Ein neues Asphaltband, neue Reifen, nur 60 Minuten Trainingszeit durch den FP1-Ausfall und stetige Regengefahr in der Nachmittagssession - der MotoGP-Freitag auf Phillip Island lieferte den Piloten der Königsklasse schwerste Trainingsbedingungen, in denen einmal mehr Superstar Marc Marquez mit der Tagesbestzeit aufblühte. Die beiden WM-Anwärter Francesco Bagnaia und Jorge Martin sahen sich hingegen mit größeren Problemen konfrontiert, bekamen diese aber letztlich noch gemeistert.
Speziell in den Anfangsminuten des Trainings war die Anspannung im Lager der beiden Titelkontrahenten jedoch zwischenzeitlich recht groß. Denn Martin stürzte gleich zu Beginn seiner ersten fliegenden Runde in Turn 4, während Bagnaia fast zeitgleich mit einem technischen Problem an seiner Desmosedici GP24 an die Box zurückrollte. "Als Jorge gestürzt ist und ich das Problem hatte, dachte ich, dass wir beide in Q1 müssten, wenn es regnen würde", erkannte Bagnaia die bedrohliche Lage zuerst. Dunkle Wolken waren tatsächlich auch in der Nähe des Phillip Island Circuits zu erkennen, doch es blieb trocken - sehr zur Freude der beiden Ducati-Piloten, denn eine Rundenzeit hatten zu diesem Zeitpunkt beide noch nicht angeschrieben.
WM-Rivalen einig: Nur Q2-Einzug zählte am Freitag
"Das war ein stressiger und herausfordernder Tag. Am Morgen nicht zu fahren, hilft dir nie und der Sturz hat dem Ganzen dann die Krone aufgesetzt", berichtete auch Martin am Freitagabend auf Phillip Island und zeigte sich anschließend entsprechend erleichtert, dass er den Trainingstag ohne größere Komplikationen - von einer Beinahe-Kollision mit einem Hasen abgesehen - auf Platz vier und damit in Q2 beenden konnte. "Wir haben diese stressige Situation gut gemeistert und unser Ziel erreicht, wir sind in den Top Ten."
Dass der 'Martinator' überhaupt so hatte zittern müssen, lag an einer Fehleinschätzung. "Er [Fabio Quartararo, Anm.] war sehr langsam unterwegs. Ich habe früh gebremst, vielleicht waren meine Bremsen noch zu kalt. Dann hat er aber plötzlich fast komplett gestoppt und ich musste noch mehr abbremsen. Ich habe versucht, ihm auszuweichen, bin dabei aber gestürzt", beschreibt der Pramac-Pilot seinen Crash in Turn 4. "Danach hatte ich etwas Angst, weil ich wusste, dass es regnen könnte. Ich war sauer, aber das Team hat einen tollen Job gemacht. Ich musste nicht auf das Ersatzbike wechseln und konnte mir mit jeder Runde mehr Selbstvertrauen holen."
An seine dominanten Trainingsleistungen aus dem Vorjahr konnte Martin zwar nicht mehr anknüpfen, mit 0,197 Sekunden Rückstand auf die Marquez-Bestmarke brachte er sich jedoch in eine gute Ausgangslage für Qualifying, Sprint und Grand Prix. "Wir wissen, in welche Richtung wir weiterarbeiten müssen", meint die Startnummer 89 deshalb und kündigt an: "Morgen werden wir stark sein."

Francesco Bagnaia: Gibt keinen Favoriten auf Phillip Island
Eine kleine Kampfansage des WM-Leaders also, aber auch Titelverteidiger Bagnaia sieht sich gerüstet. "Ich bin ruhig geblieben und konnte mich mit jeder Ausfahrt verbessern. Ich fühle mich gut und hätte meine Zeit ohne die Gelben Flaggen noch verbessern können", kommentiert der Ducati-Pilot und kündigt ein offenes Rennen für das restliche Wochenende an: "Im Moment gibt es niemanden, der den Unterschied macht, auch weil wir nur ein Training hatten. Marc war auf Anhieb schnell, aber was die Pace und die fliegende Runde angeht, sind wir sehr ähnlich unterwegs. Und damit meine ich uns alle."



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