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Rosberg-Ärger und Ferrari-Patzer - Kanada GP: Die 7 Antworten zum Rennen

Der Große Preis von Kanada bietet einigen Gesprächsstoff. Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen zum Rennen in Montreal.
von Raphaela Scheidl, Philipp Schajer, Robert Seiwert & Haris Durakovic

1. - Wer war an der Kollision zwischen Hamilton und Rosberg Schuld?

Offiziell niemand, denn die Stewards leiteten nicht einmal eine Untersuchung bezüglich des Vorfalls ein. Wie schon in Barcelona plante Rosberg, den vor ihm gestarteten Hamilton in der ersten Kurve auf der Außenbahn zu überholen, was aber gehörig schiefging. Hamilton bekam Untersteuern und rutschte in Rosberg, woraufhin sich die Autos der beiden Teamkollegen an den Rädern berührten und Rosberg von der Strecke abkam, sodass er einige Positionen verlor.

Er war sehr aggressiv, ist in mich reingefahren und hat mich rausgeschoben
Nico Rosberg

"Er war sehr aggressiv, ist in mich reingefahren und hat mich rausgeschoben, aber das ist Rennsport", beklagte sich Rosberg zwar über Hamiltons Stil, wusste aber, dass dieser die Grenzen des Erlaubten nicht überschritten hatte. "Es ist mein Job dafür zu sorgen, dass ich das nächste Mal nach einem solchen Kampf vorne bin." Ähnlich sah es auch Niki Lauda: "Für mich war das ein normaler Startvorfall."

2. - Welche weiteren Probleme gab es für Rosberg?

Das Pech klebte Nico Rosberg an den Fersen. Nach der Startkollision hieß es für den Deutschen, sich möglichst schnell wieder nach vorne zu kämpfen. Doch der Silberpfeil-Pilot hing Runde für Runde hinter Nico Hülkenberg. Sein Force India hat bekanntlich auch Mercedes-Power im Heck. Daher gab es für Rosberg ganze zehn Runden kein Vorbei an seinem Namensvettern. "Im Verkehr gingen alle Temperaturen nach oben - vor allem die Bremsen", sagte Toto Wolff nach dem Rennen.

Und dieses Problem führte zum nächsten. Durch den Verkehr und die vielen Überholmanöver verbrauchte Rosbergs Silberpfeil wesentlich mehr Sprit. Und dies wurde ihm im letzten Rennabschnitt zum Verhängnis. "Ich habe am Ende eine heftige Lift-and-Coast-Runde mit Kimi gefahren, einfach um über die Ziellinie zu kommen", so Rosberg. Doch davor musste er zu einem unplanmäßigen Stopp an die Box, den Rosberg fuhr sich einen Plattfuß ein. Damit war das Podest endgültig futsch.

Nachdem er es an Räikkönen vorbei schaffte, folgte das nächste Problem. Diesmal in Form von Max Verstappen. Der Niederländer machte an den heiklen Stellen geschickt innen dicht. Bis zur letzten Runde ging die Taktik auf, als Rosberg auf der langen Geraden vor der letzten Schikane außen vorbeizog. Beim Anbremsen verlor er jedoch sein Heck und drehte. Verstappen zog schnell davon und Rosberg hatte Glück im Unglück: Keiner der Verfolger war nahe genug dran, um von Rosbergs Dreher zu profitieren.

3. - Was lief bei der Ferrari-Strategie falsch?

Die große Frage nach dem Kanada-Rennen: Hätte Sebastian Vettel mit einer anderen Strategie gewinnen können? Abschließend lässt sich das nur schwer beantworten, sicher ist aber: Ferrari hat Mist gebaut. Nicht nur bei Vettel, sondern auch bei Kimi Räikkönen, der die gleiche Zweistopp-Strategie nutzte und am Ende nur Sechster wurde. "Wir haben den Verschleiß der Reifen überschätzt", räumte Teamchef Maurizio Arrivabene ein. "Deshalb haben wir Sebastian reingerufen. Es war die falsche Entscheidung."

Vettel musste Hamilton den Vortritt lassen - Foto: Sutton

Ferrari hatte sich entschieden, sein Duo in Runde 11 während der virtuellen Safety-Car-Phase an die Box zu beordern. Zu diesem Zeitpunkt lag Vettel in Führung, Räikkönen war Fünfter. Wieder einmal hatte Ferrari die Track Position im Rennen unterschätzt. Vermutlich hatte der Kommandostand auch mit einer längeren VSC-Dauer kalkuliert. Als Räikkönen in der Box war, war das Rennen bereits wieder freigegeben. So verlor er im Vergleich zu Vettel einige Sekunden Zeit.

Der unerwartete Ferrari-Stopp war für Mercedes die finale Bestätigung, selbst auf eine Einstopp-Taktik zu setzen. Motorsportchef Toto Wolff: "Nachdem Sebastian in der VSC-Phase an die Box gegangen war, wurde uns klar, dass ein Stopp uns die besten Siegchancen ermöglichen würde. Als wir an anderen Autos feststellten, dass die weichen Reifen gut hielten, wurde uns bewusst, dass wir auf Siegkurs lagen"

4. - Wie kam Bottas auf das Podium?

Valtteri Bottas schaffte als Dritter ziemlich überraschend den Sprung auf das Podium. Der Erfolg des Williams-Piloten wurde durch eine geglückte Strategie ermöglicht, denn wie auch Rennsieger Lewis Hamilton, setzte der Finne auf nur einen Boxenstopp, was ihn an den zwei Mal stoppenden Red-Bull-Piloten sowie dem in allerhand Schwierigkeiten steckenden Nico Rosberg vorbeibrachte. Begünstigt wurde die Strategie von den tiefen Temperaturen in Montreal, die es Bottas erlaubten, einen Stopp zu sparen und 47 Runden mit den Soft-Reifen zurückzulegen, obwohl Williams in der Regel unter hohem Gummi-Verschleiß leidet.

5. Warum schieden Button, Massa und Palmer aus?

Mit Jenson Button, Felipe Massa und Jolyon Palmer sahen drei Piloten beim Kanada GP nicht das Ziel. Massa musste in Runde 36 aufgrund eines Wassersystemproblems, das zum Überhitzen seiner Power Unit führte, das Rennen aufgeben. Auch bei Button lag der Grund für das Ausscheiden im Bereich des Motors - der britische Routinier musste seinen McLaren-Boliden mit rauchendem Heck abstellen. Palmer zwang indessen ein Wasserleck an seinem Renault zur Aufgabe.

Felipe Massa musste aufgeben - Foto: Sutton

6. - Warum verbremste sich Vettel plötzlich?

Nach dem Bombenstart hatte sich Sebastian Vettel früh einen Vorsprung gegenüber Verfolger Lewis Hamilton erarbeitet. Doch nur wenig später hing ihm der Silberpfeil-Pilot wieder voll im Heck. Was war passiert? Vettel verbremste sich plötzlich heftig in Kurve 1, musste abkürzen und verlor dabei einiges an Zeit. Der Grund: Seemöwen! Zwei Vögel hatten es sich mitten in der Kurve gemütlich gemacht und Vettel offenbar abgelenkt.

"Ich hab auf Kurve 1 geschaut. Dann seh´ ich, wie da zwei Möwen völlig entspannt rumsitzen. Ich hab´ mich so sehr auf den Scheitelpunkt konzentriert, dass ich mich verbremst habe", sagte Vettel mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach dem Rennen. Vogelfreund Hamilton konterte am Mikro: "Du weißt ja, dass ich gut mit Tieren kann. Ich bin wie Doktor Doolittle. Ich hab´ denen gesagt, dass sie da sitzen sollen!"

Tierischer Ernst, oder am Ende nur Blödelei zwischen den beiden Weltmeistern? Sicherlich hat sich Vettel verbremst. Doch über die beiden armen Vögel wirklich daran beteiligt waren... Vettel nahm seine gefiederten Freunde am Ende zumindest in Schutz: "Ich bin Rennfahrer, also muss ich ja irgendeine Entschuldigung finden!"

7. - Wie krachte es zwischen Magnussen und Nasr?

Kevin Magnussen erlebte ein ziemliches Horror-Wochenende in Kanada. Nach seinem Trainings-Crash musste er das Qualifying auslassen und somit das Rennen aus der letzten Reihe starten. Es wurde nicht besser. Noch in der ersten Runde knallte er mit Felipe Nasr zusammen. Dabei beschädigte sich der Brasilianer den Unterboden seines Sauber-Boliden.

Mehr als Platz 18 war am Ende nicht drin, auch Magnussen kam nicht über P16 hinaus. Nasr gefrustet nach dem Rennen: "Ein enttäuschendes Rennen für mich. Der Start war in Ordnung, doch gleich danach spürte ich in Kurve 3 hinten einen Schlag. Eine ebenso unglückliche wie unnötige Kollision, die mein Rennen beeinträchtigte."

Rumms! Zwischen Magnussen und Nasr krachte es früh im Rennen - Foto: Sutton

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