Isack Hadjar kann erhobenen Hauptes aus Baku abreisen. Ein dritter Platz nach drei Rennen Pause, starke Pace auf Augenhöhe mit Max Verstappen und ein verlängerter Vertrag – was will man als zweiter Red-Bull-Fahrer mehr? Laut dem MSM-Fahrerranking war er hinter George Russell der zweitbeste Pilot beim Aserbaidschan-GP. Dieses Urteil unterschreibt auch Christian Danner.
"Das, was Hadjar da gezeigt hat, war schon sagenhaft gut", lautete das Urteil des Formel-1-Experten. "Das war zum ersten Mal seit langer, langer Zeit wieder einer, der mit Max Verstappen mithalten konnte und ihn sogar hinter sich gelassen hat." Im Qualifying nahm Hadjar, der gestern seinen 22. Geburtstag feierte, seinem Teamkollegen mehr als eine halbe Sekunde ab. Das lag aber daran, dass Verstappen einen fehlerhaften Motor hatte.
Doch auch im Rennen blieb Hadjar Verstappen dicht auf den Fersen. Auf dem Soft-Reifen war er im ersten Stint sogar schneller als sein Teamkollege, eine Teamorder lehnte er zunächst jedoch ab. Erst als Verstappens Pace auf dem Medium-Reifen einzubrechen begann, wurde Hadjar ungeduldig. Allerdings nur leicht. Am Funk blieb er ruhig und erinnerte seine Crew: "Ich habe Pace, nur für den Notfall." Seinen ganzen Funkverlauf könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:
Red Bulls Teamorder-Funksprüche amüsieren Danner
"So sind die Funksprüche natürlich höchst amüsant", meint Danner im AvD Motorsport Magazin schmunzelnd. "Hadjar hat das ganz freundlich, sympathisch und irgendwie auch lustig versucht, Verstappen dazu zu bewegen, doch noch zwei oder drei Zehntel schneller zu fahren."
Formel-1-Fahrer reagieren selten gelassen, wenn sie auf besseren Reifen hinter ihrem langsameren Teamkollegen feststecken. Danner nennt Lewis Hamilton als Gegenbeispiel: "Der ist am Mosern und sagt: 'Lass mich vorbei! Lass mich überholen und dann schauen wir schon, was passiert.'" Bei Ferrari wurde erst nach dem letzten Teamorder-Fiasko über Richtlinien gesprochen, wie die Beteiligten verrieten. Bei Red Bull scheint die teaminterne Rangordnung hingegen klar definiert.
Vor allem Hadjars besonnene Ausdrucksweise mitten im Renngeschehen beeindruckte Danner. "Man kann sich nicht vorstellen, was in einem Cockpit alles los ist. Dass man dann noch so intelligent und mit einem Schuss Humor solche Anfragen stellt, ist schon eine coole Sache. Das hat mir sehr gut gefallen", lobte Danner.
Red-Bull-Update auf Hadjar ausgelegt? Danner: Max ist immer noch Häuptling!
Hadjars Auftritt überzeugte Danner dabei nicht nur fahrerisch. Für den Experten ist er zugleich ein Zeichen dafür, dass Red Bull nach den personellen Umbrüchen wieder an Stabilität gewinnt: "Dass Christian Horner, dann Adrian Newey und die verschiedensten Leute weggingen, kann dazu führen, dass ein Team auseinanderfällt. Aber da mache ich mir überhaupt keine Sorgen", schätzt der ehemalige F1-Pilot ein. "Das, was Laurent Mekies da alles in die Wege geleitet und zusammengeführt hat, funktioniert langsam, aber sicher."
In Baku brachte Red Bull ein Update, das zur guten Leistung beitrug: ein neuer Unterboden, ein neuer Seitenkasten und eine neue Rückspiegel-Geometrie. Der F1-Experte hat eine Vermutung zu den neuen Teilen: "Ich bin mir sicher, dass das Update eher in Richtung Hadjar geht. Das Auto ist doch ein bisschen komfortabler zu fahren und nicht mehr ganz so wahnsinnig."
Der Franzose betonte das ganze Wochenende über, dass sich der RB22 seit seinem letzten Einsatz in Ungarn enorm verbessert habe. Doch sowohl Hadjar als auch Verstappen merkten an, dass es noch Probleme gebe. Schließlich verlor der vierfache Weltmeister den Schlusssprint gegen George Russell um nur 0,196 Sekunden. "Das ist noch nicht vorbei und Max lässt sicher auch nicht locker", ist Danner mit Blick auf Red Bulls Aufholjagd überzeugt.
Verstappen erklärte allerdings, dass einige Probleme in dieser Saison nicht mehr behebbar seien. Die Updates in Aserbaidschan waren schließlich Red Bulls letzte größere Entwicklungsstufen des Jahres. Dass er nun aber ein starkes Paket und einen schnellen, aber teamdienlichen Teamkollegen an seiner Seite hat, sollte Verstappen glücklich machen, glaubt Danner: "Das ist eine tolle Sache, weil er sieht: 'Alles gut. Ich bin hier der Häuptling. Ich bekomme, was ich haben möchte, und die geben mir alles. Koste es, was es wolle.'"
Isack Hadjar zeigte in Baku, dass er für Red Bull mehr ist als nur ein schneller Fomel-1-Teamkollege: Der Franzose erwies sich als verlässlicher Wingman für Max Verstappen, ist MSM-Redaktionsleiterin Kerstin Hasenbichler überzeugt. Hier gibt es ihren Kommentar:



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