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MotoGP-Fahrer fluchen über Austin: Witz, Albtraum, gefährlich!

Der Circuit of the Americas sorgt wieder einmal für Negativschlagzeilen. Der Zustand der Strecke hat sich weiter verschlechtert.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Im April 2019 fuhr die MotoGP zuletzt in Austin. Schon damals klagten die Fahrer über den schlechten Zustand der Strecke. Extrem ausgeprägte Bodenwellen machten ihnen das Leben schwer. Eine Neuasphaltierung sei alternativlos, war man sich schon damals einig. Diese wurde im Vorjahr durchgeführt, allerdings nur auf rund 40 Prozent der Strecke. Betroffen waren die Abschnitte von Kurve eins bis zwei, Kurve neun und 16 bis 19 sowie die lange Gegengerade. Damit wollte man die Probleme aus dem Weg räumen.

Doch der Plan der Streckenverantwortlichen ging nicht auf. Der Circuit of the Americas präsentierte sich am Freitag schlimmer als je zuvor. Ein Blick auf die Rundenzeiten verdeutlicht die Probleme. Marc Marquez' Tagesbestzeit von 2:04.164 Minuten war um mehr als zwei Sekunden langsamer als seine Rekordrunde. 2:02.135 Minuten fuhr er 2015 im Qualifying, die beste Rennrunde ist sogar noch ein Jahr älter.

"Die Strecke fühlt sich ungefähr so an wie die, auf der ich normalerweise Motocross trainiere", spottete Fabio Quartararo. "Wir können hier gerade noch fahren, aber es ist sehr gefährlich - ein absoluter Witz. Die gesamte Strecke muss neu asphaltiert werden." Vor allem die Tatsache, dass sich einige extrem ausgeprägte Bodenwellen in schnellen Kurven wie Turn 2, 3 oder 10 befinden, bereitet Quartararo Sorgen: "Diese Passagen sind ohnehin schon gefährlich. Mit den Bodenwellen ist es noch einmal eine Stufe schlimmer. Vor allem in den ersten Runden erwartet uns Chaos."

Das befürchtet auch Aleix Espargaro: "Ich will mir gar nicht vorstellen, was bei einem Rennstart mit 21 Fahrer auf vollgetankten Bikes bei diesen Bodenwellen passiert. Das ist ein Albtraum, ein Witz. Meiner Meinung nach können wir hier kein Rennen fahren. So eine Strecke ist in der MotoGP nicht akzeptabel."

Aleix Espargaro fand wieder einmal deutliche Worte - Foto: MotoGP.com

Selbst von Marc Marquez, sechsfacher Sieger in Austin, gab es harte Kritik: "Ich liebe diese Strecke und das Layout, aber die Bodenwellen sind wirklich grenzwertig. Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich glaube aber, dass das Problem schwer zu lösen ist. Denn das sind keine normalen Bodenwellen im Asphalt. Die Unebenheiten kommen aus dem Untergrund. Der Boden scheint sich zu bewegen."

Wie kann das sein? Der von Hermann Tilke entworfene Circuit of the Americas wurde auf einem sehr lehmigen Boden gebaut. Das sorgt für jede Menge Bewegung unter dem 5,5 Kilometer langen Asphaltband. So entstehen zahlreiche Unebenheiten auf der Strecke, die durch den Anpressdruck von Formel 1 oder IndyCar, die ebenfalls in Austin fahren, zusätzlich verstärkt werden.

Hat Austin eine MotoGP-Zukunft?

Unter diesen Umständen wollen die Zweiradstars nicht mehr in Austin fahren. "Ich glaube, ich spreche für alle Fahrer, wenn ich sage, dass wir ohne eine Neuasphaltierung hier keine Rennen mehr austragen können", sagte Weltmeister Joan Mir. "Anscheinend muss diese Strecke alle drei Jahre neu asphaltiert werden. Das kostet natürlich eine Menge Geld, aber wir müssen eine Lösung finden."

Erst 2012 wurde der COTA fertig, 2013 debütierte die MotoGP - Foto: Repsol Honda

Dieser Forderung haben die MotoGP-Fahrer am Freitagabend im Meeting der Safety-Commission Nachdruck verlieren. Ob das von Erfolg gekrönt sein wird, muss sich aber erst zeigen. Valentino Rossi hat so seine Zweifel: "Wir haben darüber schon hundert Mal gesprochen. Sie sagen, dass sie die Probleme lösen werden. In manchen Bereichen ist es auch besser geworden, in vielen aber noch schlechter."

Verkürztes MotoGP-Rennen in Austin möglich

Die Unebenheiten in Austin bedeuten für die Fahrer gewaltige physische Belastungen. Und das auf einer der ohnehin bereits körperlich forderndsten Strecken der MotoGP. "Das wird das härteste Rennen der Saison", ist Quartararo überzeugt. "Selbst wenn du fit bist, ist es schwierig, das Rennen in einer guten Verfassung zu beenden", sagt der angeschlagene Marc Marquez. "Das Rennen wird für uns alle schwierig", stimmt Rossi zu.

20 Runden, 110,3 Kilometer oder 400 Kurven sind für den Grand Prix of the Americas vorgesehen. Eine Distanz, die die Fahrer bei derart schwierigen Bedingungen an ihre Leistungsgrenzen bringt. Valentino Rossi stellt deshalb sogar eine Verkürzung des Rennens in den Raum: "Mit weniger Runden löst man das Problem nicht. Es ist weiterhin gefährlich. Körperlich wird es dadurch aber auf jeden Fall einfacher. Ich bin mir nur nicht sicher, ob so eine Verkürzung möglich ist."

Valentino Rossi könnte sich ein kürzeres Rennen vorstellen - Foto: LAT Images

Jack Miller: Alles halb so wild

Nur ein MotoGP-Fahrer wollte am Freitag in Austin keine großen Probleme erkannt haben: Jack Miller. "Es war nicht so schlimm", meinte er. "Du musst auf dieser Strecke eben dein Hirn einschalten und in manchen Passagen etwas Tempo rausnehmen. Die Wellen sind hier einfach ein zusätzliches Element. Ich glaube nicht, dass es zu gefährlich ist. Du musst nur verstehen, wie du damit umgehen kannst. Wir sind hier und wir werden hier auch Rennen fahren."


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