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Pol Espargaro: Hondas Speerspitze beim MotoGP-Auftakt?

Lob von allen Seiten nach einem gelungenen Einstand bei Repsol Honda. Muss man Pol Espargaro für den MotoGP-Saisonstart auf dem Schirm haben?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Hondas MotoGP-Bike war in den vergangenen Jahren ein Karrierekiller. Dani Pedrosa beendete darauf 2018 ebenso seine Karriere wie Jorge Lorenzo 2019 und Cal Crutchlow im Vorjahr - allesamt nach der schlechtesten WM-Saison ihrer gesamten Karriere. 2020 wurde nach der schwächsten Saison seit der Gründung von HRC im Jahr 1982 klar, dass ohne Marc Marquez bei Honda nicht mehr viel läuft. Bis jetzt!

Denn bei den MotoGP-Testfahrten konnte mit Pol Espargaro endlich wieder ein Fahrer überzeugen. Sogar Jack Miller, der bei den Tests einen neuen Rundenrekord aufstellte, zeigte sich von den Leistungen des Neuzugangs beeindruckt: "Pol hat auf der Honda einen grundsoliden Job abgeliefert. Er hat mich von all meinen Gegnern am meisten beeindruckt."

Espargaro fuhr nicht nur mit 256 Runden die zweitmeisten aller MotoGP-Fahrer (nur Vinales fuhr mehr), sondern war am Ende als 10. auch schnellster Honda-Fahrer im gesamten Feld. Seine Körpersprache an der Box verriet klar: Der Katalane fühlt sich im neuen Team wohl und kommt auch mit dem Motorrad zurecht.

Honda braucht dringend Siegfahrer

Für das erfolgsverwöhnte Werksteam von Repsol Honda sind das gute Nachrichten, denn in den vergangenen drei Jahren gab es abseits der unzähligen Erfolge von Marc Marquez lediglich zwei Podestplätze: Von Alex Marquez in dessen ansonsten verkorkster Rookie-Saison.

Teamchef Alberto Puig war zufrieden mit dem Einstand von Pol Espargaro: "Wir sind sehr froh, denn er mag das Motorrad und konnte schnelle Rundenzeiten fahren. Die Anpassung ging schnell und zudem auch noch sanft vonstatten. Einige Fahrer erzwingen das und üben Druck aus. Bei Pol verlief das alles natürlich."

Espargaro selbst wollte nach den Testfahrten noch keine allzu hohen Erwartungen an sich stellen: "Beim Test kann jeder bis ans Limit pushen, denn bei einem Sturz verliert man nichts. Doch im Rennen, im Qualifying oder sogar im Freien Training kann man nicht so stark pushen, weil man eine begrenzte Anzahl an Reifen hat, die man nicht vergeuden darf. Man muss vorsichtig sein und darauf achten."

"Ich denke nicht, dass ich schon bereit für den Sieg bin", sagte der 29-jährige Katalane, der sich durch seinen Wechsel von KTM zu Honda mittelfristig aber schon seinen ersten Erfolg in der Königsklasse erwartet. Das machte er unter anderem in Rahmen der Teampräsentation im Februar klar.

Aleix: Pol einer der Topfavoriten

Für seinen Bruder Aleix ist Pol nach den erfolgreichen Testfahrten schon jetzt einer der Titelkandidaten: "Für mich zählt er zu den vier Topfavoriten", sekundierte der ältere der Espargaro-Brüder dem jüngeren. "Er hat es schon im vergangenen Jahr bei KTM demonstriert. Da kann man sich schon vorstellen, was er erst mit der Honda alles machen kann. Er ist jetzt beim besten Team und auf dem besten Motorrad."

Vor allem in den ersten Rennen muss Pol Espargaro die Hauptlast der hohen Erwartungen des Honda-Konzerns schultern. Ob Marc Marquez beim Doppel-Event in Katar starten wird, ist nach wie vor unklar. Sollte der sechsfache MotoGP-Weltmeister dabei sein, so mit Sicherheit nicht bei voller Fitness. Zudem ist auch Bruder Alex vom LCR-Team angeschlagen (Mittelfußbruch). Dessen Teamkollege Taka Nakagami überzeugte nach dem Wechsel auf eine aktuelle Honda zwar auch, wartet aber immer noch auf seinen ersten Podestplatz in der MotoGP. So liegt es an Espargaro, Hondas Fahnen beim Auftakt hochzuhalten. Einen ersten Schritt in diese Richtung konnte er bei den Testfahrten bereits machen.


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