Rot, oder doch Schwarz? Welche Farbe trägt das beste Motorrad denn nun? Diese Frage beschäftigt die MotoGP seit Monaten. Gibt weiterhin Ducati mit der Desmosedici den Ton an, oder ist Aprilia mit der RS-GP inzwischen vorbeigezogen? Der Saisonstart in Buriram hat eine klare Antwort geliefert: Es ist das Motorrad aus dem Werk in Noale - zumindest für den Moment.

Pure Dominanz! Aprilia in Thailand so stark wie nie

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach der Bestzeit und starken Longruns im Buriram-Test vor anderthalb Wochen sicherte sich Aprilia auch während des Thailand-Grand-Prix fast in jeder Session den ersten Platz. Einzig im Sprint stand die KTM RC16 von Pedro Acosta ganz oben - dank einer Strafe gegen Marc Marquez, vor allem aber auch aufgrund eines dicken Patzers von Polesitter Marco Bezzecchi. Wäre der Italiener in Runde zwei nicht mit seiner RS-GP von der Strecke gerutscht, wäre mit Blick auf die dominante Vorstellung vom Folgetag wohl auch der Sprintsieg nach Noale gegangen. In Führung lag Bezzecchi zu diesem Zeitpunkt schließlich schon.

Selbst mit diesem Schönheitsfleck bleibt Aprilias Wochenende in Buriram aber schlicht unglaublich. Erstmals wurden dank Bezzecchi drei Grands Prix in Serie gewonnen. Dazu gleichen die 5,5 Sekunden Vorsprung auf Acosta der größten Siegmarge überhaupt, die eine Aprilia in einem Hauptrennen der MotoGP je zustande brachte. Und dann fuhren ja auch noch Raul Fernandez, Ai Ogura und Jorge Martin allesamt in die Top-Fünf. Ein mannschaftlich so starkes Ergebnis hatte es zuvor ebenfalls noch nie gegeben, weder in Sprint noch in Grand Prix.

"Alle Vier haben Außergewöhnliches geleistet. Marco, weil er einfach perfekt war. Jorge, weil er noch vor drei Wochen lediglich Fahrrad fahren konnte. Raul, weil er mit Schmerzen in seiner Schulter zu kämpfen hatte und Ai, weil er nach einem schlechten Start zurückgekommen ist und an Stellen überholt hat, wo du normalerweise keine Überholmanöver siehst - Kurve vier zum Beispiel. Ich bin extrem glücklich und muss allen ein großes Kompliment aussprechen", war Racing-CEO Massimo Rivola daher auch wenig überraschend voll des Lobes.

Nicht nur Marco Bezzecchi ließ Aprilia am Sonntag jubeln, Foto: Aprilia Media
Nicht nur Marco Bezzecchi ließ Aprilia am Sonntag jubeln, Foto: Aprilia Media

Aprilia die neue Messlatte in der MotoGP? Spezielle Reifen sorgen für Zweifel

Aber ist die RS-GP nun auch das beste Bike im Grid? In Buriram, ja. Daran besteht nach dem zurückliegenden Wochenende kein Zweifel mehr. Aber im Allgemeinen? Da gibt es durchaus noch Skepsis. "Wir werden nicht so dominant bleiben. Wir wissen, dass Marc der Fahrer bleibt, den es zu schlagen gilt und auch Pedro wird immer da sein", wollte Rivola nichts von einer überlegenen RS-GP wissen und auch Marco Bezzecchi stapelte tief: "Wir haben tolle Arbeit geleistet über den Winter, aber das war nur das erste Rennen. Die Saison ist noch lang und es werden auch wieder Zeiten kommen, wo wir unsere Probleme haben werden. Marc, Pedro und eigentlich alle Ducatis sind extrem stark."

Das könnten gewiss nur politische Aussagen sein, um den öffentlichen Druck auf die anderen Werke und Fahrer zu schieben. Zumindest eine gewisse Portion Wahrheit schwimmt letztlich aber wohl auch mit. Denn im Thailand-GP kam eine spezielle Reifenkarkasse zum Einsatz, die Aprilia besonders gut zu liegen scheint. Als diese im Indonesien-GP 2025 letztmals verwendet wurde, war Bezzecchi dem Rest des Feldes ebenfalls deutlich überlegen. "Wir müssen nachlegen, aber es gibt keinen Grund zur Panik", zeigte sich Marc Marquez daher auch recht entspannt und Ducatis Technik-Guru Gigi Dall'Igna meinte: "Ich werde euch in Jerez sagen, wo wir stehen. Ich hoffe, dass meine Antwort dann lauten wird: 'Seht ihr, das war nur auf dieser einen Strecke so'."

Durchaus möglich, dass das Kräfteverhältnis in den USA - beim anstehenden Brasilien-GP (20. - 22.03.) kommt nochmal die besondere Karkasse zum Einsatz - also schon wieder ganz anders aussieht. Zumal sich Marquez in Buriram körperlich auch noch nicht bei 100 Prozent präsentierte. Aber es gibt auch Grund zum Optimismus für Aprilia. "Das war eigentlich immer eine gute Strecke für uns. Wir haben hier immer gewonnen - auch mit diesem Reifen. Warum auch immer war es jetzt aber viel schlechter und Aprilia hat großartige Arbeit geleistet. Die Anderen haben sich verbessert, während wir einen Schritt zurück gemacht haben", mahnte nämlich Francesco Bagnaia und Jorge Martin lobte nach seinem Comeback-Wochenende: "Das Bike ist definitiv besser geworden. Du kannst es jetzt mit verschiedenen Stilen fahren. Das war mit der Ducati am Ende auch so." Und das will etwas heißen, denn der 'Martinator' saß 2024 bekanntlich auf der GP24 und damit einer der besten MotoGP-Maschinen überhaupt.

Jorge Martin wusste beim Thailand-GP zu gefallen, Foto: KTM Media
Jorge Martin wusste beim Thailand-GP zu gefallen, Foto: KTM Media

Aprilias MotoGP-Bike in Europa noch besser? Hoffentlich!

Zudem gilt es zu erwähnen, dass Buriram in der Vergangenheit stets zu den schwersten Wochenenden für Aprilia zählte. Bis zum Sonntag war ein fünfter Platz dort das mit Abstand beste Grand-Prix-Resultat einer RS-GP. Und auch in Sepang, wo Anfang Februar die ersten Wintertests des Jahres 2026 stattfanden, tat sich Aprilia traditionell immer schwer. So auch im letzten Herbst, als in den Rennen zuvor und danach bereits Grand-Prix-Siege gefeiert wurden. Nicht mehr aber beim Test vor wenigen Wochen. Da zeigte man sich auch schon auf Augenhöhe mit Ducati und das macht Hoffnung für die restliche Saison. Zählen Buriram und Sepang auch weiterhin zu den schwächsten Strecken der RS-GP, könnte man auf ihr besser liegenden Kursen sogar noch dominanter werden als am zurückliegenden Wochenende.

MotoGP-Felgen schmelzen in Thai-Hitze! Marquez-Fehler zu viel (08:02 Min.)

"In der Vergangenheit hatten wir hier einige Probleme, aber mit diesem Bike haben wir einen deutlichen Fortschritt gemacht. Wir können freudig in die Zukunft schauen", erkannte auch Aprilias Teammanager Paolo Bonora am Mikrofon von 'ServusTV' und Rivola stimmte zu: "Seit Mitte der letzten Saison funktioniert unser Motorrad auf allen Strecken immer besser - ohne dabei die Aprilia-DNA mit Stärken in besonders schnellen Kurven verloren zu haben." Der Racing-CEO merkte abschließend zudem an: "Ich glaube nicht, dass Ducati hier zu kämpfen hatte. Aprilia hat hier einfach etwas Außergewöhnliches geschafft. In den nächsten Rennen werden wir jetzt herausfinden, was der Grund dafür war. Wenn es an unserem Gesamtpaket lag, wären das natürlich tolle News für uns. Wir werden sehen, ob wir in Europa noch besser sind. Ich hoffe es aber!"

Was meint ihr: Stellt Aprilia inzwischen das beste MotoGP-Bike oder wird Buriram eine Ausnahme bleiben? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Wie KTM ein solch starkes Auftaktwochenende gelang, verrät euch derweil Motorsportchef Pit Beirer, den unser Markus zum Exklusiv-Interview getroffen hat: