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MotoGP-Fahrer uneins: Ist Bummeln im Qualifying okay?

Das MotoGP-Qualifying am Sachsenring erinnerte mit seinen Taktikspielchen an eine Moto3-Session. Die Meinungen im Fahrerfeld sind gespalten.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Im MotoGP-Qualifying am Sachsenring ging es drunter und drüber. Insgesamt fünf Stürze sorgten für viel Zeit mit Gelben Flaggen in einzelnen Sektoren. In den für schnelle Runden verfügbaren Minuten wurde dann oft getrödelt, was gleich mehrmals zu Ärger unter den Fahrern sorgte. Danilo Petrucci streckte etwa schon in Q1 Landsmann Enea Bastianini den Mittelfinger entgegen.

Dicke Luft am Sachsenring: MotoGP-Fahrer bummeln im Qualifying: (10:10 Min.)

Besonders kurios wurde es dann aber in den letzten Minuten des entscheidenden Q2. Da bildete sich beispielsweise eine vier Mann starke Gruppe mit Miguel Oliveira, Marc Marquez, Aleix Espargaro und Jorge Martin. Kein Fahrer wollte die Führungsarbeit übernehmen und so kam das Quartett vor der letzten Kurve auf der Strecke praktisch zum Stillstand. In Zeiten, in denen Moto3-Fahrer für ähnliches Verhalten regelmäßig bestraft werden, kamen die MotoGP-Stars ihrer Vorbildwirkung nicht unbedingt nach.

"Mir ist klar, dass sowas nicht schön anzusehen ist. Vor allem, weil wir MotoGP-Fahrer ständig fordern, dass sich in der Moto3 diesbezüglich etwas ändern muss", gab sich Aleix Espargaro, der seine Aprilia auf den hervorragenden dritten Startplatz stellte, zumindest teilweise einsichtig. "Auf einer derart kurzen Strecke kann sowas aber relativ leicht passieren. Ich will damit nicht sagen, dass es richtig ist, aber wenn man nicht direkt auf der Ideallinie fährt, ist es meiner Meinung nach kein großes Sicherheitsproblem."

Ganz ähnlich sieht Espargaros Kollege aus dem letzten Sektor, Miguel Oliveira, die Situation: "Für mich war es ein normales Qualifying auf einer kurzen Strecke. Wenn du vorne bist, hast du immer einen Nachteil. Mir sind viele Jungs gefolgt und ich wollte sie nicht mitziehen. Deshalb habe ich gebremst und alle anderen haben es mir nachgemacht."

Nach MotoGP-Strafenchaos: Das sind Stefan Bradls Lösungsansätze: (33:15 Min.)

Auch Johann Zarco sieht das Thema relativ entspannt. "In den vielen Linkskurven auf dieser Strecke hilft dir eine Referenz extrem. Jeder versucht diese eine Zehntelsekunde zu gewinnen, weil dir die gleich einmal fünf Plätze einbringen kann. Ich war heute einer von ihnen", gestand der Polesitter, der Fabio Quartararo verfolgt hatte. "Für Fabio war es natürlich ein Problem."

Der WM-Leader, der sich mit Startplatz zwei begnügen musste, forderte dann auch ein härteres Durchgreifen der Stewards, die lediglich eine Strafe von drei Startplätzen gegen Enea Bastianini ausgesprochen haben: "Mich würde es natürlich freuen, wenn sie so handeln wie sonst in der Moto3. Schließlich bin ich kein Fahrer, der auf andere wartet. Ich sehe keinen Grund dafür. Ich glaube, wir sollten Vorbilder für die jungen Piloten ein. Ich sitze aber nicht in der Rennleitung oder im Stewards-Panel. Diese Sachen sollen die Leute dort entscheiden."

Harte Kritik gab es auch von Francesco Bagnaia, der sich vom Geplänkel der erwähnten Vierergruppe direkt betroffen sah. "Ich war auf Kurs Richtung Bestzeit, aber dann bin ich auf diese Fahrer aufgelaufen. Sie waren nicht auf der Ideallinie, aber knapp daneben. Ich musste die Runde abbrechen. Einige Fahrer haben sich heute verhalten wie in der Moto3. Ich bin mit dieser Situation nicht glücklich", so der Ducati-Mann, der sich mit Startplatz zehn begnügen musste. Bagnaia gab auch eine klare Empfehlung an die Stewards ab: "Es ist nicht meine Entscheidung und ich bin auch nicht der Typ, der Strafen für andere Fahrer fordert. Aber heute war das für mich doch sehr klar zu sehen."


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