Die Formel 1 geht mit neuen Motor-Regeln in den Saison-Restart in Miami. Nachdem man den freien April genutzt hatte, um die ersten Lehren aus der Eröffnungsphase des Jahres zu ziehen, werden diese Anpassungen an der Software jetzt einem ersten Härtetest unterzogen.

Dabei ging die FIA 'mit dem Skalpell und nicht mit dem Baseball-Schläger' vor, wie es Toto Wolff ausdrückte. Es gab also punktuelle Anpassungen und keine Generalkorrektur. Eine der beiden zentralen Maßnahmen besteht darin, die maximale Energiemenge pro Runde im Qualifying von acht auf sieben Megajoule zu reduzieren. Dadurch sollten die Autos auf eine Runde wieder am Limit bewegt werden können, und die Fahrer müssen nicht mehr Energie sparen.

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Wie viel langsamer sind die F1-Autos? FIA und McLaren liefern Einschätzung

Damit reagierte man auf einen der zentralen Kritikpunkte der Formel-1-Piloten. Auf der Gegenseite steht den Fahrern damit aber auch weniger Leistung zur Verfügung, was zwangsläufig zu langsameren Rundenzeiten führen wird. FIA-Technikdirektor Jan Monchaux gab dahingehend nun größtenteils Entwarnung.

Der FIA-Techniker erklärte wenige Tage vor dem Miami-GP, dass sich die Rundenzeiten nur in marginalem Ausmaß verringern werden. "Das wird innerhalb von ein bis zwei Zehnteln sein", bezifferte Monchaux den Zeitverlust grob. "Es ist minimal, denn die Zeit, die du nicht damit verbringst, auf der Geraden zu rekuperieren, spielt gegen die Zeit, in der du dieses eine zusätzliche Megajoule verballern kannst", erklärte er.

Für den Betrachter sei der Zeitverlust deshalb quasi unsichtbar, ist er überzeugt. McLarens Performance- und Konzept-Leiter Mark Temple kommt grundsätzlich zu einem ähnlichen Schluss, er bemisst den Zeitverlust aber ein bisschen höher: "Zwei oder drei Zehntel, aber es ist streckenspezifisch."

Die Pace ist natürlich nur ein Nebeneffekt dieser Software-Verfeinerung. In erster Linie ging es dabei darum, die Herausforderung des Qualifyings für die Fahrer wiederherzustellen und die Wiedergabe dieses optischen Erlebnisses für die Fans zu erreichen. Bei den ersten drei Grands Prix der Saison musste auf den Qualifikationsrunden am Samstag teils sehr viel Energie gespart werden, was den Piloten sauer aufstieß, da dadurch einige spektakuläre Streckenabschnitte plötzlich zu einer Ladestation umfunktioniert wurden, und zwangsläufig ihre Würze verloren.

"Die Idee ist, dass wir uns einiger Dinge entledigen, die die Fahrer im Qualifying nicht gerne tun. Diese Dinge, dass man lange vor der Einfahrt in eine schnelle Schikane vom Gas geht, anstatt eines natürlichen Gefühls vor dem Kurveneingang, bei dem man bis zum letzten Moment voll auf dem Gas steht und dann hart bremst", wiederholte Temple die Zielsetzung.

Der McLaren-Mann gab sich jedenfalls davon überzeugt, dass 'Lift and Coast' mit der Regeländerung von nun an in der Formel 1 nicht mehr vorkommen werde. "Wir befinden uns nun in einer Situation, in der es effizienter ist, da es von der Power Unit kontrolliert wird. Der Fahrer kann also voll auf dem Gas bleiben, und die Power Unit wird die Energie rekuperieren", zeigte sich Temple von der Wirksamkeit überzeugt. In Summe soll sich die Superclipping-Zeit pro Runde um zwei bis vier Sekunden reduzieren.

Die Reduktion der Rekuperationsmenge pro Runde ist nur ein Punkt in einem ganzen Paket an Maßnahmen, welche die FIA umsetzte, um die Kritikpunkte nach den ersten drei Formel-1-Rennen aus der Welt zu schaffen. Zugleich erhöhte sie auch die maximale Superclipping-Leistung auf 350 Kilowatt und bremste für das Rennen den Boost-Button ein. Hier könnt ihr die Änderungen im Detail nachlesen: