In einem Moment wurde Franco Colapinto vergangenen Sonntag in Baku zum Prügelknaben der Formel 1. Nur wenige Tage sind seit dem folgenschweren Unfall mit Alpine-Teamkollege Pierre Gasly vergangen. Vor dem Bahrain GP in Sepang an diesem Wochenende haben der Argentinier und sein Team die Vergangenheitsbewältigung im Eilverfahren abgeschlossen. Kein böses Blut und keine Konsequenzen für Colapinto. Das Verhältnis zu Flavio Briatore ist trotz Drohung unbeeinträchtigt.

"Als Team sind wir alle auf dieselbe Sache fokussiert. Wir haben alles Revue passieren lassen und daraus gelernt. Für uns alle ist das schon Vergangenheit und wir schauen nach vorne", erklärt Colapinto vor dem Start ins 16. von 23 Rennwochenenden im diesjährigen Formel-1-Kalender. In Aserbaidschan hatte er Alpine um die Chance auf ein doppeltes Punkteresultat für Gasly und ihn gebracht, als er den Franzosen beim Safety-Car-Restart in Runde 36 aus dem Rennen nahm. Neben einem Rant von Lando Norris war die Schelte von Teamchef Flavio Briatore für Colapinto wohl die verheerendste Reaktion auf den Fahrfehler.

Mit dem Alpine-Boss waren die Wogen aber schnell wieder geglättet. "Flavio ist ein toller Anführer, wahrscheinlich einer der Besten. Ich hatte ihn von Anfang an, seit ich in diesem Sport bin, und er hat viel Erfahrung. Er ist auch sehr gut darin, solche Situationen zu managen und er weiß, wie er ein Team stärker macht", streut Colapinto seinem Förderer Rosen. "Ich habe ihm immer vertraut, was solche Dinge anbelangt. Natürlich ist es nicht toll, wenn du derjenige bist, der einen Fehler macht. Aber es ist immer großartig, ihn zu haben und von ihm zu lernen. [...] Ich habe die volle Verantwortung dafür übernommen, im ersten Moment, als ich ihn gesehen habe."

Pierre Gasly beteuert Formel-1-Team mit Franco Colapinto

Den ersten Ärger des Chefs versteht er natürlich. "Natürlich war Flavio sauer, so wie jeder im Team verärgert war. Und das ist keine schöne Situation, und noch unschöner, wenn du derjenige bist, der sie herbeigeführt hat", erklärt Colapinto. "Aber es war etwas völlig Unbeabsichtigtes, und ich glaube, das versteht jeder. [...] Wir würden solche Dinge alle gerne rückgängig machen, aber die Realität sieht anders aus. Es tut mir sehr leid, und das tat es auch gleich, nachdem es passiert war. Es war keine schöne Situation, aber wir haben das intern bereinigt."

"Wir haben alles geklärt, alles ist gut. Es war ein unglücklicher Fehler, ein kostspieliger, aber es ist in Ordnung", bestätigt auch Gasly, dass der Zwischenfall für ihn abgehakt ist. "In der Hitze des Gefechts laufen das Adrenalin, die Emotionen, die Frustration und die Enttäuschung über. Das Rennen war gelaufen, für uns als Team war es ein schwerer Schlag. Aber der einzige Weg vorwärts ist, sich zusammenzuraufen und als Team stärker zu werden. Wir brauchen einander, um Platz fünf in der Weltmeisterschaft zu holen."

Für Colapinto ist das letztendlich alles, was er nach seinem Fehltritt wissen muss: "Wir pushen weiter zusammen, um Punkte zu holen und wieder zu gewinnen. Ich bin sehr dankbar dafür, Teil dieses Teams zu sein, mit der Unterstützung von allen und Flavio, von Beginn an. Mit Pierre als Teamkollegen habe ich eine sehr gute Beziehung, alles ist gut."

Von Alpine angeordnete Formel-1-Pause für Franco Colapinto nie realistisch

Sportliche Konsequenzen wie etwa die von Lando Norris geforderte Rennpause bzw. -sperre waren trotz der von Briatore angedrohten Konsequenzen innerhalb des Teams nie ein Thema. "Nicht wirklich. Ich bin nach dem Rennen sofort zu ihm gegangen, ich war auch gleich danach schon in der Fabrik, um mich auf das Rennen hier vorzubereiten. An all dem hat sich gar nichts geändert. Wir planen zusammen für die Zukunft und auch das hat sich nie geändert", stellt Colapinto klar.

Der 23-Jährige ist einer von zwölf Fahrern im Grid, die 2017 beim letzten Malaysia GP in Sepang noch nicht am Start waren: "Ich fühle mich bereit, hier in Sepang zu fahren. Es gibt viel Neues auf dieser Rennstrecke und ich freue mich, an einem Ort wie diesem zu fahren. Sie unterscheidet sich stark von den meisten anderen, auf denen wir fahren. Hier gibt es einige Faktoren, die es für uns interessant machen, hier zu fahren. Da freue ich mich wirklich drauf."

Rennsperre für Colapinto gefordert! Danner: 100 % seine Schuld, aber... (34:53 Min.)