Fernando Alonso hat am Dienstag einen neuen Formel-1-Vertrag bei Aston Martin unterschrieben und beendete damit nach langem Hinhalten alle Spekulationen um ein Karriereende nach 2026. Wie lange der 45-Jährige verlängert hat, ist offiziell nicht bekannt. Aber der Asturier hatte bei der Vertragsgestaltung ohnehin freie Hand, da das Team bis zuletzt voll auf ihn setzte und öffentlich bestritt, überhaupt an Alternativen für ihn zu denken.

Damit geht auch einher, dass Alonso wohl so viele Freiheiten genießt, in anderen Rennserien an den Start zu gehen, wie neben ihm wohl nur Max Verstappen, der die Pause zwischen den beiden Tripleheadern für einen GT3-Abstecher nach Portimao nutzt.

Fernando Alonso: "Gibt Dinge, die Menschen für unmöglich halten"

Bei Alonso kündigt sich ein ähnliches Szenario an, wie der zweifache Weltmeister vor dem Formel-1-Wochenende in Malaysia unverhohlen durchklingen ließ, ohne aber weiter ins Detail zu gehen. "Vielleicht werdet ihr in den nächsten Wochen ein paar weitere Überraschungen bekommen", so Alonso in Bezug auf Rennabenteuer abseits der Königsklasse.

"Es gibt Dinge, die Menschen wahrscheinlich für unmöglich halten, aber ich will die Limits von dem finden, was möglich ist", trieb er die Spannung weiter an. Nicht sehr weit hergeholt wäre die Möglichkeit, dass Alonso 2027 möglicherweise für Aston Martin bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen könnte. Die Definition dessen, was als 'Überraschung' gilt, kann ja bekanntermaßen variieren.

Alonso hatte schon bei den Diskussionen um seine unsichere F1-Zukunft selbst bestätigt, dass die Langstrecken-WM WEC eine Option für ihn wäre. Aston Martin geht dort seit 2025 mit der V12-betriebenen Valkyrie im Einsatzteam von The Heart of Racing in der Hypercar-Klasse an den Start und präsentierte sich in seiner zweiten Saison schon sehr konkurrenzfähig, auch wenn ein Podium bisher noch aussteht.

In seiner Formel-1-Pause zwischen 2018 und 2020 hatte Alonso in der WEC die auf zwei Kalenderjahre verteilte Super-Season 2018/19 bestritten und sich dort nicht nur zweimal die Krone an der Sarthe aufgesetzt, sondern sich mit Toyota auch zum Langstrecken-Weltmeister gekrönt.

Alonso ist allerdings immer mal wieder für Überraschungen gut, also kann es durchaus sein, dass er mitnichten (nur) die WEC im Blick hat und von etwas anderem spricht. In der Vergangenheit startete der Spanier in seiner F1-Auszeit etwa bereits bei der Rallye Dakar, bei den 24h von Daytona oder beim Indy 500, wofür er damals von McLaren extra für den Monaco-GP freibekommen hatte.

Im Sommer machten Meldungen die Runde, dass McLaren-CEO Zak Brown ihn erneut gerne nach Indy ködern möchte. Alonsos Teamkollege Lance Stroll ging in diesem Jahr in der Frühjahrspause bei einem GTWCE-Rennen an den Start – auch das wäre für Alonso denkbar.

"Ich liebe Herausforderungen", betonte er. "Eine meiner Stärken war es immer, mich an verschiedene Autos, verschiedene Regeln anzupassen. V10, V8, V6, Bridgestone, Michelin, Pirelli, KERS, Hybrid, Ground Effect… Und andere Serien – Prototypen, Indy, Dakar… Ich versuchte diese Stärke zu nutzen und Dinge zu tun, die in der Vergangenheit in den 80ern, 60ern oder 90ern möglich waren. Heute denke ich, dass niemand einige Dinge versuchen wird", sagte Alonso. Eine Ausnahme sei nur Verstappen mit seinen GT3-Starts, strich er hervor.

Ferrari-Dilemma: Ist Vasseur zu schwach für Maranello? (32:06 Min.)

Ohne Pause würde Fernando Alonso nicht mehr Formel 1 fahren

Alonsos F1-Pause zwischen 2018 und 2020 steht übrigens in einer direkten Verbindung mit der jüngsten Vertragsverlängerung. Ohne diese würde er wohl nicht mehr in der Formel 1 fahren, ist Alonso überzeugt. "Ich musste aufhören, ich musste mich von der Formel 1 abschalten. Ich musste andere Formeln, andere Serien und andere Dinge erleben, die ich im Kopf hatte."

Doch die F1-Rennen nur am Fernseher zu sehen, war dann doch zu schmerzhaft, um der Formel 1 zu lange fernzubleiben. "Das fühlte sich nicht richtig an. Ich fühlte immer noch dieses Feuer in mir und ich spüre das immer noch und solange ich das habe, gibt es keinen Grund, aufzuhören", erklärte er seine Philosophie. "Wenn ich zuhause sitze und im TV Rennen schaue, dann werde ich immer das Gefühl haben, dass ich es besser kann als sie", so das Selbstverständnis des 32-fachen Grand-Prix-Siegers.