Formel 1

Comeback-Button: Erst Monaco, dann Alonso-Show beim Indy 500

Jenson Button steigt in Monaco für Fernando Alonso ins McLaren-Cockpit. Der Pensionist freut sich auf die Rückkehr - wäre er doch ohnehin im Fürstentum gewesen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - McLarens 'innovative Drei-Fahrer-Strategie' wurde zu ursprünglich nur belächelt - hörte es sich doch eher nach einer Art Altersteilzeit für Jenson Button an, der als vermeintlicher dritter Fahrer für sein Team noch ein wenig die Werbetrommel rührt und sich auf diese Weise langsam aber sicher aus der Welt der Formel 1 verabschiedet. Beim Grand Prix von Monaco sitzt der Brite aber nun doch wieder im Cockpit - weil Star-Pilot Fernando Alonso keine Lust hat, sich im zahnlosen MCL32 im Fürstentum abzumühen und stattdessen lieber das legendäre Indy 500 in Angriff nimmt. Button freut sich auf seine Rückkehr - und auf die Alonso-Show in Indianapolis.

"Ich wäre sowieso hier in Monaco gewesen. Nur statt herumzusitzen und Champagner zu trinken, kann ich tatsächlich das tun, wofür ich eigentlich bestimmt bin. Und das ist, Rennen zu fahren", so Button, der sich als Teil von McLarens Drei-Fahrer-Strategie die Möglichkeit offengelassen hatte, als Pilot ins Renncockpit zurückzukehren. Die Entscheidung für Alonso einzuspringen, stimmte er lediglich mit Freundin und Familie ab... und mit seinen Haustieren. "Ich habe meine Hunde gefragt und die meinten: Wir kommen schon eine Woche oder so ohne dich zurecht", scherzt er.

Ich habe meine Hunde gefragt und die meinten: Wir kommen schon eine Woche oder so ohne dich zurecht.
Jenson Button

Tatsächlich gab es aber keine vertragliche Verpflichtung für ihn, den McLaren in Monaco zu pilotieren: "Es war meine Entscheidung. Ich hätte auch ablehnen können, wenn ich das gewollt hätte. Es will ja auch niemand einen Rennfahrer haben, der nicht fahren will." Dementsprechend will sich Button bei seinem möglicherweise einmaligen Auftritt auch nicht lumpen lassen: "Ich werde natürlich ins Auto steigen und den bestmöglichen Job machen. Du willst konkurrenzfähig sein und das Maximum aus dir, deinem Auto und deinem Team holen. Daran hat sich nichts geändert."

Nachdem Alonso beim letzten Rennen in Barcelona sensationell den Einzug ins Q3 schaffte, hofft Button darauf, auf dem engen Straßenkurs an diesen Aufwärtstrend anknüpfen zu können. "Ich denke, das hat bewiesen, dass das Auto an sich gut funktioniert. Wenn an diesem Wochenende alles glatt geht, sollten wir relativ konkurrenzfähig sein", ist er sicher.

Vorschau: Das erwartet die F1 in Monaco: (04:40 Min.)

Button freut sich auf die Alonso-Show

Während er also in Monaco für McLaren auf die Jagd nach den ersten WM-Punkten der Saison gehen wird, greift Alonso in den USA nach dem Sieg beim prestigeträchtigen Indy 500. Button will sich nach getaner Arbeit den Auftritt des Kollegen auf keinen Fall entgehen lassen. "Natürlich interessiert es mich. Ich war ein paar Jahre Fernandos Teamkollege und bin noch mehr Jahre gegen ihn gefahren", so der Brite, der in den vergangenen Wochen schon die ersten Gehversuche des Spaniers genau beobachtet hatte: "Ich habe zugeschaut, als der das Auto zum ersten Mal gefahren ist. Es ist immer interessant, die Reaktion des Fahrers zu sehen. Aber noch mehr war es die Reaktion der Medien, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgt haben. Und wir alle wissen ja, wie sehr Fernando das liebt."

Ich wünsche ihm nur das Beste, aber am wichtigsten ist, dass er gesund bleibt.
Jenson Button

Bisher schlug sich Alonso in den USA prächtig, wofür ihm auch der ehemalige Stallgefährte seine Anerkennung ausspricht. "Es fahren dort sehr viele talentierte Piloten mit. Fahrer, die das schon seit so vielen Jahren machen. Das Qualifying lief für ihn ziemlich gut", so Button, der dem Kollegen hinsichtlich des Rennens nicht nur viel Erfolg wünscht: "Das Rennen ist natürlich etwas ganz, ganz anderes. Rad an Rad dort zu fahren, das ist ziemlich verrückt. Ich wünsche ihm nur das Beste, aber am wichtigsten ist, dass er gesund bleibt."

Vorbereitung hätte besser sein können

Bevor er Alonso im TV genießen kann, hat Button jedoch selbst einen Job zu erledigen. Wie motiviert er für seine Rückkehr ins Cockpit ist, wurde nach seinem Fernbleiben bei den Bahrain-Testfahrten teilweise milde angezweifelt. Bei den Tests hätte er die Chance gehabt, den McLaren des Jahrgangs 2017 einmal live zu erleben und ein Gefühl für die Boliden des aktuellen Jahrgangs aufzubauen. Der Routinier ließ jedoch Entwicklungspilot Oliver Turvey den Vortritt. "Die Vorbereitung war eigentlich gut. Abgesehen davon, dass ich das Auto noch nicht gefahren bin. Mit diesen neuen Regeln ist das natürlich nicht perfekt", stellt Button im Nachhinein fest.

An seiner Meinung, dass ihn ein Test in Bahrain auf Monaco nicht ausreichend vorbereitet hätte, ändert das jedoch nichts. "Ich hielt es für nutzlos, da es ein ganz anderer Typ von Rennstrecke ist", so der Brite, der stattdessen dem Team vorschlug, lieber ein intensives Programm im McLaren-Simulator in Woking zu absolvieren: "Ich habe viel Zeit im Simulator verbracht, um ein Gefühl zu entwickeln. Es war sehr interessant, und was soll ich sagen... die meisten Dinge sind gleich. Es ist immer noch ein Rennauto, ich muss mich nur daran gewöhnen, dass es etwas breiter ist."

Button hatte 2016 in Abu Dhabi seinen vorübergehenden Abschied gefeiert - Foto: Sutton
Die Vorbereitung war eigentlich gut. Abgesehen davon, dass ich das Auto noch nicht gefahren bin.
Jenson Button

Neben dem neuen Boliden kommt für Button natürlich auch die neue Reifengeneration hinzu, mit der er sich vertraut machen muss. Dass es den Schwierigkeitsgrad für ihn erhöht, kann er nicht leugnen. "Über das Wochenende wird es sicherlich einige Dinge geben, die etwas knifflig sein werden. Aber es geht darum, die Zeit und die Anstrengungen zu investieren, um damit zurechtzukommen und diese Probleme hoffentlich in den Griff zu bekommen", ist er zuversichtlich.

Versagensangst hat Button trotz der spärlichen Vorbereitung offenbar keine. Mit 16 Jahren Formel-1-Erfahrung im Rücken macht er sich keine Gedanken, dass es für ihn schlecht laufen könnte. "Ich bin sehr entspannt. Es ist interessant für ein Rennen zurückzukehren, und dass es Monaco ist, macht es sehr speziell. Es ist eine aufregende Herausforderung und darum geht es doch. Ich freue mich wirklich sehr darauf", stellt der Monaco-Sieger des Jahres 2009 klar.

Wissenswertes über den Monaco GP: (00:58 Min.)

Triathlet Button hat kein Verlangen nach der Triple Crown

Worüber sich Button wohl kaum Gedanken machen muss, ist seine Fitness. Schon bei seinem Rücktritt nach dem Finale in Abu Dhabi 2016 verkündete er, dass er sich von nun an voll und ganz seinem Hobby widmen würde - dem Triathlon. "Ich war fleißiger als je zuvor, denn ich habe sehr hart für meine Leidenschaft trainiert. Ich habe richtig Vollgas gegeben", so Button, der sich lediglich um einen Bereich etwas Sorgen macht: "Mir wird nach dem Donnerstag sicherlich der Nacken etwas weh tun." Um damit zurechtzukommen, hat der Routinier aber seinen Physiotherapeuten der vergangenen Jahre reaktiviert.

Das Indy 500 ist nichts, worüber ich bisher nachgedacht hätte. Ich war überrascht, dass Fernando sich dafür interessiert.
Jenson Button

Während Alonso seine neue Herausforderung in der Jagd nach der Triple Crown gefunden hat, kann Button sich für diesen Weg nicht erwärmen. "Das Indy 500 ist nichts, worüber ich bisher nachgedacht hätte. Ich war überrascht, dass Fernando sich dafür interessiert", so der Brite, für den andere Rennen eher in Frage kommen: "Ich würde gerne eines Tages Le Mans fahren, das wäre sicherlich eine großartige Herausforderung. Auch ein Rennen in der NASCAR wäre sicherlich ein Spaß. Ein anderer Motorsport, den ich sehr mag, ist Rallyecross. Da gibt es also einiges."

Bevor sich Button neuen Herausforderungen auf vier Rädern widmet, scheint er sich allerdings erst einmal am Triathlon versuchen zu wollen - auch wenn er die ganz große Karriere nicht mehr anstrebt. "Ich bin doch alt! Ich werde in diesem Sport immer ein Amateur sein und niemals ein Profi", so der F1-Weltmeister von 2009, der sich dem Ausdauersport bis auf weiteres dennoch voll und ganz verschrieben hat. "Es geht für mich mehr darum, mich selbst zu pushen. Ich genieß es sehr und ich nehme natürlich auch an den Weltmeisterschaften teil - und wenn du das tust, kannst du es auch auf den Sieg anlegen. Das ist auch mein Ziel, aber nur in meiner Altersklasse."


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