30,823 Sekunden und damit knapp 1,2 Sekunden pro Rennrunde verlor Fabio Quartararo am Sonntag auf Grand-Prix-Sieger Marco Bezzecchi. So liest sich das Endergebnis des bestplatzierten Yamaha-Piloten beim ersten MotoGP-Rennen, in dem standardmäßig auf einen V4-Motor gesetzt wurde. Eine deutliche Schlappe - so deutlich, dass sich Yamaha am Sonntag in den unmittelbaren Minuten nach dem Thailand-GP sogar zu einer ganz besonderen Maßnahme gezwungen sah. Es gab einen Maulkorb für alle vier M1-Piloten!
Kein Quartararo, kein Alex Rins, kein Jack Miller und auch kein Toprak Razgatlioglu. Der einzige Yamaha-Mitarbeiter, der am Sonntagnachmittag zu einer Medienrunde erschien, war Teammanager Paolo Pavesio. "Keine Sorge, ich bin nicht der neue Yamaha-Fahrer. Aber ich dachte, dass es in dieser Phase unseres Projekts, nachdem unsere Fahrer das gesamte Wochenende ihr Bestes gegeben haben, eine gute Idee wäre, selbst zu euch zu kommen und euch selbst zu erklären, wo wir aktuell mit unserem Projekt stehen. Darum seht ihr heute nur mich", begründete der Italiener.
Keine Wunderheilung: Yamaha vor harter MotoGP-Saison 2026
Wo steht Yamaha also mit dem neuen V4-Motorrad? Ist die Situation so viel schlechter als erwartet, dass nun nicht einmal mehr die eigenen Fahrer vor der Presse sprechen dürfen? "Ich kann natürlich schlecht sagen, dass es besser läuft als gedacht", begann Pavesio mit einem Lage-Update. Was folgte, hörte sich dann schon sehr nach Krisenmanagement an: "Wir sind jetzt auf einer Reise, die wir letztes Jahr begonnen haben. Wir sehen jetzt eindeutig, wie groß unser Rückstand ist und wir haben verstanden, dass wir einen Berg zu erklimmen haben. Aber wir bleiben weiterhin entschlossen, diese Schritte zu gehen - einen, nach dem anderen. Unsere Fahrer geben 110 Prozent und unsere Fabrik gibt 110 Prozent. Das ist der einzige Weg, denn es wird keine magische Wunderheilung geben."
Lediglich drei WM-Punkte sammelten die M1-Piloten in Buriram: Quartararo holte als 14. zwei Zähler, Rins mit Platz 15 den dritten. Einzig den enttäuschend schwachen Maverick Vinales (16.) und Gresini-Ersatzmann Michele Pirro (19.) konnten die Beiden - von ihren Pramac-Kollegen Razgatlioglu und Miller abgesehen - hinter sich lassen. Schwächer präsentierte sich Yamaha in der gesamten MotoGP-Ära wohl nur beim Österreich-GP im Vorjahr, als es ein historisches Debakel gegeben hatte.

Emotionale Leidenszeit für Yamaha: Kein Ende in Sicht
"Das ist emotional für Niemanden eine leichte Zeit", ordnete Pavesio daher ein und deutete damit auch an, warum man die eigenen Fahrer am Sonntag nicht vor der Presse sprechen lassen wollte. "Sie arbeiten seit Monaten Tag und Nacht extrem hart", nahm er sie zunächst noch in Schutz, meinte dann aber: "Wir müssen einfach alle verstehen - und das ist auch ein Grund, warum ich heute hier bin - dass das eine Reise ist und zwar die einzig mögliche Reise, die wir jetzt durchleben müssen, um wieder dorthin zu kommen, wo wir sein wollen. Ja, das ist emotional nicht einfach, aber es wird keine Magie geben. Wir müssen einfach weiter arbeiten."
Klingt fast schon nach Durchhalteparolen, oder? Und das Traurige: Diese wird es wohl noch eine ganze Weile brauchen. "Ich kann euch keinen Zeitraum nennen", antwortete Pavesio auf die Frage, wann Yamaha denn wieder konkurrenzfähig sein werde. Denn: "Wir entdecken jedes Mal neue Dinge, wenn wir auf die Strecke gehen. Wir entdecken ständig etwas, das wir verbessern können. Wir suchen immer noch nach der Basis für dieses Motorrad." Einziger Lichtblick für Yamaha: Die Concessions. "Zum Glück haben wir sie, denn dadurch können wir mehr testen als die Anderen und dadurch werden wir während dieser Saison Dinge sehen, lernen, verstehen, ändern und verbessern", führte Pavesio aus. "Ich erwarte, dass es stetig aufwärts geht."
Maulkorb? Alex Rins und Fabio Quartararo reagieren mit Spott
Ob das auch Pavesios Schützlinge noch so sehen? Die Zweifel werden von Tag zu Tag größer. Starfahrer Quartararo befindet sich ohnehin längst auf dem Weg zu Honda. Zudem machte er seine Meinung über die neue M1 bereits beim Buriram-Tests mittels Stinkefinger mehr als deutlich. Und dann scheint auch bei Stallgefährte Alex Rins die Toleranzgrenze immer geringer zu werden. Auf seinen Profilen in den Sozialen Medien postete der Spanier am Sonntagnachmittag nämlich ein Bild, auf dem sein maximaler und durchschnittlicher Pulsschlag während des 26 Runden langen Thailand-GPs zu sehen waren. Dieser lag in der Spitze bei unglaublichen 205 Schlägen pro Minute und im Schnitt bei 183. Seht hier selbst:
Zur Einordnung: Der Ruhepuls liegt bei einem gesunden Menschen um die 30 Jahre normalerweise bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Bei Rins war dieser also 45 Minuten lang knapp dreimal so hoch. Die Nummer 42 schrieb dazu: "Wir haben heute alles gegeben und so sehen 100 Prozent bei uns aktuell aus." Quartararo kommentierte daraufhin sarkastisch: "Dieser Motor ist echt stark!" Eine Aussage, die Rins zu gefallen schien. Denn er markierte die Stichelei seines Teamkollegen in Richtung Yamahas wiederrum mit einem Herz und antwortete mit einem Lachsmiley. Damit sollte dann eigentlich auch alles zum aktuellen Stimmungsbild im Lager der Blauen gesagt sein.
Wie habt ihr die Leistung Yamahas in Buriram wahrgenommen? Traut ihr den M1-Piloten eine baldigen Verbesserung zu oder warten in den nächsten Wochen weitere Klatschen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!
Deutlich besser ist die Stimmung logischerweise bei Aprilia. Nach einem bärenstarken Auftaktwochenende könnten die Italiener 2026 sogar Ducati als Benchmark in der MotoGP abgelöst haben. Wie wahrscheinlich das ist, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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