MotoGP

KTM-Chef Pierer schimpft auf Formel 1 und Formel E: Perversion!

KTM-Chef Stefan Pierer wettert gegen Formel 1 und Formel E. Kein Sound, keine Fans und halbautonome Rennen - so rechnet er mit den Meisterschaften ab.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 erlebt 2018 lange einen spannenden Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft, die Rennen der Königsklasse auf vier Rädern sind aber nach wie vor nicht das Gelbe vom Ei. Es wird zu wenig überholt, die Technik hat zu großen Einfluss auf das Renngeschehen und seit Einführung der Hybrid-Technik fehlt der Sound - da sind sich die Fans einig.

Probleme, die man in der MotoGP nicht. Die Rennen sind besser als je zuvor, die Motorräder in ihrer Leistungsfähigkeit derart eng beisammen, dass der Fahrer den entscheidenden Unterschied ausmachen kann und die 1000ccm-Vierzylinder bringen den menschlichen Gehörgang an seine Grenzen.

MotoGP wahrer Rennsport, Formel 1 nicht

Viele Fans und Experten, auch aus dem Lager der Formel 1, sehen die MotoGP daher als aktuell beste Rennserie des Planeten. Unterstützung kommt von Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender bei KTM. "In ein Formel-1-Auto kannst du mittlerweile auch einen Dummy reinsetzen und von der Box aus steuern. Die MotoGP ist wahrer Rennsport, da macht 60 bis 70 Prozent der Fahrer aus und das sieht man auch. Die Formel 1 hat damit nichts mehr zu tun. Irgendwann sehen wir autonome Formel-1-Rennen. Vielleicht noch elektrisch und in der Stadt - das ist die absolute Perversion für mich. Es geht völlig in die falsche Richtung. Da fließen hunderte Millionen Euro mehr rein als in der MotoGP, aber es ist dennoch kein Event mehr", meint Pierer.

Nach der Formel 1 ist die Formel E das nächste Opfer in seinem verbalen Rundumschlag: "Das ist für mich das Schlimmste. Da sind keine Zuschauer und die, die da sind, hören nichts. Und dass man dann noch mitten im Rennen das Auto abstellen und in ein anderes wechseln muss... Ich halte einfach nichts von dieser Formel E."

Die Boxenstopps der Formel E sind KTM-Chef Pierer ein Dorn im Auge - Foto: Audi Sport

Pierer stellt aber klar, kein grundlegender Gegner der E-Mobilität zu sein. "Das E-Fahrrad hat sich bereits durchgesetzt, als nächstes sind die Mopeds dran. So etwas macht absolut Sinn, wenn mit leichten Fahrzeugen auf kurzen Strecken gefahren wird. Auch für Zustelldienste ist es beispielsweise ideal, weil es da ja nur um Stop-and-Go geht. Für den Überlandverkehr kann ich es mir aber nicht vorstellen, da sehe ich in den nächsten zwei Jahrzehnten keine Chance, den Verbrenner zu ersetzen. Als Rennserie ist es ohnehin völliger Schwachsinn", so der KTM-Boss.

KTM-Chef Pierer: E-Mobilität Verlustgeschäft

Auch aus Unternehmersicht sieht Pierer eine komplette Umstellung auf Elektrotechnologie nicht als sinnvoll an: "Reine E-Mobilität ist ein absolutes Verlustgeschäft. Die Hersteller werden aufgrund der CO2-Vorgaben dazu gedrängt und 'Dieselgate' hat natürlich auch nicht geholfen. Im Endeffekt zahlt aber jeder drauf, denn es ist kein fundamentaler Businesscase. Wir sind führend als Elektromotorradhersteller. Ich kenne mich da also aus, aber ich betrüge keine Leute so wie ein gewisser Elon Musk. Der verarscht die Leute zur Perfektion."

Und zu guter Letzt seien Elektromotorräder oder -autos auch nicht so umweltfreundlich, wie das von manchen Herstellern oder Organisationen gerne erklärt wird. "75 Prozent des Primärenergiebedarfs der Welt wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen - Kohle, Gas, was auch immer. Diese Energie wird dann über ineffiziente Leitungen in Batterien eingespeist, damit wird dann in der Stadt 'emissionsfrei' fahren können. Das halte ich für den völlig falschen Weg."


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