Formel 1

Alonso: Beste Aktion beim Kanada GP 2017

Fernando Alonso hat in Kanada den ersten WM-Punkt für McLaren verloren - dafür die Herzen der Fans gewonnen. Sein später Ausfall hat bittere Folgen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Es mag kurios klingen, aber Fernando Alonso war der Gewinner des Großen Preis von Kanada. Zumindest für die Fans. Einmal mehr sorgte der leidgeplagte McLaren-Superstar mit einer Geste abseits der Rennstrecke für Begeisterung. Nach Podest-Selfie mit Button, Sonnenstuhl-Einlage und Kamerakind-Einsatz gingen nun Bilder von Alonso um die Welt, wie er sich nach seinem Ausfall mitten auf die Zuschauertribüne begab.

Es war die Szene des Montreal-Rennens, als sich Alonso nach seinem Ausfall zwei Runden vor Schluss - der nächste Motorschaden - umgeben von Fans feiern ließ und seine Handschuhe ins jubelnde Publikum warf. Noch näher kommt man an einen Formel-1-Fahrer wohl kaum dran.

So weit konnte er nicht werfen

Alonso lieferte später die Erklärung für seine Fan-Aktion. "Eigentlich wollte ich den Zuschauern meine Handschuhe zuwerfen", sagte der zweifache Weltmeister. "Aber die Tribüne war so weit weg. Ich dachte, dass ich nicht so weit komme, wenn ich sie dahin werfe. Deshalb bin ich einfach etwas näher rangegangen..."

Alonso mittendrin im Geschehen, das ließ den unbefriedigenden Rennausgang zumindest etwas in den Hintergrund rücken. Die Fans hatten jedenfalls ihren Spaß. Alonso: "Als ich dann auf der Tribüne war, dachte ich, dass ich da gar nicht mehr wegkomme und den ganzen Nachmittag dort verbringe. Wir haben so viel Unterstützung in Kanada, da wollte ich etwas zurückgeben."

Fan-Aktion wirklich spontan?

Über Alonsos Quasi-Crowdsurfing dürfte sich auch Liberty Media gefreut haben. Die neuen Besitzer der Formel 1 haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Sport wieder zuschauerfreundlicher zu machen. Mit Alonso haben sie das wohl beste Aushängeschild, trotz sportlicher Pleiten in den letzten Jahren gilt er noch immer als absoluter Fan-Liebling.

War der Tribünen-Besuch wirklich eine spontane Reaktion, oder steckte doch etwas mehr dahinter? Am Freitag hatten sich Alonso und Liberty-Präsident Chase Carey zum Gespräch im Fahrerlager getroffen. Ob der US-Amerikaner dem McLaren-Fahrer einen kleinen Tipp mit auf den Weg gab? Egal, Alonso lieferte das perfekte Beispiel, wie die Fan-Formel der Zukunft aussehen soll.

Fernando Alonsos Rennen endete auf dem Abschleppwagen - Foto: Sutton

Das nächste Debakel

Rein sportlich war es allerdings einmal mehr ein Debakel für Alonso und McLaren-Honda. Die Zeichen stehen ohnehin auf Abschied nachdem sich McLaren-Chef Zak Brown unermüdlich über den Motorenpartner beschwert hatte und radikale Änderungen forderte. Wohl auch, um seinen Star-Piloten zum Bleiben zu bewegen. Alonso hatte McLaren am Donnerstag eine Art Ultimatum gestellt: Sieg bis September, ansonsten ist er weg.

In Kanada war McLaren Lichtjahre entfernt von einem möglichen Sieg. Dass der Circuit Gilles Villeneuve die größten Probleme des Autos herausstellen würde, war ohnehin klar. So fasste Alonso seine Performance am Sonntagabend dann auch in einem Satz zusammen: "Auf den Geraden werden wir von allen überholt, das ist frustrierend."

Mehr Spaß außerhalb des Autos: Alonso mit F1-Fan Michael Douglas - Foto: Sutton

Alonso interessiert Punkt nicht

Die ersten Punkte für das Team aus Woking waren diesmal zum Greifen nah - sorgten letztendlich bei Alonso aber nur für ein Achselzucken. Für das Team hätte er sich gefreut nach all der harten Arbeit, versicherte. Für ihn persönlich wäre Platz zehn aber nicht die Erlösung gewesen: "Das hätte mein Leben nicht verändert. Ein Punkt... ich bin seit 16 Jahren hier. Aber für die Jungs wollte ich ein gutes Ergebnis einfahren."

Darauf werden die Ingenieure und Mechaniker aber noch eine ganze Weile warten müssen. Die Hoffnung auf Punkte beim nächsten Rennen in Baku ist jetzt verschwindend gering. Nach dem erlittenen Motorschaden wird McLaren die Power Unit in Alonsos Auto wechseln müssen. Die erlaubten vier Motorenelemente sind schon seit Monaco überschritten, dort bekam Ersatzmann Jenson Button bereits eine Platzstrafe aufgebrummt.

"Das ist sehr frustrierend", räumte Alonso ein. "Wir haben nicht nur heute das Rennen verloren, sondern starten auch in Baku als Letzter. In Monaco wurde der Motor schon gewechselt und hier ging er dann hoch. Das ist keine schöne Situation. Aber wir Fahrer können nicht mehr tun als so schnell wie möglich zu fahren." Und das ist dank Honda-'Power' keine einfache Aufgabe...


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