McLaren nutzte das erste Freie Training der Formel 1 in Ungarn für eine Premiere: Nach langem Warten kam endlich der neue Macarena-Flügel am MCL40 zum ersten Mal auf der Strecke zum Einsatz. Obwohl nur Testpilot Leonardo Fornaroli das innovative Aerodynamik-Element für eine Session testete und es anschließend vorerst wieder abmontiert wurde, stufte Teamchef Andrea Stella die Erkenntnisse als vollen Erfolg ein.

"Wir haben gewusst, dass es ein kompliziertes Projekt wird. Aber die Ingenieure haben tolle Arbeit geleistet", lobt McLaren-Teamchef Andrea Stella sein Team, das nach Ferrari und Red Bull das dritte im Feld ist, das sich an dieses komplizierte Konzept heranwagt.

Macarena-Flügel McLaren F1 Team
McLarens Version des Macarena-Flügels, Foto: IMAGO/PsnewZ

Ein Konzept - aber unterschiedliche Herangehensweisen

Wie unterschiedlich dieser Entwicklungsprozess verlaufen kann, zeigt der Vergleich mit der Konkurrenz. Bei Ferrari schien das Konzept fast über Nacht zu stehen: Nach ersten Tests in Bahrain kam der Flügel bereits in China dauerhaft am SF-26 zum Einsatz.

"Als Ferrari den Flügel im Bahrain-Test einführte und ihn in China das erste Mal live testete war das schon interessant", so Stella, der die Konkurrenz natürlich im Auge behielt. Ferrari hatte die Einführung des Konzepts eigentlich später in der Saison geplant, arbeitete aber auf Hochtouren an der Weiterentwicklung des SF-26 und entschied sich daher für eine vorzeitige Montage.

Den Gegenpol dazu bildet Red Bull. In der Fabrik in Milton Keynes arbeiteten die Ingenieure ebenfalls an einem solchen Heckflügel, der in Miami zum ersten Mal ans Auto kam. Im Gegensatz zu Ferrari, die den Drehmechanismus in den Endplates verbaut haben, wird die Red-Bull- und McLaren-Variante über ein Teil in der Mitte geflippt. Das Konzept ist also ein komplett anderes.

Die Bullen montierten den Macarena-Wing nach Max Verstappen Abflug in Silverstone aber kurzfristig wieder ab. Das Team vermutete, dass ein Fehler im Schließmechanismus zum Unfall führte - ob es daran liegt, dass der Schließmechanismus anders montiert ist und dadurch eine Millisekunde länger braucht bleibt ein Rätsel.

Macarena feiert reibungsloses Streckendebüt

Die Premiere des Macarena-Flügels auf dem MCL40 verlief völlig ohne Kinderkrankheiten. Sowohl die mechanische Ansteuerung als auch das aerodynamische Verhalten beim Auf- und Zuklappen funktionierten wie geschmiert - sehr zur Erleichterung der Ingenieure.

"Unsere Ingenieure haben die Aerodynamik und den Schließmechanismus unter diesem Reglement toll hinbekommen", freut sich Stella, der um die Risiken eines nicht ausgereiften Flügels Bescheid weiß. "Es geht nicht nur um den Abtrieb auf den Heckflügel selbst, sondern auf das gesamte Fahrzeug", so Stella.

Ein kritischer Punkt bei rotierenden Flügeln ist der Moment des Schließens: Der Luftstrom muss sich innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wieder stabilisieren, um den nötigen Anpressdruck sofort wieder aufzubauen. Zudem setzt das FIA-Reglement nicht nur strenge aerodynamische Grenzen, sondern schreibt auch die mechanischen Bewegungsabläufe und Auslösezeiten exakt vor.

All das sei laut Stella bei den Simulationen sehr konstant gewesen. Ein wichtiger Aspekt im Test des Flügels fehlte dem Team aber vor dem permanenten Einsatz noch: eine Ausfahrt auf der Strecke. "Das wichtigste Werkzeug, besonders bei so komplizierten Projekten, selbst aus aerodynamischer Sicht, bleibt das, was man auf der Rennstrecke beobachtet", betont der Italiener.

"Für uns war es extrem wichtig, die Daten direkt an der Strecke zu erfassen. Bei einem so sensiblen Projekt hätte man sich niemals allein auf die Werte aus dem Windkanal verlassen", so der Teamchef. "Die Fahrt in Ungarn war eine positive Bestätigung und wir freuen uns darauf, den Flügel bei den kommenden Rennen einzusetzen."

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