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Formel 1

Niedrige Temperatur macht Ein-Stopp-Strategie möglich - Überraschungsmann Bottas: Wie kam er auf Platz 3?

Valtteri Bottas fuhr in Montreal überraschend auf das Podium. Wie Mercedes setzte auch Williams auf eine Ein-Stopp-Strategie. Der Wettergott half mit.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - An überraschenden Wendungen mangelte es dem Kanada GP im Laufe der 70 Runden nicht. Dass am Ende ein Williams auf dem Podium steht, war ebenfalls eine nicht abzusehende Entwicklung. Valtteri Bottas startete eigentlich nur vom siebten Startplatz. Doch dank zweier Faktoren, die eigentlich nicht zu den Stärken des britischen Teams gehören - Strategie und Reifenverschleiß - durfte sich der Finne über seinen neunten Podestplatz in der Formel 1 freuen.

Wir hatten eine sehr gute Strategie und einen guten Boxenstopp, bei dem einfach alles perfekt lief.
Valtteri Bottas

"Ich bin sehr glücklich, wie es heute gelaufen ist", strahlte Bottas nach seinem dritten Platz. "Für uns als Team war es ein sehr starkes Rennen. Wir hatten eine sehr gute Strategie und einen guten Boxenstopp, bei dem einfach alles perfekt lief. Zudem fühlte sich das Auto heute einfach großartig an", berichtete Bottas. In der Vergangenheit sorgte Williams oft für Spott durch vermasselte Boxenstopps. Heute allerdings lief alles wie am Schnürchen.

Der Start verlief für Bottas recht unspektakulär. Die ersten Runden fuhr der 26-Jährige auf dem sechsten Rang, nachdem Nico Rosberg viele Plätze verloren hatte. In den folgenden Umläufen rangierte er hinter den beiden Red Bulls von Max Verstappen und Daniel Ricciardo sowie dem Ferrari von Kimi Räikkönen. Die beiden Führenden, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton, machten sich schnell komplett aus dem Staub.

Bottas und Hamilton auf gleicher Strategie

Danach tat sich bis zur elften Runde wenig, ehe Räikkönen zum ersten Mal die Box ansteuerte. Bottas machte folglich eine Position gut. Auch Vettel kam kurz vorher, sein Vorsprung auf Bottas war jedoch ausreichend, um auch nach seinem Service vor dem Williams zu bleiben. Während die Ferraris eine Zwei-Stopp-Strategie einschlugen, versuchte es Williams - ebenso wie Mercedes nach Vettels Stopp - mit nur einem Boxenbesuch. Bei Bottas wurde dieser in Runde 23 vollzogen, einen Umlauf früher als Hamilton.

Die Situation stellte sich nun wie zu Rennbeginn dar. Bottas war Sechster, hinter ihm aber rückte Nico Rosberg allmählich mit großen Schritten heran. Der WM-Leader schaffte es jedoch nicht am Williams vorbei. Als erst Räikkönen und dann in Runde 36 respektive Runde 46 beide Red Bulls ihren zweiten Stopp absolvierten, war Bottas plötzlich Dritter. Rosberg hinter ihm machte zwar weiter Druck, doch auch er musste aufgrund eines schleichenden Plattfußes nochmals zu seiner Boxencrew. Der Weg zum Podium war somit frei für Bottas.

Auch gegen Nico Rosberg erwehrte sich Bottas - Foto: Sutton

Tiefe Temperaturen ein entscheidender Faktor

Dass diese Strategie überhaupt möglich wurde, lag vor allem an den tiefen Temperaturen. Noch am Samstag ging Pirelli davon aus, eine Zwei-Stopp-Strategie sei der schnellste Weg und legte den Teams die Reihenfolge Ultrasoft-Supersoft-Soft nahe. Dabei bezogen sie jedoch die Streckentemperatur vom Freitag in die Berechnung ein, die bei etwa 40 Grad lag. Im Rennen aber erreichte das Thermometer keine 25 Grad, wodurch der Reifenverschleiß deutlich geringer ausfiel. Die Chance für die sonst reifenfressenden Williams, auf das Podest zu preschen.

Für die nächsten Rennen gibt es uns viel Selbstvertrauen.
Valtteri Bottas

Nun hofft Bottas, Auftrieb aus diesem Rennen zu ziehen. "Es ist schwierig zu sagen, es hängt immer auch von der Strecke ab. Für die nächsten Rennen gibt es uns viel Selbstvertrauen. Wir sind ein gutes Team, das gute Resultate bringen kann. Daher gibt es keinen Grund, warum wir in diesem Jahr nicht wieder auf dem Podium stehen sollten", stellt er klar. Die nächste Chance bietet sich bereits in einer Woche in Baku. Mit Stadtkursen steht Williams eher auf Kriegsfuß, eine extrem lange Gerade von zwei Kilometern Länge könnte dem Team aus Grove aber entgegenkommen.


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