Marco Bezzecchi scheint momentan der Einzige zu sein, der MotoGP-Dominator Marc Marquez wenigstens phasenweise ein bisschen ärgern kann. So auch in Ungarn. Zum Start des Rennens am Balaton Park kam es sogar zu Kollision, aus der der Superstar diesmal als Verlierer hervorging. Doch das bog die Nummer 93 natürlich wieder zurecht.
Kann alles passieren! Marc Marquez nach überstandener Start-Kollision erleichtert
"Zum Glück für uns beide, konnte ich einen Sturz vermeiden und er weiterfahren", zeigte sich Marquez nach dem Rennen erleichtert. Er wusste genau, dass er da kurz davorstand, seine Serie von nun 14 Siegen in Folge (je sieben Sprints und Grand Prix) durch einen Ausfall zu beenden. "Es stimmt, dass alles passieren kann, das haben die ersten beiden Kurven gezeigt."
In diesen ersten beiden Kurven zeigte der Superstar zuerst Umsicht und ging dann wohl zu viel Risiko. Aber lassen wir es ihn selbst erklären: "Wir kamen zur ersten Kurve. Ich bremste spät, aber ich hätte die Kurve geschafft. Ich dachte mir aber: Mach die Bremse auf, denn du weißt nicht, wie sehr Bezzecchi und die anderen Jungs auf der Innenseite es unter Kontrolle haben. Ich wusste, dass ich die Position verlieren würde, aber ich zog es vor, das Risiko nicht einzugehen."
Marquez gesteht Schuld an Kollision ein, Bezzecchi deutet sie an
So fiel der Ducati-Pilot erstmal hinter 'Bezz' zurück. Das wollte er sofort wieder ausbügeln, doch das ging schief: "Das in Kurve 2 war mein Fehler, weil der hinterherfahrende Fahrer immer Vorsicht mit dem Vordermann zeigen muss. Ich hatte nicht erwartet, dass er so langsam werden würde. In Schräglage konnte ich nicht abbremsen und es kam zum Kontakt. Ich wollte noch auf den Kerb ausweichen, aber es kam zur Berührung. Wir kamen heil raus, aber das war beängstigend."

In Folge der Berührung fiel Marquez auch noch hinter Franco Morbidelli zurück. Bezzecchi hingegen behielt die Führung. Während Marquez die Verantwortung auf sich nahm, so deutete der Italiener aber auch eine eigene Teilschuld an: "Ich habe das Manöver in der ersten Kurve gegen Marc versucht. Ich sah, dass er mich bemerkte und die Bremse etwas losließ. Diese Kurve ist so eng, also konzentrierte ich mich auf den Ausgang. Als ich mich in Führung vorfand, wollte ich die Türe zumachen, aber da war ich ehrlicherweise etwas zu langsam in Kurve 2."
Trotz früher Führung: Marco Bezzecchi hofft nie auf den Ungarn-Sieg
Der Aprilia-Pilot erklärte sich den Vorfall aber auch durch die unterschiedliche Linienwahl der beiden in dieser Kurve: "Ich fuhr diese Kurve anders als Marc, das konnte man dann auch sehr gut sehen, als er mich später überholte. Ich habe am Eingang forciert, im Scheitelpunkt abgebremst und dann am Ausgang wieder Gas gegeben. Er war in der Kurvenmitte schneller und flüssiger unterwegs. Ich spürte eine leichte Berührung, aber es war kein Problem. Zum Glück lief alles glatt."
Wie Bezzecchi schon erwähnte, blieb es nicht bei seiner Führung. Marquez überholte ihn zur Rennmitte und fuhr danach auf und davon. Zumindest die ersten beiden Angriffe konnte er noch abwehren, aber Hoffnung auf den Sieg gab es nie: "Ich hatte die Probleme schon einige Runden zuvor. Mein Hinterreifen war auf der linken Flanke hinüber. Das Problem war, dass ich den weichen Reifen zum Bremsen benötigte. Ich sah auf meiner Boxentafel, dass Marc Franky [Morbidelli] überholt hatte. Es waren 0,8 Sekunden und ich wusste, er würde mich leicht einholen. Nach ein paar Runden war er hinter mir. Ich habe einfach versucht, so gut wie möglich zu kämpfen. Ich wusste, er würde schneller sein. "

'Bezz' muss sich doch noch ärgern, aber nicht wegen Marquez
Während Bezzecchi mit seinem weichen Hinterreifen immer mehr zu kämpfen hatte, profitierte der ohnehin als Reifenstreichler bekannte Marquez auch noch von seiner Wahl des etwas härteren Gummis. "Ich habe das Rennen auf dem Medium-Reifen aufgebaut. Sobald ich in Führung lag, war die Pace gut. Es war ein Fluss drin und ich fuhr gute Linien", erklärte der Dominator.

Letztlich war trotz der haarigen Situation zu Beginn am Ende alles beim Alten. "Ich kann nicht lügen: Das war heute komfortabel. Ich fuhr sehr gut", strahlte der designierte Weltmeister nach dem nächsten Sieg. Bezzecchi dachte gar nicht mehr über den Zweikampf nach. Er ärgerte sich im Nachhinein mehr über ein anderes verlorenes Duell: "Ehrlicherweise hatte ich nicht erwartet, auch noch gegen Pedro [Acosta] zu verlieren. Aber er war stärker. Am Ende muss ich mit dem Podium glücklich sein."



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