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MotoGP

Wie Petronas Yamaha SRT die MotoGP im Sturm eroberte

Die erste Saison in der Königsklasse gestaltet sich für neue MotoGP-Teams traditionell schwierig, nicht so bei Petronas Yamaha SRT.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Als sich Tech 3 kurz vor dem Saisonstart 2018 dazu entschloss, nach zwei Jahrzehnten die Zusammenarbeit mit Yamaha zu beenden, sah sich der japanische Hersteller mit einer kniffligen Aufgabe konfrontiert. Wo sollte man in kurzer Zeit ein konkurrenzfähiges Kundenteam für die MotoGP auftreiben? Was zunächst nach einem großen Problem aussah, stellte sich allerdings als echter Glücksfall heraus.

In kürzester Zeit formierte sich mit Petronas Yamaha SRT ein vollkommen neues Team, das in der MotoGP-Saison 2019 dennoch einschlug wie eine Bombe. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Die Fahrer

Petronas Yamaha ging bei der Wahl seiner Piloten durchaus Risiko ein. Franco Morbidelli kam mit nur einem Jahr MotoGP-Erfahrung auf Honda ins Team. Mit Fabio Quartararo nahm man auf Anregung von Teammanager Wilco Zeelenberg zusätzlich einen Rookie unter Vertrag, der in den vergangenen Jahren nur selten überzeugen konnte. Doch beide Fahrer liefen in der neuen Umgebung zur Hochform auf. Der Poker ging auf.

Das Personal

Teamchef Razlan Razali formierte auch abseits der Fahrerpaarung eine schlagkräftige Truppe. Mit Wilco Zeelenberg, der zuvor bereits mit Jorge Lorenzo und Maverick Vinales gearbeitet hatte, konnte man eine ganz wichtige Perönlichkeit aus dem Yamaha-Werksteam loseisen. Den Weg trat Zeelenberg zusammen mir Crewchief Ramon Forcada an, der nun an der Seite von Morbidelli in der Box sitzt. Auch Quartararo erhielt mit Diego Gubellini, der lange Jahre bei Gresini tätig war, einen renommierten Crewchief.

Quartararo und Morbidelli können sich auf ausgezeichnete Crews verlassen - Foto: LAT Images

Das Material

Yamaha verfolgte mit seinem MotoGP-Kundenteam jahrelang dieselbe Strategie. Der Satelliten-Rennstall bekam Maschinen aus dem Vorjahr. Updates? Meist Fehlanzeige. Die Strategie war stringent, zeitgemäß war sie aber nicht mehr. Die Konkurrenz von Ducati und Honda stattete zumindest einen Satelliten-Fahrer seit Jahren mit aktuellem Material aus, KTM macht das seit dieser Saison sogar für beide Piloten bei Tech3. Da musste auch Yamaha nachziehen und bestückte sowohl Morbidelli als auch Quartararo mit Maschinen, die sehr nah an denen von Valentino Rossi und Maverick Vinales dran sind. Ein klarer Vorteil für Petronas SRT im Vergleich zu den Vorgängern von Tech 3.

Der Sponsor

Ein Großteil des Team-Budgets kommt von Titelsponsor Petronas. Der malaysische Mineralölkonzern ist aber mehr als nur Geldgeber für den neuen Rennstall. Ähnlich wie Repsol im Honda-Werksteam ist Petronas auch Technologiepartner des Teams. Von Beginn an wurden die Maschinen mit Petronas-Getriebeöl befüllt, seit der Dutch TT in Assen werden auch die Motoren durch Öl des Typs Petronas Sprinta geschmiert. Yamaha lud dafür sogar Dr. Andrea Dolfi, Chef der Entwicklungsabteilung bei Petronas, ein, den Motor der M1 in all seinen Einzelteilen zu inspizieren. "Ich habe Dinge gesehen, von denen weiß nicht mal Wilco Bescheid", lacht Dolfi.


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