Fernando Alonso sprach beim Formel-1-Rennen in Barcelona zuletzt von seinem womöglich letzten Heimspiel in der F1. Zwei Wochen später zeichnet er schon wieder ein gänzlich anderes Bild seiner Zukunft. Vor dem Grand Prix von Österreich an diesem Wochenende redet sich der zweimalige Weltmeister in Rage und beteuert seine anhaltende Motivation fürs Racing, die bei ihm natürlich nicht mit der Formel 1 endet. Die Aston-Martin-Erfolgsstory will er auf jeden Fall zu Ende schreiben - wenn auch nicht unbedingt als Fahrer.

"Ich habe nie aufgegeben und ich gebe doch jetzt nicht wegen ein paar Schwierigkeiten auf, nur weil der Saisonstart mal nicht gut war. Wenn jemand denkt, dass ich jetzt aufgebe, dann wissen diese Leute wohl nichts von den letzten 25 Jahren meines Lebens", gibt sich der Spanier gegenüber Motorsport-Magazin.com an einem seiner angriffslustigen Tage gewohnt schlagfertig.

Seit seinen Aussagen im Rahmen des Spanien GP spekulieren das Paddock sowie die Fans gleichermaßen über die Zukunft des 44-Jährigen, der seit 2001 in der Formel 1 an den Start geht. Aston-Martin-Ingenieur Mike Krack betonte erst an diesem Donnerstag am Red Bull Ring, dass sein Fahrer längst nicht reif für den Rücktritt sei.

Eine Erkenntnis, für die Alonso gewiss nicht erst Zuspruch seines Teams gebraucht hat. "Mike muss mir doch nicht sagen, dass ich schnell bin. Das fühle ich auf jeder einzelnen Runde, draußen auf der Strecke. Und wahrscheinlich spüre ich es immer", stellt der 432-fache Rekord-F1-Teilnehmer unmissverständlich klar.

Formel 1 2027 mit Fernando Alonso? Entscheidung über Zukunft im Sommer

Ob er 2027 weiterhin Formel 1 fährt, lässt er für den Moment trotzdem offen. "Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich werde wahrscheinlich bis zur Sommerpause im August warten. Danach haben wir Zandvoort und Monza, ich denke um diese Zeit herum werde ich das entscheiden."

Was hingegen schon feststeht: wie auch immer die Entscheidung ausfällt, es wird definitiv kein Rücktritt vom aktiven Rennsport: "Ich werde weiter Rennen fahren, denn ich fühle mich schnell und bin motiviert, und ich liebe das, was ich tue. Ich höre jetzt nicht auf, denn ich fühle mich nicht unkompetitiv und habe auch nicht das Gefühl, dass ich das Rennfahren nicht genieße. Ob ich in der Formel 1 fahre oder nicht, ist eine andere Frage."

Fernando Alonso will Erfolg mit Aston Martin: Notfalls als Manager F1-Weltmeister

Diese Frage gilt es also in den kommenden Wochen zu beantworten. Mit der Performance von Aston Martin und Honda im Jahr 2026 erreichte Fernando Alonso einen weiteren sportlichen Tiefpunkt in seiner Formel-1-Karriere. Nach sieben Rennen hat er nur einen WM-Punkt auf dem Konto. So schlecht lief es zuletzt 2017 in der Horror-Ehe zwischen McLaren und Honda, als er am achten Rennwochenende in Baku erstmals ein zählbares Resultat holte.

Zehn Jahre später wieder tief in einer Krise zu stecken, motiviert ihn aber höchstens. "Die Formel 1 ist nun mal etwas ganz Besonderes, und nach wie vor die Königsklasse des Motorsports und immer noch attraktiv", sagt er. "Wir hatten jetzt diesen schlechten Saisonstart und liegen weit zurück. Aber ich sehe das so: wenn wir diese Situation umkehren und das Auto schnell und wettbewerbsfähig machen können, in Zukunft oder auch schon nächstes Jahr, dann ist das ebenfalls ein attraktives Ziel."

Dass die Zeit aufgrund seines Alters gegen ihn läuft, ist ihm bewusst. Allerdings will er dieses Ziel auch ungeachtet dessen mit Aston Martin verwirklichen. "Ich bin diesem Team verschrieben, auch wenn ich nicht mehr für sie fahre", stellt er klar. "Wir haben viel zusammen aufgebaut und der Erfolg dieses Teams ist garantiert. Es wird um die Weltmeisterschaft kämpfen, wir wissen nur nicht, ob nächstes Jahr, in drei oder acht Jahren. Das ist für mich hinter dem Lenkrad natürlich der ausschlaggebende Faktor, aber ich will eine Weltmeisterschaft mit Aston Martin gewinnen - ob ich das als Fahrer mache oder als etwas anderes. Mein Commitment bleibt gleich."

Fernando Alonso schielt wieder auf Indy 500, 24h Le Mans & Co.

Was seine Karriere als Rennfahrer angeht, ist er derzeit für alles offen. Als es mit McLaren in der F1 nicht lief, ging er kurzerhand fremd und trat beim Indy 500 an. Es folgte Ende 2018 er vorläufige F1-Rücktritt, um sich danach unter anderem den 24h-Rennen von Le Mans und Daytona sowie der Rallye Dakar zu widmen. Ein Reiz, dem er wieder erliegen könnte: "Ich habe schon oft gesagt, dass ich in der Formel 1 nichts mehr zu beweisen habe. Ich habe zwei Weltmeistertitel gewonnen, habe um sechs oder sieben Titel gekämpft, mit Autos, die gar nicht um eine WM hätten kämpfen sollen. All das jetzt ist ein Bonus - ein Geschenk, das ich genieße."

Ein Faktor hinsichtlich des Verbleibs sind für ihn die aktuellen F1-Autos. Die Formel-1-Generation 2026 stößt bei den Fahrern seit jeher auf wenig Begeisterung. "Ich muss die Rennserie genießen, ich muss das Gefühl, diese Power Units zu fahren, genießen", lässt Alonso durchblicken, dass er sich nicht bedingungslos der Formel 1 verschrieben hat. Die Verlockung eines weiteren Karriereabschnitts als Allrounder in der Welt des Motorsports ist dementsprechend groß.

"Ich möchte nicht einfach nur einer dieser schnellen Fahrer in der Formel 1 sein. Ich möchte nicht nur Weltmeister in der Formel 1 sein", so der zweifach Le-Mans-Sieger. "Ich will der kompletteste Fahrer der Welt sein. Und deshalb stelle ich mich einigen der größten Herausforderungen im Motorsport [...] Und das war wahrscheinlich schon mein ganzes Leben lang meine Stärke, seit dem Kartsport. Und wenn ich in den Dünen fahre oder auf dem Oval oder in einem 24-Stunden-Rennen, nachts oder am Tag, dann weiß ich und spüre ich, und das habe ich mein ganzes Leben lang gespürt, dass ich mich schneller anpassen kann als die anderen. Ein Teil meines Vermächtnisses im Motorsport besteht also darin, Dinge zu tun, zu denen andere Menschen nicht in der Lage sind."