MotoGP

MotoGP-Analyse Sachsenring: Marquez verschonte seine Gegner

Marc Marquez fuhr seinen 10. Sachsenring-Sieg in dominanter Manier ein. Auf eine Demütigung der MotoGP-Konkurrenz verzichtete er, möglich war sie aber.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Zehnte Pole Position in Serie, zehnter Sieg in Serie. Über 4,5 Sekunden Vorsprung im Rennen. Das MotoGP-Wochenende am Sachsenring war für Marc Marquez wieder einmal ein voller Erfolg. Doch diese ohnehin beeindruckenden Zahlen spiegeln gar nicht wider, wie überlegen der 'King of the Sachsenring' an diesem Wochenende tatsächlich war. Wir tauchen tiefer in die Statistik ein und zeigen die Dominanz von Marquez im Deutschland-GP.

Marquez-Feier schönt Ergebnis für die Konkurrenz

Marquez ließ sich in den finalen Umläufen des Deutschland-GP bereits ordentlich feiern. "In den letzten Runden konnte ich das Fahren einfach nur genießen. Ich habe sogar an den Erfolg meines Bruders gedacht", gestand er nach dem Rennen. Alex hatte ja im Moto2-Rennen gesiegt.

Marc Marquez' Pace in den letzten Runden lag im Bereich von 1:22.7 bis 1:22.8, in Lap 29 und 30 fuhr er aber nur 1:23.102 beziehungsweise 1:25.472, als er mit verschränkten Armen die Ziellinie überquerte. Hätte er voll durchgezogen, wären locker über sieben Sekunden Vorsprung möglich gewesen. So klar konnte sich Marquez in einem MotoGP-Rennen am Sachsenring bislang nur im Flag-to-Flag-Chaos 2016 durchsetzen.

Marquez: Stärkster Beginn, geringster Abfall

Als nur einer von zwei Top-5-Fahrern neben Cal Crutchlow setzte Marquez im Rennen auf den Medium-Hinterreifen, Maverick Vinales und das Ducati-Duo Danilo Petrucci und Andrea Dovizioso wählte den Hard. Wer dadurch bei Marquez mit einem rasanteren Grip-Verlust am Hinterrad rechnete, war aber schief gewickelt. Er war auch in den letzten Rennrunden, die er nach eigener Aussage ja bewusste gemütlich anging, schnellster Mann auf der Strecke. Gegenüber Vinales und Crutchlow relativ knapp, im Vergleich mit den Ducatis sogar extrem deutlich. Bis zu eine Sekunde pro Umlauf nahm er Petrucci und Dovizioso in den letzten Umläufen ab und war damit ähnlich dominant wie in der Startphase, als er den Medium-Slick am Hinterrad eiskalt ausspielte.

Marquez knallte im fünften Umlauf in 1:21.228 Minuten die schnellste Rennrunde auf den Asphalt, die gleichzeitig auch die beste jemals gefahrene Runde in einem Rennen am Sachsenring war. Der zweitplatzierte Maverick Vinales war in seinem schnellsten Umlauf um über sechs Zehntelsekunden langsamer als Marquez, Crutchlow verlor knapp eine halbe Sekunde, Dovizioso fast acht Zehntel und Petrucci sogar knapp neun.

Zum Drüberstreuen holte sich Marquez am Samstag auch noch einen neuen Pole-Rekord. In 1:20.195 unterbot er seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr um fast eine Zehntelsekunde.

Schallende Ohrfeige für Ducati am Sachsenring

Eine besonders schmerzhafte Niederlage musste im Deutschland-GP Ducati einstecken. Während Yamaha mit Maverick Vinales und Suzuki mit Alex Rins, der ohne seinen Sturz einen komfortablen zweiten Platz eingefahren hätte, noch einigermaßen in Schlagdistanz waren, fuhren die Ducatis das gesamte Wochenende über nicht in derselben Liga wie Marquez. In jeder einzelnen Session mit Ausnahme des nassen Warm Ups war die schnellste Desmosedici mindestens eine halbe Sekunde langsamer als Marquez aus seiner Honda RC213V. Rechnet man Marquez' Siegesfeierlichkeiten aus der Rennzeit heraus, büßten Petrucci, Dovizioso und Miller im Grand Prix sechs bis sieben Zehntelsekunden pro Runde ein - in der mittlerweile so eng zusammengerückten MotoGP eine Welt.

Dovizioso hatte nach dem Rennen allen Grund zu seiner Brandrede, in der er das Kurvenverhalten der Ducati als 'sehr schlecht' bezeichnete. Dass die Desmosedici im Bereich des Turnings Schwächen hat, ist seit Jahren bekannt. Ein schwieriges Wochenende für Dovizioso und Co. zeichnete sich daher bereits im Vorfeld ab. Eine derart deutliche Niederlage ist für einen Hersteller, der um den MotoGP-Titel kämpfen will, aber nicht zu entschuldigen.


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