Manuel Gonzalez ist die Entdeckung der Moto2-Saison 2025. Zuvor hatte Gonzalez, der über den ungewöhnlichen Weg der Supersport-Klassen in die Moto2 gekommen war, bei 60 Grand-Prix-Starts nur einmal gewonnen und sechs Podiumsplatzierungen geholt. Von den ersten zehn Rennen 2025 konnte Gonzalez gleich vier gewinnen und stand insgesamt sieben Mal auf dem Podest.

Moto2-Weltmeister steigen (fast) immer auf

So führt der 22-jährige Madrilene kurz vor Saisonhalbzeit die Moto2-Weltmeisterschaft an. Seine Chancen stehen gut, das Jahr mit dem Titelgewinn in der mittleren WM-Klasse zu beenden. Die logische Folge wäre somit eigentlich ein Aufstieg in die Königsklasse: Die letzten acht Moto2-Weltmeister machten allesamt sofort den nächsten Schritt in die MotoGP: Ai Ogura, Pedro Acosta, Augusto Fernandez, Remy Gardner, Enea Bastianini, Alex Marquez, Francesco Bagnaia und Franco Morbidelli.

Johann Zarco gelang als bislang einzigem Fahrer die Moto2-Titelverteidigung, Foto: Kalex
Johann Zarco gelang als bislang einzigem Fahrer die Moto2-Titelverteidigung, Foto: Kalex

Letztmals drehte mit Johann Zarco 2016 ein amtierender Weltmeister eine Ehrenrunde in Form eines weiteren Jahres in der Moto2. Ein Szenario mit Seltenheitswert also, das nun aber Manuel Gonzalez blühen könnte. Denn aktuell scheint es nur an einem Fahrer der mittleren Klasse Interesse aus der MotoGP zu geben: Pramac Yamaha soll an einer Verpflichtung von Diogo Moreira arbeiten, der 2026 dann ein Gespann mit Toprak Razgatlioglu bilden würde. Jack Miller und Miguel Oliveira müssten ihre Koffer in der Pramac-Box packen.

MotoGP-Test für Manuel Gonzalez: Nicht mehr als ein Geschenk?

Moreira soll davor schon das Interesse von Trackhouse Racing geweckt haben, wo man dem Brasilianer eine Teilnahme am Aragon-Test der MotoGP mit der Aprilia RS-GP des damals verletzten Ai Ogura angeboten hatte. Moreira wollte sich aber auf seine Moto2-Aufgaben konzentrieren und lehnte ab. So fragte Trackhouse bei Manuel Gonzalez an, der dankend annahm, nachdem er von seinem aktuellen Arbeitgeber Intact GP die Freigabe erhalten hatte. "Dieser Test war super für ihn", meint Teamchef Jürgen Lingg im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com . "Er hatte danach ein breites Grinsen im Gesicht und eine Sache aus dem Kopf: Manu weiß jetzt, dass er ein MotoGP-Bike fahren kann."

Manuel Gonzalez im MotoGP-Test von Aragon
Gonzalez wusste bei seinem MotoGP-Debüt zu gefallen, Foto: MotoGP

Lingg lobte außerdem die professionelle Kommunikation von und mit Trackhouse-Team-Manager Davide Brivio. Dieser hatte in den Tagen rund um den Test immer wieder betont, dass es sich bei Gonzalez' MotoGP-Debüt nicht um ein Vorsprechen für 2026, sondern lediglich um ein Geschenk an einen jungen Fahrer handelte. Eine Darstellung, die zunächst nicht unbedingt glaubwürdig schien, allerdings der Wahrheit entsprechen dürfte. Denn bislang sind laut Intact-Boss Lingg keine konkreten Angebote für Gonzalez eingetrudelt.

Bei Gonzalez-Abgang: Intact-Boss bittet um rechtzeitige Info

Der stets bescheidene Teamchef gibt sich daher zuversichtlich, den Spanier halten zu können. "Wir machen einfach den Zarco und gewinnen das Ding zwei Mal hintereinander", scherzt er. "Aber im Ernst: Was ich sagen kann ist, dass Manu 2026 sicher bei uns fährt, wenn er in der Moto2 bleibt." Lingg stellt weiter klar, dass man Gonzalez im Fall eines MotoGP-Angebots keine Steine in den Weg legen würde. "Es ist auch in gewisser Weise eine Auszeichnung, wenn es Angebote für deine Fahrer gibt", so Lingg. Nur eine Bitte hat er: "Wir würden gerne bis Mitte August Bescheid wissen, um dann auch dementsprechend planen zu können."

In diesen anderthalb Monaten kann sich freilich noch viel tun, Gonzalez wird sich für einen MotoGP-Aufstieg aber gegen eine Reihe von routinierten MotoGP-Rennsiegern durchsetzen müssen. Wenig hilfreich ist da auch sein Reisepass: 2025 kommen bereits neun der 22 Stammfahrer aus Spanien, ein zehnter ist für die Meisterschaft da wenig interessant. Das muss neben Gonzalez auch Landsmann Aron Canet erkennen, der als Nachfolger für Toprak Razgatlioglu bei BMW in der Superbike-WM gehandelt wird. Der Brasilianer Moreira hingegen könnte den wichtigen südamerikanischen Markt bespielen. Und die MotoGP hätte bei ihrem geplanten Brasilien-Grand-Prix 2026 einen Lokalmatador in der Königsklasse am Start.