"Wir wollen unseren Weg seit Katar fortsetzen. Jedes Wochenende kommen wir etwas näher heran." - Pedro Acosta hatte sich am Donnerstag auf der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz vor dem Großbritannien-GP noch zuversichtlich gezeigt, in Silverstone ein gutes Rennwochenende hinlegen und auf Platz vier aus dem Chaos-GP in Le Mans vor zwei Wochen aufbauen zu können. Nach dem Trainingsfreitag mussten seine KTM-Kollegen und er jedoch erkennen: Die RC16 hinkt im 'British Home of Motorracing' deutlich hinterher.

Den direkten Einzug in Q2 schaffte am Freitagnachmittag nämlich kein orangener Pilot, als einziger MotoGP-Hersteller brachte KTM in Silverstone keine Maschine unter die besten Zehn des Trainings. Acosta scheiterte als Elfter immerhin noch denkbar knapp, während seine Markenkollegen nur die Positionen 14, 17 und 18 einfahren konnten. Eine deutliche Schlappe nach den zuletzt erfreulichen Nachrichten abseits der Strecke, der RC16 fehlt in Silverstone mehr als eine halbe Sekunden auf Spitze.

Pedro Acosta schimpft nach schwachem Silverstone-Freitag auf KTM

Besonders besorgniserregend: Die schnellste Maschine war am Freitag sogar die Gresini-Ducati von Alex Marquez, also eine Vorjahresmaschine. "Wir waren einfach nicht gut genug", steckte Acosta am Freitagabend deshalb den Finger in die Wunde und nahm auch im Anschluss kein Blatt vor den Mund: "Es gibt ein paar Dinge, die wir besser machen können, aber das bringt uns keine fünf Zehntel. Das bringt vielleicht eine Zehntel. Gut, damit wären wir heute in Q2 gewesen. Aber die Realität ist nun mal, dass keine KTM in Q2 dabei ist und dafür drei Yamahas, fünf Ducatis und zwei Hondas [Tatsächlich eine Honda und eine Aprilia, Anm.]. Das Bike funktioniert gut, aber wir sind einfach nicht schnell genug oder gut genug. Nennt es, wie ihr wollt."

Lediglich 46 Punkte hat Acosta im MotoGP-Jahr 2025 bislang gesammelt, wartet nach sechs Rennwochenenden noch auf seine erste Top-Drei-Platzierung. Die Stimmung scheint beim 20-jährigen Toptalent aus Spanien deshalb so langsam zu kippen. "Uns haben heute nur paar Hundertstel [zur Q2-Teilnahme, Anm.] gefehlt, aber es ist auch eindeutig, dass unser Motorrad nicht gut genug ist", analysierte er knallhart und ergänzte vielsagend: "Wir müssen jetzt einen Schritt machen wie Yamaha. Denn meine Güte, diese Jungs sind jetzt so unfassbar schnell - und zwar alle."

Lediglich Miguel Oliveira verpasste die Top-Ten am Freitag als 13. knapp, bestreitet aktuell aber auch erst sein zweites Rennwochenende nach mehrwöchigem Ausfall. "Auch er wird da früher oder später mitmischen", fürchtet Acosta deshalb bereits den nächsten Rivalen und auch Maverick Vinales weiß: "Es wird sehr schwer werden, noch in Q2 zu kommen. Wir müssen das jetzt verstehen und daran arbeiten, um uns zu verbessern." Das große Problem: "Wenn ich schnell sein will, muss ich sehr präzise fahren. Mit diesem Bike ist es aber sehr schwer, präzise zu sein."

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Bockig auf eine Runde: KTM-Piloten verzweifeln an der Timeattack

Ähnliche Worte fand am Freitagabend der dienstälteste KTM-Pilot Brad Binder, der als 17. sogar eine ganze Sekunde auf die Tagesbestzeit einbüßte und somit schon zum sechsten Mal in der laufenden Saison durch Q1 muss. "Das war nicht der Tag, den ich im Sinn hatte. Ich dachte, dass ich heute viel schneller sein würde. Ich bin definitiv nicht glücklich mit meinem Speed", klagte der Südafrikaner. Danach befragt, wo er die Zeit auf die Piloten vor ihm verlieren würde, antwortete er vielsagend: "Gute Frage!"

Wie es zeitnah besser werden soll, scheint aktuell kein KTM-Pilot so wirklich zu wissen. Zumindest die Ursache aller Probleme ist jedoch bekannt: Die RC16 ist auf eine Runde einfach zu schwer zu fahren. "Momentan musst du alles sehr ruhig machen. Du kannst nicht aggressiv sein, weil das Bike das nicht mag oder nicht akzeptiert. Du musst sehr sauber fahren, um schnell zu sein", beschreibt Binder und klagt: "Ich bin es gewöhnt, einfach meine Augen zu schließen und Vollgas zu geben, wenn ich schnell sein will. Mit diesem Bike funktioniert das aber nicht mehr."

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Zumindest im Qualifying [Start: 12:10 Uhr MEZ, Anm.] scheint KTM am Samstag also wieder eine harte Session bevorzustehen. Lediglich fünf Starts aus der zweiten Reihe stehen über alle vier Piloten der Österreicher hinweg bislang als beste Q2-Platzierungen zu Buche. Unwahrscheinlich, dass ausgerechnet in Silverstone das erste Top-Drei-Ergebnis im Qualifying gelingen wird. Zumindest für den Sprint einige Stunden später [17 Uhr MEZ] und den Grand Prix am Sonntag [14 Uhr MEZ] gibt es aber etwas Hoffnung auf Besserung. "Im Rennen wird unsere Pace besser sein", meint Acosta. Glücklich macht ihn das aber längst nicht: "Wenn du um die Weltmeisterschaft kämpfen willst, ist das einfach nicht gut genug."

Worte, die die Wechselgerüchte um Pedro Acosta nur weiter befeuern dürften. MotoGP-Legende Kevin Schwantz hat dem Youngster bereits vor Wochen zum Abgang zu Ducati geraten. Wieso der US-Amerikaner Acosta diesen Schritt empfiehlt, könnt ihr hier nachlesen: