Nach Wochen der Stille erbebte der MotoGP-Transfermarkt vor Kurzem wieder. Nicht Luca Marini, nicht Fabio Di Giannantonio: Yamaha habe sich auf Ai Ogura als künftigen Teamkollegen von Jorge Martin festgelegt, das enthüllte der traditionell gut informierte Oriol Puigdemont von 'Motorsport.com' am Abend des 11. April. Offiziell bestätigt ist der Überraschungsdeal - wie alle anderen, schon feststehenden Wechsel auch - noch nicht. Spätestens seit Donnerstagmittag darf er aber als fix angesehen werden.
Der Medientag vor dem Spanien-GP begann gegen 12 Uhr Ortszeit nämlich mit einer kleinen Wutrede von Alex Rins. Also dem Fahrer, der aktuell noch auf der zweiten Werks-Yamaha sitzt. "Wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich aufgrund dieser Neuigkeit gerade nicht in der besten Stimmung", machte der 30-Jährige aus Barcelona in seiner Medienrunde kein Geheimnis daraus, vom Ogura-Deal gehört zu haben. "Ich habe mich damals für Yamaha entschieden, weil ich dachte, dass wir gemeinsam Großes erreichen könnten. Es stimmt, dass ich mit dem Reihenmotor dann Probleme hatte, aber mit dem V4 habe ich mich besser gefühlt", klagte er anschließend und bestätigte dann: "Trotzdem haben sie jetzt eine Entscheidung getroffen, die ich respektieren muss."
Alex Rins kritisiert Yamaha: Nicht das Bein, das Motorrad schränkt mich ein!
Etwas unfair behandelt fühlt sich Rins aber allemal. Die Schuld für seine schwachen Leistungen der letzten Jahre - er belegte zuletzt die WM-Ränge 18, 19 und 18 - sieht er nicht bei sich, sondern beim Arbeitgeber. "Mein Bein ist seit der zweiten Saisonhälfte 2024 wieder vollständig geheilt, es reagiert zu 100 Prozent", entgegnete der sechsmalige MotoGP-Sieger einer Frage, ob ihn die schwere Beinverletzung aus dem Mugello-Sprint 2023 noch immer einbremsen würde. "Ich fahre das Motorrad am Limit. Es ist das Motorrad, das mich einschränkt", stellte er anschließend klar. "Schau doch, wo wir stehen. Alle vier Fahrer sind ganz hinten. Solange wir keine neuen Teile bekommen, können wir nicht besser performen. Wir können nur 100 Prozent geben und versuchen, die erste Yamaha zu sein."
Genau das gelang Rins im Brasilien-Grand-Prix und beim Saisonstart in Thailand war er immerhin zweitbester M1-Pilot, direkt hinter Speerspitze Fabio Quartararo. Dass sich die Chefetage in Iwata nun dennoch gegen ihn und für Ogura entschieden hat, kann er daher nur schwer nachvollziehen. "Wie kannst du die Zukunft in einem so jungen Projekt schon nach drei Rennen entscheiden, während dein Motorrad gar nicht performt", fragte der Spanier fast schon verzweifelt und wurde im Anschluss deutlich: "Ich habe seit Tag eins alles gegeben. Seit wir das Motorrad in diesem Privattest in Barcelona zum ersten Mal ausprobiert haben. Da verwundert es mich schon sehr, dass nach nur drei Rennen alles entschieden ist."

Alex Rins verrät: Nur durch Zufall vom MotoGP-Aus bei Yamaha erfahren
Auch die Art und Weise, wie Rins von seinem Aus bei Yamaha erfuhr, passte ihm nicht wirklich. Denn dabei handelte es sich primär um Zufall. "Ich habe Maio [Teammanager Massimo Meregalli, Anm.] einen Tag vorher angerufen. Das war ein ganz gewöhnlicher Anruf, weil wir ein freundschaftliches Verhältnis haben. Ich habe ihn dann gleich gefragt, ob er irgendein Update für mich hat", berichtete Rins am Donnerstag. Als sein Boss auf diese Frage nicht reagierte, wurde er stutzig: "Ich sagte: 'Maio?' Erst daraufhin meinte er: 'Hör zu. Ich kann dir eigentlich nichts sagen und sage es dir nur, weil wir ein gutes Verhältnis haben, aber wir haben unseren zweiten Fahrer unter Vertrag genommen'."
Der Schock für Rins, denn alternative Angebote hat er aktuell nicht auf dem Tisch. Ihm bleibe jetzt nichts anderes mehr übrig, als um seine Zukunft in der MotoGP zu kämpfen. "Ich bin noch der gleiche Rins wie bei Suzuki oder Honda. Ich habe noch 18 Rennen vor mir und werde alles geben, was ich kann", gab der 30-Jährige die Marschroute vor. Auch wenn die Lage aussichtslos erscheint, abgeschlossen hat er mit der Königsklasse noch nicht: "Ich werde darum kämpfen, hier weitermachen zu können. Denn ich habe das Gefühl, dass ich noch Potenzial habe. Wir werden sehen, was passiert. Meine einzige Option ist jetzt sowieso, auf der Strecke Vollgas zu geben."
Alex Rins ist nicht der einzige Fahrer, der jetzt um seine MotoGP-Zukunft zittern muss. Für welche weiteren Piloten es 2027 eng wird, erfahrt ihr in unserem neusten Video:



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