Formel 1 / Kolumne

Massedämpfer: Die Lehren des 13. WM-Laufs - Italien GP

McLaren hat Ferrari gedemütigt. Aber es gab wie immer noch so viel mehr zu lernen - über Frisuren, E-Mails und Gorillas.
von Stephan Heublein

Die Lehre vom Tanken

Felipe Massa scheint raus zu sein aus dem Titelkampf. Umso mehr Zeit hat er, um sich einem neuen Hobby zu widmen. Für einen Werbespot eines Ferrari-Sponsors mimte der Brasilianer in seiner Heimat einen Tankwart. Statt eines Werbefilmchens flimmerte ein Live-Bild von Felipe an einer Tankstelle in Sao Paolo über die Bildschirme. So wurden die Kunden während des Tankens nicht einfach berieselt, sondern von Felipe direkt angesprochen. "Die Reaktionen waren teilweise richtig lustig!", erinnert er sich. Vielleicht auch deswegen, weil ausgerechnet Massa Benzin verkaufte - in Ungarn war ihm das im Qualifying noch ausgegangen...

Das Tanken nicht vergessen... - Foto: Sutton

Die Lehre vom Luftwiderstand

Runter mit den Flügeln, den Flaps und den Winglets. In Monza sind so wenig Luftwiderstand und Abtrieb wie möglich gefragt. Das dachte sich wohl auch Sebastian Vettel. Er legte sich vor dem High-Speed-Rennen eine aerodynamisch günstige Kurzhaarfrisur zu. "Ich ging zum Frisör, sagte einmal ab und im Nachhinein war es kürzer als erwartet", sagte er lächelnd. "Aber das ist deutlich besser und angenehmer unter der Mütze." Eben wenig Widerstand dank Low-Downforce.

Die Lehre von den Besten

In Monza waren die Motoren endlich wieder ein Thema. Die höchsten Geschwindigkeiten, die höchste Belastung, das muss Mario Theissen doch gefallen. "Vor ein paar Jahren hatten Sie den stärksten Motor, mit den höchsten Drehzahlen", begann ein Kollege seine Frage an den BMW-Motorsportdirektor. "Nun mit den auf 19.000 Umdrehungen limitierten Drehzahlen..." - "... haben wir immer noch die höchsten Drehzahlen", schmunzelte Theissen. Wer will da widersprechen?

Geheime Gespräche im Paddock. - Foto: Sutton

Die Lehre vom Ruhm

Manche Menschen verbringen ihr ganzes Leben im Schatten, manche stehen immer im Rampenlicht - und manche kommen durch Ereignisse wie die Spionageaffäre zu zweifelhaftem Ruhm. So zum Beispiel Pedro de la Rosa, der mit Fernando Alonso ein privates Remake von "Email für Dich" inszeniert haben soll. "Oft hat man Freunde, die Spione sind", scherzte Alex Wurz, seines Zeichens ein guter Kumpel des McLaren-Testers. Immerhin war auch er lange Zeit bei den Silbernen. "Ich habe ihm schon eine SMS geschickt und ihm gesagt, er wird jetzt endlich berühmt." In der Rolle von Meg Ryan, Tom Hanks oder doch Roger Moores Spion, der ihn liebte?

Die Lehre von der Abschottung

Auch Pedros Mailpartner Fernando Alonso konnte den Fragen zu seinen Schreibgewohnheiten nicht entgehen. Der ganze Rummel aus den vergangenen Wochen beeinträchtigt ihn jedoch nicht in seiner Vorbereitung. "Ich lese nicht und schaue nicht so viel fern, wenn ich zu Hause bin", verriet Alonso. "Ich habe keine spanischen Kanäle und die anderen verstehe ich nicht so gut. Ich spiele lieber mit der Playstation und weiß nicht, was in der F1 vor sich geht." Auch eine Lösung: Playstation statt Spionage.

Fernando zieht die Playstation den F1-Nachrichten vor. - Foto: Sutton

Die Lehre vom Kopieren

De la Rosa, Alonso, da darf einer nicht fehlen: auch Norbert Haug war vor den Spionagefragen nicht sicher. Viel konnte, wollte und durfte er nicht sagen. Am Sonntag nach dem Doppelsieg fand er dennoch ein schlagkräftiges Argument: "Wer den kopiert, der hinter ihm fährt, kommt nicht nach vorne."

Die Lehre vom Outfit

Mailand ist die Modehauptstadt schlecht hin. Kurze Röcke, luftige Kleider, gewagte Anzüge - nicht erst am Renntag verkam der Paddock von Monza zum Laufsteg. Schon am Samstag wurden die Gewinner der Mailänder F1-Modewoche gekürt: Wer sonst könnte den Fashion-Preis abräumen, als Räikkönen-Fans, die in Gorillakostümen ein F1-Rennen verfolgen? Angesichts von Kimis Vorlieben musste man nach seinem Unfall sogar befürchten, dass er im Qualifying nicht im Auto saß, sondern auf den Tribünen feierte - natürlich im hippen Gorillaoutfit...


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