Die längste Karriere der Formel-1-Geschichte geht immer noch weiter. Nach monatelangem Zaudern bestätigt Fernando Alonso am 29. September, dass er auch 2027 wieder für Aston Martin in der Königsklasse am Start stehen wird. Allem Frust mit dem neuen Reglement zum Trotz ist es eben immer noch die Königsklasse.
Üble Umstände hatten Alonso lange an seiner Entscheidung zweifeln lassen. Aston Martin hatte zusammen mit dem neuen Motorpartner Honda zuerst einmal den Reglementswechsel völlig vergeigt. In den meisten Rennen war das Auto in diesem Jahr das Schlechteste oder Zweitschlechteste im Feld und kämpfte maximal mit F1-Neueinsteiger Cadillac darum, nicht Letzter zu werden. Wenn es nicht schon mit unzähligen Defekten kaputtging.
Zugleich ist Alonso inzwischen wohl der lautstärkste Kritiker der neuen Generation Hybrid-Motoren, mit Aussagen, die selbst den anfänglichen Chefkritiker Max Verstappen in ihrer Deutlichkeit übertreffen. Diese Autos seien keine Herausforderung mehr. Sie hätten die besten Rennstrecken ruiniert. Selbst der Koch könne sie fahren. Überhaupt würden Hybrid-Motoren nicht in die Formel 1 gehören.
Fernando Alonso kann nicht aufhören: Racing ist mein Leben
Aber auf der anderen Seite ist klar: Alonso hat mit der Formel 1 eine Rechnung offen. In einer durchwachsenen zweiten Karrierehälfte hat der zweifache Weltmeister, der als einer der besten Fahrer seiner Generation gilt, seit 2013 kein Rennen mehr gewonnen. Weil er eigentlich seit 2014 nie mehr in einem siegfähigen Auto saß. Seine unglücklichen Vertrags-Entscheidungen sind legendär.
Aufgeben kann Alonso aber nicht. Selbst im Alter von 45 Jahren, und mit 440 Grand-Prix-Starts. Immer noch will er an eine Chance auf ein letztes Hurra mit Aston Martin glauben. Das stellt er bei der Vertragsverkündung sofort klar: "Ich habe mir mit der Entscheidung Zeit gelassen, aber Racing ist mein Leben, meine Leidenschaft, und ich weiß, dass ich immer noch den Speed und den Willen habe, auf dem höchsten Niveau abzuliefern."
"Ich glaube fest an das, was wir hier aufbauen", garantiert Alonso. "Wir haben eine starke Führung, unglaubliche Leute, Partner und Anlagen. Ich freue mich darauf, mehr Erinnerungen auf der Rennstrecke vor unseren leidenschaftlichen Fans zu schaffen. Ihre Energie erzeugt eine Atmosphäre, die mich inspiriert, und die unseren Sport so besonders macht."
Ultimativ sind es die massiven Investitionen von Stroll, eine komplett neue Fabrik, ein Windkanal, und hochkarätiges Personal wie Star-Designer Adrian Newey, die Alonso weiter glauben lassen. Der erst im Vorjahr von Red Bull gekommene Newey ist aktuell dabei, das Team auch strukturell an diese neuen Ressourcen anzupassen. Als ehemaliges Privatteam, das jahrelang mit Mini-Ressourcen operierte, legte das rapide Wachstum seit Strolls Übernahme zuletzt teils massive operative Defizite offen.
Auch Lance Stroll bleibt bei Aston Martin in der Formel 1
Das, zusammen mit Hondas Motor-Fehlschlag, löste schließlich die desaströse 2026er-Saison aus. Die Hoffnung ist, aus dem Schmerz zu lernen. Für das Team ist Alonsos Verbleib da genauso wichtig. Einsatzleiter Mike Krack hatte vor ein paar Wochen schon festgestellt, dass man sich eigentlich gar nicht ausmalen wolle, was ein Alonso-Karriereende bedeuten würde. Alonsos Zögern hatte auch dazu geführt, dass inzwischen kein hochwertiger Ersatz auf dem Fahrermarkt mehr verfügbar war.
Zusammen mit Alonso bestätigt Aston Martin offiziell am Dienstag auch den Verbleib von Lance Stroll im zweiten Cockpit. Anders als die Alonso-Entscheidung schien das immer klar, ist Lance doch der Sohn von Teambesitzer Lawrence. Er war sofort 2019 ins Team gekommen, kaum dass der Vater es Mitte 2018 gekauft hatte. Seither war sein Cockpit nie in Frage gestellt worden, selbst wenn er im internen Vergleich gegen seine Teamkollegen Alonso, Sebastian Vettel und Sergio Perez meist deutlich zurücklag.
"Lance und Fernando sind ein kritischer Teil unserer Reise", versichert Stroll Senior. "Zwei Fahrer mit ihrer Erfahrung, ihrem Einsatz und ihrem Wissen sind von unschätzbarem Wert für die ganze Organisation. Wir sind hier, um zu gewinnen, und während unser kurzfristiger Fokus darauf liegt, die Leistung zu verbessern, glaube ich daran, dass wir das Weltklasse-Talent haben, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen."
Woanders ändert sich ebenfalls aktuell nichts. Ferrari reagiert nach zahlreichen Gerüchten am Dienstag mit einer Vertrauensbekundung gegenüber Teamchef Fred Vasseur. Mehr dazu gibt es hier:



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