Eine Achterbahnfahrt der Gefühle - so lässt sich das bisherige MotoGP-Comeback von Weltmeister Jorge Martin seit dem Tschechien-GP Mitte Juli wohl am besten beschreiben. Nach dem Traumstart in Brünn folgte zuletzt schließlich ein Albtraum-Wochenende am Red Bull Ring mit zwei heftigen Stürzen und am brandneuen Balaton Park Circuit setzte es dann das schwächste Qualifying überhaupt in der bisherigen MotoGP-Karriere des 'Martinators'. Ein weiterer Rückschlag, der aber nicht das wahre Leistungsvermögen des Spaniers widerspiegelte.
"Ich war schnell genug für die Top-Fünf", kommentierte Martin bereits am Samstagabend nach dem Sprint selbstbewusst und belegte diese These 24 Stunden später dann auch eindrucksvoll. Bis auf Platz vier stürmte er im Ungarn-Grand-Prix nach vorne, sein bestes Resultat als Aprilia-Pilot. "Ich habe abgeliefert", lachte er am Sonntag daher und frohlockte: "Heute habe ich das Gefühl, als wäre ich zurück. Als wäre ich wieder der Alte. Auf dieser Strecke eine solche Pace über 26 Runden abzuliefern, ist nicht einfach. Natürlich brauche ich noch mehr Zeit, aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alles zusammengesetzt haben und ich wieder um Siege kämpfen kann."
Lob von allen Seiten: Jorge Martin beeindruckt beim Ungarn-GP
Dazu fehlten am Sonntag knapp elf Sekunden - gar nicht so viel wenn man bedenkt, wo Martin losfuhr. "Ich wusste nicht, was ich von Startplatz 16 aus erwarten sollte", gab auch der amtierende MotoGP-Weltmeister selbst an, hatte aber "eine klare Strategie" für die ersten Meter: "Ich wollte auf der Außenbahn bleiben." Das klappte bestens, von Startplatz 16 ging es noch in der ersten Runde bis auf P7 nach vorne. Später folgten weitere Überholmanöver gegen Luca Marini und Franco Morbidelli. "Wer sagt, dass man hier nicht überholen?", kommentierte der 27-Jährige das nur mit einem dicken Grinsen im Gesicht.
Generell war der 'Martinator' am Sonntagabend bestens aufgelegt. "Ich hatte im zweiten Teil des Rennens eine richtig starke Pace, habe mich mit jeder Runde besser gefühlt", strahlte er und meinte weiter: "Natürlich fehlt mir noch etwas Erfahrung, etwa wie das Bike reagiert, wenn ich hart bremse. Ich lerne noch, brauche noch etwas Zeit. Aber mit 100 Prozent Einsatz habe ich es heute schon auf Platz vier geschafft, das ist ein richtig gutes Ergebnis - speziell für das Team, um weiter an mich und unseren Erfolg zu glauben." Die Fehden der letzten Monate? Längst vergessen! Martin lobt: "Das Team arbeitet unglaublich. Ich bin wirklich überrascht, wie gut sie arbeiten. Wir wollen in die gleiche Richtung, sind gemeinsam richtig stark."
Dass es schon im vierten gemeinsamen Rennen - dem dritten nach dem Comeback - auf den vierten Platz nach vorne ging, ist übrigens auch der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. "Das ist nur eine Frage der Zeit, bis er auf dem Podium stehen wird", zeigte sich etwa Pedro Acosta höchst beeindruckt vom scheidenden Titelverteidiger und sein voraussichtlicher Thronfolger Marc Marquez lobpreiste: "Er hat so viel Talent. Schon in Brünn war er von Beginn an schnell. Wir sehen ja, dass Aprilia gemeinsam mit Marco [Bezzecchi] fantastische Arbeit leistet, das Motorrad läuft also und Jorge hat das nötige Talent. Früher oder später wird er hier [auf dem Podium] ankommen - ich denke, eher früher als später."

Podium in Barcelona? Jorge Martin will "ohne Erwartungen" weitermachen
"Ich habe mein Gefühl und mein Basis-Setup hier weiter verbessert, bin nochmal einen Schritt bereiter für das nächste Rennen", tat sich auch Martin selbst schwer, auf die Euphoriebremse zu treten. Letztlich rang er sich dann aber doch dazu durch. "Ich habe keine Erwartungen für Barcelona oder Misano und ich will auch keine Ziele haben. Ich will einfach weiter lernen und verstehen, wie ich noch besser werden kann", gab er an. Doch der Optimismus überwiegt nach Ungarn ganz klar: "Heute wurde ich ohne Erwartungen Vierter. Vielleicht kann ich dann im nächsten Rennen schon um das Podium oder den Sieg fahren, ich weiß es nicht. Ich werde einfach wieder 100 Prozent geben und das rausholen, was möglich ist."
Mit Barcelona und Misano kommen als Nächstes jedenfalls zwei Strecken, die historisch gesehen zu den Lieblingsstrecken der Nummer eins zählen. Was traut ihr Jorge Martin dort zu? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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