MotoGP

MotoGP: So halten sich Marc Marquez und Co. fit

MotoGP ist Hochleistungssport. Die Fahrer brauchen Kraft, Ausdauer und blitzschnelle Reaktionen. Mit diesem Training gelingt ihnen das.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Ein MotoGP-Rennen bedeutet Schwerstarbeit. Über eine Dauer von gut 40 Minuten liegt der Puls der Fahrer im Schnitt bei etwa 185 Schlägen pro Minute, Spitzenwerte im Bereich von 200 sind keine Seltenheit. Um unter diesen Umständen 19 Mal in einer Saison Topleistungen abrufen zu können, müssen die Fahrer der Königsklasse topfit sein. Das ist nur mit vielschichtigem Training möglich. Drei große Bereiche sind für MotoGP-Piloten entscheidend:

Ausdauer

Im Bereich des Ausdauertrainings gibt es für die MotoGP-Stars einige Möglichkeiten, um sich fit zu halten. Laufen wäre für den Ottonormalverbraucher die logischste Option, kommt aber für die meisten Piloten nicht in Frage. Für ihre von Verletzungen geschundenen Körper sind die Erschütterungen beim Laufen Gift. Das bevorzuge Ausdauertraining im MotoGP-Feld ist daher das Radfahren, hauptsächlich auf der Straße. "Ich habe aufgrund einiger Stürze Probleme mit dem Rücken und kann daher nicht mehr laufen. Radfahren ist für mich deshalb perfekt. Es ist ein ideales Training und macht auch eine Menge Spaß", erklärt Aprilia-Mann Aleix Espargaro, der größte Radsportfan im Grid.

Einige Fahrer schließen sich zu Trainingsgemeinschaften zusammen und gehen zusammen auf Radtour, andere sind mit Coaches oder sportbegeisterten Freunden unterwegs. "Ich kann so gut entspannen", verrät Yamaha-Ass Maverick Vinales. "Gleichzeitig kannst du dich beim Radfahren aber so richtig quälen und das macht dich mental stärker."

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich in der MotoGP auch das Skitourengehen. Fahrer wie Yamaha-Testpilot Jonas Folger und die in Andorra lebenden Espargaro-Brüder Aleix und Pol, Maverick Vinales oder Alex Rins sind regelmäßig auf ihren Skiern unterwegs und überwinden dabei den Aufstieg anstatt mit dem Lift durch eigene Muskelkraft.

Aleix Espargaro ist begeisterter Radfahrer - Foto: Twitter/Aleix Espargaro

Kraft

Ausdauer alleine reicht aber nicht, um ein MotoGP-Bike bewegen zu können. Bremsmanöver und Richtungswechsel verlangen den Fahrern eine Menge Kraft ab. Eine der wichtigsten Muskelgruppen für die Piloten ist die in den Armen. Um dort über ausreichend Power zu verfügen, gehören Klimmzüge und Gewichtheben zum Standardrepertoire im Trainingsplan.

"Der Oberkörper ist für uns aber die wichtigste Region, ebenso wie der Unterleib. Auf dem Motorrad bewegst du dich schließlich von einer Seite zur anderen und musst dabei stabil bleiben", erklärt Weltmeister Marc Marquez. "Wichtig sind auch die Oberschenkel, denn zusammen mit der Hüfte helfen sie dir, das Motorrad zu lenken. In einer Kurve kann sich das Motorrad zwei oder drei Mal in eine andere Richtung bewegen und du musst darauf reagieren. Deine Beine müssen dabei viel Arbeit leisten, denn du drückst dich einerseits weg vom Boden und andererseits gegen das Motorrad."

Bei allen Übungen zum Kraftaufbau müssen die MotoGP-Fahrer aber darauf achten, nicht zu viel Muskelmasse zuzulegen. Denn zusätzliches Gewicht wirkt sich natürlich einerseits negativ auf Beschleunigung und Topspeed aus, kann aber auch körperlich zu Nachteilen führen. "Wenn du weniger wiegst, hast du mehr Sauerstoff für die vorhandenen Muskeln zur Verfügung", erklärt Sportmediziner Chris Chamberlain, der mit mehreren Fahrern zusammenarbeitet. "Deshalb ist es wichtig, leicht zu sein. Natürlich muss man aber eine Balance finden, in der die Piloten auf dem Motorrad noch genug Kraft haben."

Marc Marquez verrät seine Trainings-Geheimnisse: (01:39 Min.)

Um nicht zu viel Muskelmasse aufzubauen, setzen die Fahrer etwa beim Gewichtheben auf Programme mit viel Gewicht und wenig Wiederholungen. So wird mehr explosive Kraft trainiert, ohne zu viel Masse zuzulegen.

Reaktion

Neben Kraft und Ausdauer muss ein MotoGP-Pilot vor allem über eine trainierbare Fähigkeit verfügen: Gute Reaktion. Um diese zu verbessern, arbeiten die Fahrer mit einem speziellen Gerät. Auf einer Fläche von knapp 2x2 Metern sind an einer Wand zwölf Punkte angebracht. Leuchtet ein Punkt auf, muss er möglichst schnell berührt werden. Durch die Größe des Geräts wird gleichzeitig das periphere Sehen, also die Wahrnehmung von Objekten außerhalb des direkten Sichtfeldes, geschult.

Die bevorzugte Trainingsmethode für schnelle Reflexe ist aber bei fast allen MotoGP-Piloten das Fahren von Motocross-Maschinen. "Das ist perfekt, um die Reaktionszeit zu verbessern", erklärt Marc Marquez. "Man fährt zwar auf einer fertigen Rennstrecke, aber die ändert sich im Tagesverlauf ständig. Es entstehen Löcher und Spuren. Da lernt man, zu improvisieren."

Offroad-Training ist für Valentino Rossi & Co. ein Muss - Foto: GoPro

"Es ist die beste Alternative zu echtem Racing", bestätigt Bradley Smith. Ganz nebenbei geht Motocross auch noch als hervorragendes körperliches Training durch. "Du baust dabei viel Kraft in den Armen und im Oberkörper auf. Außerdem bekommst du viele Schläge und Vibrationen ab, was die Muskeln zusätzlich stärkt."


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