Von einem "positiven Gefühl" und "sehr guter Arbeit" sprach am Donnerstag jener MotoGP-Pilot, der im letzten Jahr wohl das größte aller Rätsel war: Francesco Bagnaia. Speziell in der zweiten Saisonhälfte 2025 in die tiefste Krise seiner Karriere gestürzt, brauchte der 29-jährige aus Italien zum Jahresstart 2026 dringend ein Erfolgserlebnis in Form eines mutmachenden Sepang-Tests. Er selbst will genau das bekommen haben. Aber handelt es sich dabei vielleicht nur um einen Trugschluss?

Positiver Sepang-Test: Francesco Bagnaia schafft MotoGP-Trendwende

Zunächst die positive Nachricht: Zumindest die Stimmungslage hat sich beim MotoGP-Weltmeister von 2022 und 2023 sichtlich aufgehellt. Daran gibt es nach drei Testtagen in Malaysia keine Zweifel mehr. "Ich bin glücklich. Meine Gefühle sind positiv, ich fahre das Motorrad sehr geschmeidig. Ich mag das", hatte er bereits am Mittwoch berichtet und am Donnerstag legte er nun nochmal nach: "Wir haben hier hervorragende Arbeit geleistet. Ich bin sehr positiv gestimmt, der Test verlief gut. Wir haben viel ausprobiert und die wichtigsten Entscheidungen schon getroffen."

Da klingt fast schon etwas Euphorie durch, oder? Es würde jedenfalls nicht überraschen, denn die rätselhaften Probleme der Vorsaison scheinen vergessen. Schon am Dienstag verkündete Bagnaia mit einem dicken Grinsen im Gesicht: "Ich hatte heute von der ersten Runde an Spaß. Wir konnten viele Runden fahren und haben uns Vormittags darauf konzentriert, mein Gefühl wiederzufinden. Das war wichtig nach der letzten Saison." Gesagt, getan. "Wir haben es gleich zum Start wiedergefunden. Ich konnte wieder so fahren, wie ich das mag und will. Das ist viel besser", bestätigte er am Mittwoch.

Das Gefühl für das neue Motorrad scheint also wieder zu passen. Nicht aber, weil die GP26 mit all ihren Neuerungen überzeugt. Im Gegenteil: Die Kombination aus Neu und Alt brachte den so dringend erwünschten Fortschritt. "Wir verwenden eine Misch-Verkleidung", verriet Bagnaia am Donnerstag und bestätigte anschließend, dass es sich dabei um eine Kombination aus 2024er-Front-Aero sowie einer geupdateten Version der 2025er-Seitenverkleidung handele. "Es ist noch nichts final entschieden, aber wenn ich morgen ein Rennen fahren müsste, würde ich damit antreten", offenbarte er eine breite Brust.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass Pecco in dieser Saison wieder zu unseren Topjungs zählen wird", gab sich deshalb auch Davide Tardozzi im Interview beim MotoGP-Format 'After the Flag' sehr optimistisch. Der Teammanager Ducatis meinte vielsagend: "Ich habe viel mit Pecco gesprochen, nachdem er Anfang Januar aus dem Urlaub zurück war. Ich bin mir sicher, dass wir den alten Pecco aus 2024 zurückzuhaben. Er ist wieder in Topform."

Francesco Bagnaia fühlt sich auf der Ducati wieder wohl, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS
Francesco Bagnaia fühlt sich auf der Ducati wieder wohl, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS

Rundenzeiten enttäuschen: Ist der alte Francesco Bagnaia wirklich zurück?

Einziges Problem: In den Zeitenlisten war das während des gesamten Sepang-Tests zu keinem Zeitpunkt so wirklich zu erkennen. In den sechs Sessions - die MotoGP teilte jeden Testtag in Sepang in eine Vor- und eine Nachmittagssession auf - schnitt Bagnaia nie besser als Platz vier ab, kam nie näher als 0,428 Sekunden an die jeweilige Bestmarke heran. In der kombinierten Zeitenliste vom Donnerstag war der gebürtige Turiner nur viertbester Ducati-Fahrer, verlor ganze 0,527 Sekunden auf den tonangebenden Alex Marquez. Und auch in der Sprint-Simulation büßte 'Pecco' noch knapp zwei Zehntel pro Runde auf den letztjährigen Vizeweltmeister ein. Ist sein verbessertes Gefühl also doch nur ein Trugschluss?

"Ich bin sehr zufrieden mit meiner Sprintsimulation. Ich war konstant unterwegs, habe nur in den letzten drei Runden etwas Zeit verloren. Da muss ich das Team noch fragen, was ich da falsch gemacht habe", zeigte sich Bagnaia unbesorgt. Übrigens: Lässt man seine letzten drei Runden außer Acht, sinkt sein Durchschnittstempo in der Sprintsimulation tatsächlich von 1:58.2 auf 1:57.9 Minuten pro Umlauf. Damit wäre er nochmal näher an Alex Marquez dran, der über zehn Runden eine durchschnittliche Pace von 1:58.0 und über die ersten sieben Runden eine durchschnittliche Pace von 1:57.8 Minuten fuhr.

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Es geht also eng zu zwischen den beiden Ducati-Piloten, aber das ging es auch schon im Vorjahr. Nach Motegi war Sepang Bagnaias klar bestes MotoGP-Wochenende in der zweiten Saisonhälfte 2025: Er holte die Pole Position, siegte im Sprint und hätte auch im Grand Prix ein Podium eingefahren, wenn ihn nicht ein Reifenschaden gestoppt hätte. Diesbezüglich meinte die Nummer 63 nur: "Ich habe hier zwar gewonnen, aber ich hatte trotzdem meine Probleme. Ich kam aus Q1 und meine Pole-Runde war nicht sonderlich schnell. Auch das Sprintrennen war nicht schnell. Jetzt fühle ich mich deutlich wohler auf dem Motorrad. Ich fahre geschmeidiger und kann meine Pace besser aufrechthalten. Außerdem sind wir die Sprintsimulation mit Blick auf die Temperaturen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt gefahren. [Alex Marquez fuhr sie erst eine Stunde später, Anm.] Wir können also zufrieden sein."

Buriram-Test als letzte Messlatte: Bagnaia erwartet klareres Bild in Thailand

Es scheint also durchaus Anzeichen zu geben, dass Bagnaia tatsächlich wieder zu alter Form zurückgefunden hat - zumindest im Ansatz. Noch ist diese Vermutung aber mit Vorsicht zu genießen, denn auch im Sepang-Test vor zwölf Monaten machte der Ducati-Pilot ebenfalls keinen schlechten Eindruck, Indizien für die folgende Horrorsaison gab es damals noch nicht. Außerdem meinte Alex Marquez bereits, bei seiner Sprintsimulation ebenfalls etwas Zeit liegen gelassen zu haben und dann gilt natürlich noch zu berücksichtigen, dass Marc Marquez in Sepang noch nicht vollständig fit war. Da dürfte also noch etwas kommen, weshalb auch Bagnaia abschließend meinte: "Thailand wird sehr wichtig für mich. Das war letztes Jahr ein Albtraum. Es wird also wichtig, gleich im Test dort gut zu starten. Dann werden wir ein klareres Bild bekommen."

Was meint ihr: Sehen wir 2026 wieder den alten 'Pecco' oder bleibt er auch im neuen Jahr chancenlos gegen die Marquez-Brüder? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Eine echte Gefahr für Bagnaia könnte in der neuen Saison jedenfalls auch Honda werden. In Japan wird die Brust aktuell im breiter: