MotoGP

MotoGP-Analyse: Wer war beim Sepang-Test am stärksten?

Rekordrunde von Danilo Petrucci, vier Ducati an der Spitze. Aber wer konnte beim MotoGP-Testauftakt in Sepang tatsächlich überzeugen? Eine Analyse.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der erste von nur zwei MotoGP-Wintertests ist vorbei. In Sepang waren Marc Marquez und Co. drei Tage lang bei guten Bedingungen unterwegs. Wer konnte beim Test am meisten überzeugen? Wie sieht die Rundenbilanz der Fahrer aus? Und wer war der schnellste Mann in Sepang? Motorsport-Magazin.com klärt in der Test-Analyse auf:

Videoblog: Wie schlugen sich die MotoGP-Teams beim Test?: (16:14 Min.)

Die Testbestzeiten aus Sepang

Die Bestzeiten steigerten sich von Tag zu Tag, da es keinen Regen gab und somit im Verlauf der drei Testtage immer mehr Gummiabrieb auf der Strecke für besseren Grip sorgte. Am ersten Tag war Marc Marquez mit 1:59,621 Minuten der Schnellste, am zweiten Tag Maverick Vinales mit 1:58,897 Minuten und am Schlusstag Danilo Petrucci mit 1:58,239.

Fünf Fahrer konnten am letzten Testtag den bisherigen inoffiziellen Rundenrekord - aufgestellt von Jorge Lorenzo beim Test im Vorjahr - unterbieten. Die schnellsten Einzelzeiten dieses MotoGP-Tests in der Übersicht:

Alle Rundenzeiten unter 1:59 Minuten:

P Fahrer Team Zeit Gefahren am
1. Danilo Petrucci Ducati 1:58,239 Freitag
2. Francesco Bagnaia Pramac Ducati 1:58,302 Freitag
3. Jack Miller Pramac Ducati 1:58,366 Freitag
4. Andrea Dovizioso Ducati 1:58,538 Freitag
5. Maverick Vinales Yamaha 1:58,644 Freitag
6. Cal Crutchlow LCR Honda 1:58,780 Freitag
7. Maverick Vinales Yamaha 1:58,877 Freitag
8. Maverick Vinales Yamaha 1:58,897 Donnerstag
9. Maverick Vinales Yamaha 1:58,906 Freitag
10. Francesco Bagnaia Pramac Ducati 1:58,931 Freitag
11. Francesco Bagnaia Pramac Ducati 1:58,995 Freitag

Insgesamt elf Runden wurden unter 1:59 Minuten absolviert. Die Tabelle zeigt, dass die Ducati-Fraktion zwar die absolut schnellste war, allerdings war es Yamahas Maverick Vinales, der die 1:59 viermal knacken konnte - und das sogar schon einmal am Donnerstag. Die Vierfachfühung fuhr Ducati am Freitagvormittag heraus, als ideale Bedingungen herrschten und der Asphalt noch nicht zu heiß war. Danilo Petrucci etwa fuhr seine Rekordrunde um 10.42 Uhr Ortszeit als einzige fliegende Runde des Stints. Ducati legte es mit dieser Strategie klar auf die Bestzeit an.

Pace und Longruns

Welcher Fahrer hatte die schnellste Pace? Insgesamt wurden an den drei Tagen des MotoGP-Tests 155 Runden in einer Zeit von unter zwei Minuten gefahren. Außer Karel Abraham, Andrea Iannone und Hafizh Syahrin konnten alle Stammfahrer diese Marke zumindest einmal unterbieten. Am öftesten gelang das Maverick Vinales, der ganze 27 Runden unter zwei Minuten anschreiben konnte. Auf den weiteren Plätzen folgten Alex Rins (24), Marc Marquez (14), Cal Crutchlow (11) und Valentino Rossi (10).

Die Ducati-Piloten liegen in dieser Statistik deutlich weiter hinten als in der Liste der absoluten Bestzeiten: Danilo Petrucci lag nur viermal unter zwei Minuten, Andrea Dovizioso und Jack Miller siebenmal, Pecco Bagnaia immerhin sechsmal. Yamaha, Honda und Suzukis Rins legten in Sepang eine bessere Pace an den Tag. Bemerkenswert ist vor allem Marc Marquez, der nur knapp die Hälfte der Runden von Vinales und Rins fuhr und dennoch die drittmeisten Zeiten unter zwei Minuten fuhr.

An Longruns war für den MotoGP-Weltmeister angesichts seiner operierten Schulter nicht zu denken. Mehr als sechs fliegende Runden am Stück absolvierte Marc Marquez an den drei Testtagen in Sepang nicht. Andere Fahrer konnten hingegen volle Rennsimulationen abspulen.

Bereits am Donnerstag fuhr Aleix Espargaro 19 fliegende Runden am Stück, ehe Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci mit einem Reifensatz 10+10 Runden im Formationsflug durchzogen. In den ersten zehn Runden gab Dovizioso das Tempo vor, nach einer fast 45-minütigen Verschnaufpause war Petrucci der Führungsfahrer. Am Freitag absolvierten Jack Miller, Stefan Bradl, Fabio Quartararo und Maverick Vinales Rennsimulationen. Die Details der Longruns in der Übersicht:

Alle Longruns (10 oder mehr Runden am Stück):

Fahrer Team Runden Schnitt pro Runde Gefahren am
Aleix Espargaro Aprilia 19 2:01,1Do, 11:56h
Dovizioso & Petrucci Ducati 10+10 2:00,7Do, 15:04h
Fabio Quartararo Petronas Yamaha 17 2:01,4Fr, 13:37h
Stefan Bradl Repsol Honda 13 2:00,9Fr, 15:35h
Jack Miller Pramac Ducati 16 2:01,4Fr, 15:38h
Maverick Vinales Yamaha 19 2:00,1 Fr, 16:09h

Die stärkste Pace legte Vinales an den Tag, der auf seinem Longrun gleich mehrere Runden unter zwei Minuten fahren konnte. Bradl und Miller, die etwa eine halbe Stunde vor Vinales gestartet waren, lagen mit ihren Rundenzeiten deutlich über jenen von Vinales. Überzeugen konnte auch Fabio Quartararo, der in den heißen Mittagsstunden einen Longrun auf der Pace von Jack Miller, der zwei Stunden später startete, auf den Asphalt zauberte.

Ducatis Doppelflug am Donnerstag war etwas schneller als jener von Bradl am Tag danach, aber gleich sechs Zehntel hinter jenem von Vinales. Aleix Espargaro, der am Donnerstag zu Mittag als Erster eine Rennsimulation bestritt, lag mit seiner Pace von knapp über 2:01 Minuten auch nicht allzu weit hinter Honda oder Ducati zurück.

Die Marathon-Männer

Maverick Vinales überzeugte nicht nur durch eine starke Pace, er war auch der aktivste Fahrer an den drei Testtagen. Insgesamt spulte er 205 Runden ab, 79 davon alleine am Freitag. Fabio Quartararo stand ihm mit 200 Runden kaum nach, auf den weiteren Plätzen folgten Alex Rins (197) und Franco Morbidelli (184).

Aktivster Honda-Pilot war Stefan Bradl, der als Ersatzmann für Jorge Lorenzo 177 Runden absolvierte. Am unteren Ende der Skala finden sich Marc Marquez, der insgesamt nur 105 Runden in Sepang fuhr, und Andrea Iannone, der den letzten Tag auslassen musste und nur auf eine Bilanz von 75 Runden kam. Jonas Folger kam am Mittwoch und Freitag auf dem "Testbike 2" von Yamaha zu Einsatz und bestritt an jedem der beiden Tage jeweils knapp über 40 Runden.


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