault
  • Besonderheiten: Palmer zum 2. Mal in Folge auf P11
  • Techn. Probleme: Keine
  • Strafen: Keine
  • Nico Hülkenberg: "Natürlich haben uns ein paar Ausfälle geholfen."
  • Jolyon Palmer: "Das ist sehr frustrierend."

Nico Hülkenberg versuchte es mit einem frühen Boxenstopp während des Virtual Safety Car, der ihn aber weit ins Mittelfeld zurückwarf. Im Laufe des Rennens kämpfte er sich bis auf den achten Platz zurück - und zum vierten Mal in dieser Saison in die Punkteränge. Renault-Teamkollege Jolyon Palmer setzte hingegen auf einen ausgedehnten ersten Stint, der ihn schließlich auf Platz 11 führte - zum zweiten Mal in Folge.

Nico Hülkenberg fuhr erneut Zählbares für Renault ein - Foto: Sutton

Haas: Reifen-Held Grosjean

  • Statistik: Grosjean zum 3. Mal in Folge in den Punkten
  • Besonderheiten: Grosjean fährt 69 Runden auf Supersoft
  • Techn. Probleme: Frontflügel-Schaden bei Grosjean
  • Strafen: 5 Sekunden für Vandoorne wegen Überholen unter Safety Car
  • Romain Grosjean: "Ich bin sehr unglücklich mit Sainz' Manöver, sehr gefährlich."
  • Kevin Magnussen: "Eine sehr unfaire Bewertung der Rennleitung."

Romain Grosjean wurde beim Start von Sainz torpediert und musste in der Folge seinen Frontflügel wechseln. Den Stopp nutzte er zum Reifenwechsel und legte dann 69 Runden auf den Supersofts zurück. Am Ende profitierte er von Alonsos Ausfall und kassierte den letzten WM-Punkte. Kevin Magnussen kassierte eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, nachdem er Stoffel Vandoorne unter Virtual Safety Car überholt hatte.

Romain Grosjean holte nach einem zähen Rennen immerhin einen Punkt - Foto: Sutton

McLaren: Alonso wieder tragischer Held

  • Statistik: Noch immer kein WM-Punkt für McLaren
  • Besonderheiten: Alonso nach Ausfall auf Fan-Tribüne
  • Techn. Probleme: Motorschaden bei Alonso
  • Strafen: Vermutlich Grid-Strafe für Alonso in Baku wegen Motorwechsel
  • Fernando Alonso: "Auf der Mitte der Geraden werden wir von allen überholt."
  • Stoffel Vandoorne: "Hoffentlich wird es bald besser, sodass wir gegen die anderen fahren können."

Fernando Alonso avancierte nach seinem Indy-Abenteuer einmal mehr zum tragischen Helden der Formel 1. Bis zwei Runden vor Schluss fuhr der Spanier tatsächlich in den Punkterängen - dann knockte ihn ein Motorschaden aus. Die Szene des Kanada GP: Nach dem Ausfall begab sich Alonso zu den Fans auf die Tribüne und warf seine Handschuhe ins Publikum. Stoffel Vandoorne sah immerhin die Zielflagge, war mit dem McLaren aber komplett unterlegen. In Kanada knallte es hinter den Kulissen, McLaren übte massive Kritik an Honda.

Fernando Alonso blieb erneut ohne Punkte - Foto: Sutton

Sauber: Graue Maus am Ende des Feldes

  • Statistik: Weiter nur in einem von sieben Rennen Punkte
  • Besonderheiten: Wehrlein-Crash im Qualifying
  • Techn. Probleme: Getriebe-Wechsel bei Wehrein
  • Strafen: Wehrlein deshalb Start aus Boxengasse
  • Marcus Ericsson: "Insgesamt ein hartes Wochenende."
  • Pascal Wehrlein: "Crash im Quali, und ich konnte nicht mit den Gegnern mithalten."

Für Sauber gab es in Kanada wie erwartet überhaupt nichts zu holen. Da half der Unfall von Pascal Wehrlein im Qualifying auch nicht gerade. Im Rennen konnten beide Sauber die Pace der Konkurrenz kaum mitgehen, Wehrlein plagte sich zusätzlich noch mit der Reifen-Performance. Abhaken, weitermachen.

Pascal Wehrlein crashte im Qualifying in Kanada - Foto: Sutton

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