Während die großen Fragen der MotoGP-Saison 2025 bereits geklärt sind, wird das Rennwochenende in Portimao für einen Mann zu einem ganz besonderen Ereignis. Superbike-Star Nicolo Bulega darf als Ersatzmann von Weltmeister Marc Marquez sein Debüt in der Königsklasse geben. Trotz großer Vorfreude sieht er sich dafür nicht bereit.

Nicolo Bulegas MotoGP-Debüt fast schon kitschig: 100. Grand Prix in Ducati-Rot

Angesichts der großen Chance war die Laune beim Ducati-Ersatzpiloten am Donnertag hervorragend. "Ich fühle mich wunderbar und mir gefallen diese Farben. Natürlich sieht es ähnlich aus wie in der Superbike-WM, aber das hier steht mir doch noch besser. Allein diese Farben zu tragen, ist bereits ein schönes Erlebnis", begann er seine erste Medienrunde als MotoGP-Pilot in Rot.

Nicolo Bulega bei seinem ersten MotoGP-Test in Jerez
Nicolo Bulega testete in Jerez, Foto: Ducati Corse

Es ist eine Möglichkeit, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen war. "Das ist die schönste Art, um hierher [in das Paddock der Motorrad-Weltmeisterschaft, Anm. d. Red.] zurückzukehren. Ich trage die Farben des Weltmeisterteams und fahre auf dem Motorrad des Weltmeisters. Dazu noch in Portimao, auf einer Strecke die mir sehr gefällt", strahlt Bulega. Von 2015 bis 2021 war er in der Moto3 und der Moto2 am Start, stach dabei aber nicht heraus. Erst der Umweg über die Supersport-Klasse und die Superbike-WM verhalf seiner Karriere zu Schwung. Jetzt also die Rückkehr in die Motorrad-WM. Um das ganze fast kitschig zu machen wird der Superbike-Vizemeister der letzten beiden Jahre am Wochenende WM-Start Nummer 100 bestreiten.

Bulega wünscht sich Test statt Malaysia-Start, doch Regen in Jerez stört Vorbereitung

Als es dann um die Details seiner bevorstehenden Arbeit ging, wurde jedoch schnell klar, welchen Berg der 26-Jährige zu erklimmen hat. "Ich hätte die Möglichkeit gehabt, in Malaysia zu starten. Aber ehrlicherweise habe ich Ducati darum gebeten, lieber zuvor einen Test zu fahren", verriet der Ducati-Pilot. In fast jedem Aspekt muss er sich nun umstellen: "Die MotoGP ist nicht wie die Superbike-WM, das ist nicht einfach. Das Chassis ist komplett anders, der Motor hat mehr Leistung. Dazu kommen Karbon-Bremsen, die [Ride-Height-]Devices und die Reifen von Michelin sind anders als die Pirellis. Das sind eine Menge kleiner Dinge, die zusammen einen massiven Unterschied machen."

Noch dazu verlief die bei Ducati erbetene Vorbereitung aufgrund äußerer Umstände nicht nach Plan. "Ich hatte auch noch Pech beim Test in Jerez. Am ersten Tag hat es die gesamte Zeit geregnet und dann ist es dort sehr schwierig, dass der Asphalt wieder trocken wird. Da waren überall noch feuchte Stellen, selbst am zweiten Tag. Ich konnte am Ende nur 30 Runden absolvieren, da kannst du nicht viele Dinge verstehen lernen. Das Wochenende hier wird also mit Sicherheit schwierig für mich", seufzte Bulega über den spanischen Wettergott.

Nicolo Bulega dämpft Erwartungen: In 30 Runden MotoGP arbeitest du an nichts

Setup, Sitzposition und weitere übliche Themen bei Debütanten wurden noch nicht einmal angegangen. "In 30 Runden MotoGP arbeitest du noch an gar nichts. Du versuchst erstmal verstehen zu lernen, was du überhaupt machen musst, um 30 Runden sicher zu absolvieren", sprach der Debütant Klartext zum Stand seiner MotoGP-Erfahrung. Dementsprechend spuckt er auch keinerlei große Töne: "Es gibt kein Ziel. Ich möchte einfach Session für Session das Motorrad kennenlernen. Ich möchte verstehen, was ich im Vergleich zum Superbike anders machen muss."

Während sich Bulega also vor allem harte Lehrstunden ausmalt, ist ein anderer Fahrer da etwas optimistischer. KTM-Testpilot Pol Espargaro war in der vergangenen Woche ebenfalls in Jerez und teilte sich die Strecke mit dem Neuling. Da er weiterhin Maverick Vinales vertritt, stand auch der Katalane am Donnerstag den Medien Rede und Antwort.

Pol Espargaro lobt Bulega nach Test: Hat mich beeindruckt!

"Ich weiß, dass er seine Zeit mit dem weichen Reifen fuhr, aber das war schon ziemlich schnell. Wir konnten keinen weichen Reifen benutzten, denn unsere Reifenauswahl war sehr beschränkt. Wir hätten damit ein bisschen schneller als Nicolo sein können, aber ehrlicherweise hat er mich beeindruckt. Das war eine schöne Rundenzeit, wenn man die Bedingungen bedenkt. Nach dem Regen war die Strecke nicht sauber und hatte keinen Grip", äußerte sich der Tech3-Pilot positiv zum ersten Auftritt Bulegas.

Pol Espargaro in der KTM-Box
Pol Espargaro war von Bulegas Test in Jerez angetan, Foto: KTM / Rob Gray (Polarity Photo)

Mit einer 1:38.0 war der Italiener zwei Zehntel schneller gefahren als der MotoGP-Veteran. Ein Vergleich mit den deutlich schnelleren Zeiten des Grand Prix Wochenendes im April machte angesichts der schlechteren Bedingungen logischerweise keinen Sinn. Nun wird Bulega am Rennwochenende in Portimao den realen Vergleich mit den besten Motorrad-Fahrern der Welt aufgetischt bekommen.

Ein Debüt während der Saison gab es zuletzt im Jahr 2022. Wir haben uns einmal die letzten Vorgänger von Nicolo Bulega und ihren Werdegang angesehen: