Der Sieg in Austin wirkte fast wie eine Erlösung. Zuvor war der MotoGP-Saisonstart von Francesco Bagnaia alles andere als nach Wunsch verlaufen. Sogar Ducati-Boss Gigi Dall'Igna zählte seinen Schützling öffentlich an. Rein statistisch fehlt dieser Stimmungslage aber die Grundlage.
Bereits in Argentinien beteuerte 'Pecco', dass der Start ins Jahr 2024 schlechter gewesen sei. Was als eine Reaktion auf die Niederlagen gegen Marc Marquez und dessen Bruder Alex gewertet werden konnte, ist faktisch aber komplett richtig. Im Folgenden haben wir die Ausbeute aus den ersten drei Rennwochenenden der letzten Jahre verglichen, seit der Italiener 2021 in das Ducati-Werksteam aufgestiegen ist. Das Ergebnis entspricht nicht im Geringsten der öffentlichen Wahrnehmung.
Punkte-Statistik: Francesco Bagnaias MotoGP-Saisonstarts im Ducati-Werksteam
| Saison | Gesamtpunkte | Punkte Grand Prix | Punkte Sprint |
|---|---|---|---|
| 2025 | 75 | 54 | 21 |
| 2024 | 50 | 36 | 14 |
| 2023 | 53 | 25 | 28 |
| 2022 | 12 | 12 | kein Sprint |
| 2021 | 46 | 46 | kein Sprint |
Tatsächlich sind die 75 Punkte der Saison 2025 seine klar beste Ausbeute zu Saisonbeginn. Natürlich muss bei den Jahren 2021 und 2022 beachtet werden, dass es damals noch keine Sprints gab. Aber auch nur auf die Punkte aus den Grand Prix bezogen, hat Bagnaia seinen besten Saisonstart hingelegt. Nur in einer Teildisziplin war der zweifache MotoGP-Weltmeister einmal besser. 2023 holte er im Sprint 28 Punkte aus drei Auftritten. In der laufenden Saison kommt er in den Kurzrennen bisher auf 21 Zähler.
Marquez-Brüder ziehen an: Niveau der MotoGP-Gegner deutlich höher als zuvor
Doch warum wurden Bagnaias Leistungen trotzdem als problematisch angesehen? Kollege Markus Zörweg sah sogar eine drohende Rolle als 'Lückenfüller'. Die Antwort darauf liefert die Relation zur Konkurrenz. In den Vorjahren wechselten sich mehrere Fahrer an der Spitze ab und nahmen sich gegenseitig die Punkte weg. 2025 hingegen hieß der Sieger bis zum Grand Prix in Austin immer nur Marc Marquez. Und auch der Zweiplatzierte hatte diesen Nachnamen.
Die besten MotoGP-Saisonstarts seit Einführung der Sprints
| Position | Fahrer | Punkte | Saison |
|---|---|---|---|
| 1. | Alex Marquez | 87 | 2025 |
| 2. | Marc Marquez | 86 | 2025 |
| 3. | Jorge Martin | 80 | 2024 |
| 4. | Francesco Bagnaia | 75 | 2025 |
| 5. | Marco Bezzecchi | 64 | 2023 |
Denn es ist Alex Marquez, der nach sechs zweiten Plätzen in Sprint und Grand Prix erstmals in seiner Karriere die WM-Wertung anführt. Der Vergleich mit den anderen beiden Sprint-Jahren zeigt die Stärke der Brüder auf. Nur Weltmeister Jorge Martin konnte 2024 einen ähnlich guten Start hinlegen, der Rest wird vom Top-Trio der Saison 2025 abgehängt.

Der als problematisch wahrgenommene Saisonstart Francesco Bagnaias resultiert also keineswegs aus einer schlechten Punkteausbeute, sondern aus den Niederlagen gegen die Marquez-Brüder, die bisher durchweg schneller waren. Einzig Alex konnte am Sonntag in den USA aus eigener Kraft bezwungen werden. Marc schenkte den Sieg mit einem Sturz her. Wenn die Marquez-Brüder ihr Niveau weiter so hochhalten, dann wird Bagnaia neue Karriere-Bestwerte brauchen, um gegen sie bestehen zu können. Bisher hat er diese vor allem durch verbesserte Konstanz erreicht.
Francesco Bagnaia: Erster siegreicher Teamkollege von Marc Marquez seit 2017
Zum Abschluss unserer Betrachtung blicken wir noch auf eine erstaunliche Statistik. Bagnaia hat mit seinem Triumph in Austin eine schier unglaubliche Durststrecke der Teamkollegen von Marc Marquez beendet. Bis jetzt gab es nur einen einzigen Stallgefährten des Spaniers, der überhaupt siegreich war. Dani Pedrosa gelang dies ab 2013 immerhin neun Mal, letztmals in Valencia 2017. Im gleichen Zeitraum fuhr Marquez allerdings satte 35 Siege ein.

Danach scheiterten alle Teamkollegen der Nummer 93 - sogar der dreifache MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo - am Sieg. Dies spiegelte natürlich auch die Krise von Honda in diesem Zeitraum wider. Einzig Alex Rins konnte ebenfalls für die Japaner gewinnen, doch fuhr er für Kundenteam LCR. Bei Ducati sind die Voraussetzungen natürlich gänzlich anders und so hat es 'nur' drei Rennen gebraucht, um diese Flaute zu beenden, wenn auch durch eigenes Zutun von Marquez.



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