Eigentlich befindet sich der ganze Formel-1-Tross gerade irgendwo auf Reisen zwischen Baku und Malaysia. Da fällt es völlig aus der Norm, wenn ein Team plötzlich am Dienstagvormittag kurzfristig eine virtuelle Presserunde ansetzt. Doch Ferrari hat genug von den Spekulationen um den Teamchef-Posten in Maranello und sieht sich zu einer unmissverständlichen Erklärung gezwungen.

Nur Vertreter der Pressestelle der Scuderia traten am Dienstag virtuell auf, um eine Stellungnahme zu verlesen: "Die Position von Ferrari ist eindeutig, hat sich nicht geändert, und Ferrari hat seine Wahl bereits getroffen. Wir haben Vertrauen, volles Vertrauen in Fred Vasseur und sein Team, und werden das auch weiterhin tun."

Dem Ferrari-Management war es in den letzten Tagen einfach zu bunt geworden. Gerüchte über Personal sind grundsätzlich besonders in Italien immer als Hintergrundrauschen vorhanden, erst recht, wenn das Team wie in den letzten Wochen sportlich einen Durchhänger erlebt, dann im Formel-1-Herbst ankommt und effektiv aus dem WM-Kampf eliminiert ist.

Gerüchte um Ferrari und Christian Horner werden zu viel

Nur wurde es an den letzten Tagen deutlich mehr als nur Hintergrundrauschen. Der aktuell arbeitslose Ex-Red-Bull-Teamchef Christian Horner absolvierte eine Runde bei den britischen Medien in Vorbereitung für das Erscheinen seines Buches und ließ dabei fallen, dass er durchaus bereit sei, den Ferrari-Job anzunehmen.

Innerhalb weniger Tage war die Horner-Story dann kein Hintergrundrauschen mehr, und der Lärm nahm nach dem Baku-Wochenende an jedem Tag zu, anstatt wie sonst bei diesen Gerüchten üblich wieder abzunehmen. Erst auf Social Media, und Horner-nahe britische Medien taten ihr Übriges, um weiter Öl ins Feuer zu gießen, mit allen möglichen Storys, von Lobbying durch Horners Freund Bernie Ecclestone bis zur Umzugsbereitschaft von Horners Frau Geri.

Von Ferrari-Seite ist die Position klar: Das wird orchestriert. Vor allem durch Horner und sein Umfeld. "Mr. Horner sucht einen Job", hatte es Fred Vasseur nach dem Rennen in Baku deutlich ausgedrückt. Das ist ein einseitiges Interesse. In Maranello sucht man weder einen Teamchef, noch umwirbt man Horner. Als die Gerüchte dennoch weiter anschwollen, griff Ferrari dann zum äußerst seltenen Mittel einer Presserunde mitten in der Reisezeit eines F1-Triple-Headers.

Volles Vertrauen in Fred Vasseur: Ferrari hofft in Malaysia auf Ruhe

"Weil wir verhindern wollen, dass das nächste Wochenende in Malaysia sich nur um diese Gerüchte und Spekulationen dreht", heißt es von Ferraris Kommunikationschefin Maria Conti. "Wir hätten aber gerne, dass es sich um das Rennen dreht, um die Leistung des Teams, und um Fred und um die Führungsstärke, die er Ferrari bringt."

Ferrari-Dilemma: Ist Vasseur zu schwach für Maranello? (32:06 Min.)

Auch Vasseurs Führung ist eben nicht in Frage zu stellen. Seit Wochen werden unter anderem in Italien wiederholt Geschichten in Umlauf gebracht, wonach etwa die Fahrer intern personelle oder strukturelle Änderungen wollten. Namen einzelner Individuen auf Abschusslisten und dergleichen inklusive.

Hier unfundiert zu spekulieren ist natürlich potenziell desaströs für die Teammoral, wenn Mitarbeiter auf Social Media lesen, dass ein Lewis Hamilton oder ein Charles Leclerc sie loswerden möchte, oder dass ein neuer Teamchef kommt und das ganze Team - welches Vasseur gerade erst an vielen Ecken umgebaut hat - womöglich wieder zerlegen würde.

Daher also die plötzliche Stellungnahme zur ungewöhnlichen Zeit. Konzernchef John Elkann und Ferrari-CEO Benedetto Vigna stehen genauso persönlich voll hinter Vasseur, wurde zum Abschluss noch einmal klargestellt. Jetzt hofft man wieder auf Ruhe.

Einen Tag vor Ferrari gab es auch ein außertourliches Statement von McLaren-Pilot Lando Norris - da er sich für seine rückblickend unverhältnismäßige Kritik an Franco Colapinto nach dem Restart-Crash von Baku entschuldigen wollte. Mehr dazu gibt es hier: