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Formel 1

Schwede stellt Nasr in den Schatten - Trotz Strafe: Ericsson ist der Mann der Stunde

Für Marcus Ericsson lief es zuletzt richtig gut. Punkte in Ungarn und Belgien, gute Qualifikation in Monza. Woher kommt diese Entwicklung?
von Chris Lugert & Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Sucht man im aktuellen Fahrerfeld nach einem Mann der Stunde, kommt man an Marcus Ericsson nicht vorbei. In den vergangenen beiden Rennen in Ungarn und Belgien sammelte der Schwede jeweils einen Punkt und hielt seinen vor der Saison deutlich höher eingeschätzten Sauber-Teamkollegen Felipe Nasr ziemlich problemlos hinter sich. In Monza schaffte es Ericsson in Q3 und war damit erneut besser als der Brasilianer, der sich seit einiger Zeit über mangelnden Topspeed beklagt. Die Gründe dafür hat das Team noch nicht ausmachen können..

"Es war eine tolle Leistung von uns, wieder in Q3 zu kommen, es war schon eine Weile her. Damit sind wir zufrieden", strahlt er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Dabei wäre seiner Ansicht nach sogar noch mehr möglich gewesen, doch im letzten Abschnitt der Qualifikation gelang ihm keine gute Runde. Doch für das Rennen befindet er sich in einer guten Position, um erneut Zählbares mitzunehmen. "Wir müssen uns wieder das Ziel setzen, Punkte zu machen, und ich denke, wir haben eine gute Chance", glaubt er.

Felipe Nasr beißt sich aktuell die Zähne an Ericsson aus - Foto: Sutton

Kurze Zeit später jedoch folgte ein Rückschlag: Da Ericsson Nico Hülkenberg in der Qualifikation behindert hatte, wurde der Schwede drei Plätze zurückversetzt. Trotz dieser Strafe war es für Ericsson zuletzt eine nicht zu erwartende Wandlung. Im vergangenen Jahr erhielt er das Cockpit bei Caterham, doch außer einem elften Platz in Monaco - jenem Rennen, in dem selbst Marussia dank Jules Bianchi einen Punkt holte - machte er kaum auf sich aufmerksam. Im teaminternen Duell hatte er gegenüber Kamui Kobayashi zu oft das Nachsehen, seine Karriere schien nach der Insolvenz des Team schon beinahe gelaufen.

In der GP2 war er überhaupt nicht gut, da war er ein ausgesprochen mittelmäßiger Fahrer.
Christian Danner über Marcus Ericsson

Dass er nun bei Sauber für seine und die Verhältnisse des Teams beinahe glänzt, verwundert auch Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner. "In der Formel BMW und diesen Serien war er ja richtig gut. In der GP2 war er allerdings überhaupt nicht gut, da war er ein ausgesprochen mittelmäßiger Fahrer, der über einige Jahre vor sich hin gefahren ist", erinnert sich Danner noch gut an die Anfangszeit des Schweden. "Dann war er bei Caterham und hat seine GP2-Form eins zu eins bestätigt, jetzt fährt er bei Sauber und auf einmal ist er wahnsinnig gut", erkennt Danner eine Veränderung.

Jedoch tut sich Danner im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com noch schwer, die wahre Leistungsfähigkeit des 25-Jährigen einzuschätzen. "Es ist natürlich die Frage: Ist er wahnsinnig gut, weil der Nasr eigentlich so schlecht ist und das einfach eine schlechte Generation GP2-Fahrer war? Das kann man ja nie beurteilen. Oder hat er es gelernt? Ich tue mich da unheimlich schwer", so Danner.

Die kommenden Rennen werden zeigen, ob Ericsson seine momentan starke Form halten kann. Denn was Ericsson bislang vor allem fehlte, war die Konstanz auf gutem Niveau. Das Qualifying in Monza war ein weiterer Schritt, sich im teaminternen Duell bei Sauber durchzusetzen, auch wenn die Behinderung ein unnötiger Fehler war und ihm möglicherweise Punkte kosten wird.


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