McLaren ging mit erhobenem Haupt in die Formel-1-Sommerpause: erste Pole Position des Jahres, erster Saisonsieg für den amtierenden Weltmeister und neue Teile, die allem Anschein nach den Ruf des Teams als Update-Meister bestätigten. Vier Wochen später kommt die Papaya-Truppe weiterhin erhobenen Hauptes im Fahrerlager in Zandvoort an. Der nächste Sieg soll auf dem Dünenkurs in den Karten sein – wenn alle mitspielen.
"Ungarn war eine nette Überraschung und hat gezeigt, dass man nie zu engstirnig an die Sache herangehen sollte", meint Oscar Piastri optimistisch. Er hat in Zandvoort 2025 seinen letzten Sieg gefeiert, danach ging es mit seiner Performance bergab. Nun macht ihm der Budapest-Sieg seines Teamkollegen Mut: "Ohne Ungarn hätte ich gesagt, dass es [gewinnen, Anm. d. Red.] eine Herausforderung wäre. Aber mit Ungarn… Hoffentlich können wir wettbewerbsfähig sein, aber ich bin überzeugt, dass wir eine Chance auf den Sieg haben." Nun komme es nur noch darauf an, wie stark die Konkurrenz ist.
Auch der amtierende Weltmeister und der letzte Formel-1-Sieger, Lando Norris, ist von der Stärke McLarens überzeugt: "Ich bin nicht der Typ Mensch, der vorschnell handelt. Deshalb komme ich nicht hierher und denke, dass wir wieder gewinnen müssen. Aber unsere Ziele sind hoch, also glauben wir, dass wir es können. Mein Sieg hat mir und dem ganzen Team ziemlich viel Selbstbewusstsein gegeben."
Meilenstein-Update Teil 2: Diese neuen Teile bekommen Norris & Piastri
Zwei Faktoren lassen die Papaya-Piloten so siegessicher auftreten: Erstens sind da die Updates. Die erste Hälfte des "Meilenstein"-Pakets, wie es das Team selbst nannte, kam in Ungarn an den MCL40, die zweite wird nun in den Niederlanden verbaut. Es soll sich laut Technikdirektor Neil Houldey um neue Bremsbelüftungen an der Hinterachse und um einen neuen Heckflügel handeln.
Damit könnte der sehnlichst erwartete Macarena-Flügel gemeint sein, den das Team im ersten Training in Budapest ausprobierte. Er sollte eigentlich frühestens in Monza zum Einsatz kommen, doch McLaren könnte die Implementierung nach dem zufriedenstellenden Test vorgezogen haben. Oder die Rede ist von einem streckenspezifischen Teil. Das wird sich erst am Freitag zeigen.
Sicher ist jedenfalls, dass schon der erste Teil des Pakets ein voller Erfolg war – zumindest auf dem Hungaroring. Dieser Erfolg muss sich jetzt noch auf weiteren Strecken bestätigen. "Wir müssen verstehen, ob es überall Performance bringt – auf jeder Strecke, jeder Oberfläche, jeder Kurve – oder ob es spezifisch dort war. Wir müssen noch geduldig sein", mahnt Norris vor Übermut. Er legt aber nach: "Es war klar, dass wir einen Schritt vorwärts gemacht haben. Wir möchten immer noch glauben, dass wir hier konkurrenzfähig sein können."
McLaren in Zandvoort: Streckencharakteristik als Trumpf oder Hindernis?
Was auch für eine starke McLaren-Vorstellung beim Niederlande GP spricht, ist die Streckencharakteristik. Der Circuit Zandvoort ist dem Hungaroring in einigen Aspekten durchaus ähnlich. Die Kurvengeschwindigkeit ist eher niedrig, zudem gibt es eine lange Vollgas-Gerade.
Zudem ist das Überholen auf der Oldschool-Strecke bekanntlich schwierig. "Wenn du ein gutes Qualifying hast, kannst du deine Position behalten, auch wenn du nicht unbedingt das schnellste Auto auf der Strecke bist", weiß Piastri. Allerdings gibt es auch Unterschiede, die McLaren einen Strich durch die Rechnung machen könnten.
Neben den überhöhten Kurven sind besonders die Wetterbedingungen anders. Während es in Budapest sommerlich warm war, weht an der Nordseeküste meist kalter Wind, der Sand vom naheliegenden Strand auf die Strecke weht. Über das Wochenende hinweg könnte es sogar zwischenzeitlich regnen. Das könnte es schwer machen, die Reifen auf Temperatur zu bringen – etwas, mit dem McLaren in diesem Jahr Probleme hat. "Wir müssen einfach abwarten", will sich Norris deshalb nicht verrückt machen.
Konkurrenz schläft nicht: McLaren-Performance noch zu unberechenbar
Ein Aspekt, den die beiden Papaya-Piloten nicht unterschätzen und der die Siegesstimmung etwas trübt, ist die fluktuierende Performance aller Teams in dieser Saison. Im ersten Jahr des neuen Reglements können Update-Pakete die Hackordnung schnell ändern. Das beste Beispiel dafür: McLaren in Ungarn.
"Ich bin mir sicher, dass die anderen einige Upgrades haben", ist sich Piastri der unsicheren Lage bewusst. Tatsächlich hat Mercedes in Zandvoort nichts Großes im Gepäck. Ferrari soll laut italienischen Medien einen neuen Unterboden gebracht haben, hat dies aber noch nicht selbst bestätigt. Von Red Bull ist nichts bekannt.
"Jedes Team ändert so viel an den Autos und lernt mit den Motoren ständig dazu. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Hackordnung stark ändert", analysiert Piastri. "Mercedes ist der Maßstab und Ferrari überrascht entweder damit, wie schnell oder langsam sie sind. Manchmal erwarten wir, dass sie schnell sind und dann sind sie nicht wettbewerbsfähig. Aber dann sind sie plötzlich wieder die Besten. So unberechenbar ist es auch für uns."
Das spürt auch Norris. "Unser Pace-Vorteil letzten Sonntag [Ungarn] war größer und unsere Performance besser als im ganzen letzten Jahr. Das zeigt, dass wir noch inkonstanter sind als in der vorherigen Saison. Wir versuchen immer noch, das Auto perfekt zu verstehen. Es ist so schwer zu fahren, aber es kann auch unglaublich schnell sein. Aber man stellt das Auto nicht einfach auf die Strecke und ist sofort schnell", erklärt der Weltmeister.
Er müsse jede einzelne Kurve in jeder Bedingung und in jeder Reifenphase verstehen, um gut zu performen. "Das habe ich erst vor einem oder zwei Monaten angefangen zu verstehen. Es ist unglaublich schwierig und ich wünschte, es wäre etwas leichter", kritisiert Norris. Davon wollen sich er und McLaren aber nicht unterkriegen lassen: "Jeder im Team hat ein gutes Mindset. Das Team gibt mir viel Bestätigung und wenn ich so gut fahre wie in Budapest und wie ich es für einen Großteil der Saison getan habe, dann bin ich auch selbstbewusst."
Fernando Alonso bleibt Aston Martin auch nach der F1-Sommerpause eine Antwort schuldig. Der zweimalige Weltmeister legt seine Zukunft in die Hände des Teams.



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