Seit Audi das ehemalige Sauber-Team übernommen hat, war man mit einem Platzproblem konfrontiert. Während die Motorschmiede in Neuburg an der Donau sowohl technologisch als auch in ihren Dimensionen nach den Anforderungen der modernen Formel 1 errichtet wurde, erwies sich das Werk in Hinwil als Nadelöhr.

Wenig überraschend, schließlich war Sauber zeit seiner Existenz ein Mittelfeld- bzw. Hinterbänklerteam, das mit knappen Ressourcen gut haushalten musste. Den Topteam-Ambitionen von Audi wird das nicht gerecht, weshalb schnell klar wurde, dass der Standort Hinwil im Zuge des Eigentümer-Wechsels ausgebaut werden musste.

Audi baut in Hinwil neuen Campus

Jetzt gab das Formel-1-Team ein Update zum Fortschritt dieses Ausbaus. In der Zürichstrasse, einer der Hauptverkehrsrouten durch Hinwil, wird im Moment ein neuer Campus errichtet, der als Ergänzung zum etwa einen Kilometer entfernten bisherigen Werk in der Wildbachstrasse dienen soll. Schon im Sommer wurden die ersten Elemente in der Zürichstrasse in Betrieb genommen, wie das Team vermeldete.

Bis zur finalen Fertigstellung wird sich der Bau allerdings noch länger hinziehen, laut Plan soll es 2030 so weit sein. Die alte Fabrik soll dann umgebaut werden, sodass sie nur noch als Fertigungszentrum für die Formel-1-Autos und für den Betrieb des Windkanals dient. Die restlichen Abteilungen ziehen in die neuen Anlagen um. Davon ausgenommen sind natürlich die Motorenschmiede, die weiterhin ausschließlich in Neuburg beheimatet ist, und die technische Außenstelle in Bicester (Großbritannien).

Genauere Details, wie etwa die Größe der neuen Schaltzentrale des Formel-1-Teams, wurden nicht kommuniziert. CEO und Teamchef Mattia Binotto, der 2025 in einem Exklusivinterview mit dem Motorsport-Magazin auf das Platzproblem in Hinwil hingewiesen hatte (hier könnt ihr das komplette Interview lesen), betonte die Bedeutung der Anlage für die Anwerbung neuer Leute: "Der Campus wird eine wichtige Rolle dabei spielen, Weltklasse-Talente für uns zu gewinnen und zu binden und gleichzeitig die Grundlagen zu schaffen, die für die Verwirklichung unserer langfristigen Ambitionen erforderlich sind."

"Beim Aufbau eines erfolgreichen Formel-1-Teams kommt es letztendlich auf die Menschen an. Die besten Ingenieure, Konstrukteure, Mechaniker und Spezialisten möchten in einem Umfeld arbeiten, das es ihnen ermöglicht, zusammenzuarbeiten, innovativ zu sein und Höchstleistungen zu erbringen. Der Campus wird uns dabei helfen, genau dieses Umfeld zu schaffen", so Binotto weiter.

Eine ähnliche Logik verfolgte Audi auch schon mit der Eröffnung des Bicester-Werkes. Durch dieses will man einen besseren Zugang zum hochqualifizierten Formel-1-Personal rund um das Motorsport Valley in Großbritannien erlangen. Mit dem neuen Werk schafft man nun auch zusätzliche Anreize für Neuzugänge, die bereit sind, in die Schweiz umzusiedeln.

"Was dieses Projekt so besonders macht, ist, dass es uns ermöglicht, die Zukunft des Audi-F1-Teams von Grund auf mitzugestalten. Solche Gelegenheiten sind in der modernen Formel 1 selten. Wir ziehen nicht einfach in eine bestehende Anlage ein, sondern schaffen ein Zuhause, das ganz auf unsere Mitarbeiter, unsere Kultur und unsere Ambitionen zugeschnitten ist. Dieser Campus ist ein wichtiger Teil dieser Reise", ist Binotto überzeugt.

Audi hat sich für die Formel 1 einen ehrgeizigen Drei-Stufen-Plan gesetzt, laut dem man 2030 um die Weltmeisterschaft mitkämpfen will. Wie schwierig dieser Sprung ist, bewiesen im letzten Jahrzehnt Renault/Alpine und Aston Martin, die ähnliche Ambitionen hegen, aber von diesen noch immer genauso weit entfernt sind wie zu Beginn ihres (Wieder)-Einstiegs in die Formel 1. Ein Punkt, der der Volkswagen-Marke bei der Umsetzung ihres Plans wichtig ist, ist die Unabhängigkeit des Teams vom Konzern, wie Gernot Döllner vor wenigen Wochen erklärte. Hier könnt ihr mehr dazu lesen:

Nicht über Audi, sondern über Ferrari diskutierte wir in unserem neuesten Video. Genauer gesagt über Ferrari-Teamchef Fred Vasseur und dessen Stellung im Team. Hier könnt ihr es euch anschauen:

Ferrari-Dilemma: Ist Vasseur zu schwach für Maranello? (32:06 Min.)