Marc Marquez ganz oben auf einem MotoGP-Podium in Austin - so weit, so unspektakulär. Alles andere als unspektakulär war allerdings die Art und Weise, wie Marquez am Samstag den Sprinterfolg auf dem Circuit of the Americas einfuhr. Von der Pole Position gestartet musste er in der ersten Runde gleich drei Mal die Spitzenposition abgeben. Vor allem die dritte Szene hatte es dabei in sich.

Marc Marquez ganz der Alte: Wilder Save im Austin-Sprint

Marc Marquez führte das Feld durch die schnelle Rechtskurve von Turn 17, als er plötzlich den Grip am Hinterrad seiner Ducati Desmosedici GP25 verlor. Marquez wurde in der Folge aus dem Sattel geworfen und konnte seine Maschine nur mit viel Glück und Können wieder einfangen. Bruder Alex und Francesco Bagnaia waren für wenige Meter an ihm vorbeigegangen, er konnte aber beide wieder überholen.

In der Folge hatte Marc Marquez das Geschehen wieder unter Kontrolle. "Es war ein wichtiger Schreck, denn anschließend war ich extra vorsichtig. Ich bin dann ruhiger gefahren und habe den Abstand zu Alex kontrolliert", gestand er nach dem Sprint. Der großartige Start von Teamkollege Bagnaia, der von Platz sechs in Kurve eins in Führung schoss, hatte Marquez zu einer riskanten Anfangsphase verleitet: "Pecco ist gut gestartet, aber ich konnte ihn wieder überholen. Ich hatte das Gefühl, dass die Startphase für ihn schwierig sein würde, also wollte ich pushen und einen Vorsprung herausfahren, um das Rennen dann kontrollieren zu können. Das wäre aber beinahe schiefgegangen. Ich hätte fast zu viel gepusht."

Marc Marquez schätzt Grip falsch ein

Als finalen Auslöser für den Schreckmoment identifizierte Marquez die Streckenbedingungen. Zum Sprint um 15 Uhr Ortszeit gab es erstmals an diesem Rennwochenende ungetrübten Sonnenschein, was zu deutlich höheren Asphalttemperaturen und damit schlechterer Bodenhaftung führte. 46 Grad wurden im Sprint gemessen, gut drei Stunden zuvor im Qualifying waren es nur 33 Grad gewesen.

"Die Streckenbedingungen haben sich durch die hohen Temperaturen stark verändert, aber ich habe normal gepusht wie am Morgen. Dann habe ich plötzlich gemerkt, dass der Grip schlechter ist - es war verdammt knapp", weiß Marquez, dem im Sprint trotz eines weiteren Erfolges vor Augen geführt wurde, dass er nicht unschlagbar ist: "So kann die Saison unmöglich weitergehen. Es werden auch Momente kommen, in denen ich leiden muss. Heute hat man wieder gesehen, dass dich eine Tausendstelsekunde oder zehn Prozent mehr Gas zu Fall bringen und für ein Desaster sorgen können. Mir ist klar, dass der Tag kommen wird, an dem ich nicht gewinne. Das kann morgen sein, oder in Katar oder in Jerez. Du kannst nicht jede Pole Position und jeden Sieg in den Sprints und Grands Prix holen. Es werden Strecken kommen, auf denen Alex oder Pecco schneller sind als ich."

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Am Sonntag will Marc Marquez auf seiner Paradestrecke in Austin den Erfolgslauf mit fünf Siegen in bislang fünf Sprints beziehungsweise Grands Prix aber weiter fortsetzen. Er weiß, was es dafür braucht: "Ich hatte schon am Freitag eine Schrecksekunde und bin gestürzt. Heute hatte ich den nächsten Schreck. Ich muss zu 100 Prozent konzentriert sein."

Ein Sieg am Sonntag würde für Marc Marquez den 91. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere bedeuten und damit den alleinigen dritten Platz in der ewigen Rangliste der Motorrad-Weltmeisterschaft. Welche Rekorde Marquez bereits hält und welche er noch jagt, lest ihr in unserer Übersicht: