Williams zählt in der F1-Saison 2026 bisher zu den großen Verlierern. Nach Podien im Vorjahr, kämpft sich das britische Team mit dem FW48 trotz Mercedes-Motoren in den Untiefen des Mittelfeldes ab. Punkte gibt es nur, wenn die Konkurrenz sich selbst im Weg steht. Carlos Sainz und Alex Albon plagt dabei vor allem eine extreme Charaktereigenschaft ihres Autos. Der Williams eiert wegen des neuen Reglements als Dreirad über die Rennstrecken im Formel-1-Kalender.
Bereits in China hatte Alex Albon die Problematik explizit angesprochen, nachdem das Team auch dort wie beim Auftakt vor den Hinterbänklern von Aston Martin und Cadillac zu finden war. "Das Dreirad ist bedingt durch fehlenden Grip innen an der Vorderachse und war bei unserem Auto ein Problem, seit ich es fahre", sagt er über das Phänomen, bei dem das kurveninnere Rad betroffen ist, das bei der Kurvenfahrt am wenigsten unter Last steht. Laut Albon kann das sowohl an der Vorder- als auch an der Hinterachse der Fall sein.
"Es ist dabei ja nicht wirklich in der Luft. Bei genauem Hinsehen kannst du erkennen, dass es am Boden einfach nicht ganz die Aufstandsfläche der anderen drei Räder hat", erklärt der Thailänder weiter. "Das ist für uns ein Punkt, auf den wir uns dieses Jahr bisher sehr fokussieren. Wir haben dem in den FP1-Sessions schon sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, um zu sehen, ob wir das verbessern können."
Williams-Dreirad für Formel-1-Fahrer schon länger ein Problem
Tatsächlich war diese konstruktionsbedingte Eigenschaft bereits vor dem neuen Reglement ein Thema beim Rennstall aus Grove. "Das habe ich dem Team eigentlich schon 2025 gesagt, sobald ich das erste Mal in den Williams gestiegen war. Er scheint diese Eigenschaft in der Fahrzeugdynamik zu haben und das hat mich schon auf meiner ersten Runde in Abu Dhabi überrascht"", erklärt Carlos Sainz, der vor einem Jahr von Ferrari zu Williams wechselte.
Der Spanier tat sich in der ersten Saisonhälfte 2025 schwer, die Performance von Alex Albon zu matchen. Dass es ihm nach der Sommerpause mit Podien in Baku und Katar gelang, war vor allem dem Umgang mit dieser Eigenheit des Boliden geschuldet: "Ich habe eine Zeit gebraucht, um das zu verstehen und das Auto damit abzustimmen. Das ist uns dann ja immer besser gelungen, im Verlauf des vergangenen Jahres."
Formel-1-Reglement 2026 betont Williams-Schwächen
Zur Saison 2026 wurde die Aerodynamik der Autos grundlegend verändert. Damit war auch das Williams-Dreirad zurück. "Als der Anpressdruck mit diesen Regeln insgesamt reduziert wurde, ist das Problem wieder aufgetreten", so Sainz. Bereits bei den Testfahrten in Bahrain waren die Defizite auffällig, da sich dort genau die Art von Passage befindet, welche die Schwächen das Autos zu Tage treten lassen.
"Unsere schwächsten Kurven waren immer schon zum Beispiel die Kurven neun und zehn in Bahrain, die doppelte Linkskurve", erklärt Albon. In dem von ihm genannten Streckenabschnitt verzögern die Fahrer beginnend mit Kurve neun von rund 250 km/h im sechsten Gang bis hinunter auf 75 km/h im zweiten Gang am Scheitelpunkt von Kurve zehn. Die kurveninneren Räder sind wegen des fortdauernden Richtungswechsels während des gesamten Anbremsvorgangs entlastet.
"Das sind die Kurven, die uns Performance kosten und alle fahren dieses Jahr mit weniger Downforce. Das verstärkt dieses Problem zusätzlich", so Albon, der ohnehin darüber klagt, dass dem Williams FW48 im Vergleich zur Konkurrenz der Anpressdruck fehlt. "Das Auto hat viele Probleme mit der Balance. Uns fehlt etwas Abtrieb, es ist also eine Kombination verschiedener Faktoren."
Williams will Formel-1-Pause im April nutzen
Das neue Auto zu verstehen und die Ursache für das Problem einzugrenzen, gibt den Williams-Ingenieuren auch nach drei Rennwochenenden noch Fragen auf. "Als Fahrer geben wir sehr klare Richtungen vor, wann es passiert und wie es passiert, und was wir spüren, wenn es passiert", sagt Sainz. "Das Team tut alles, was es kann, um es zu verstehen und herauszufinden, welche Eigenheiten im Design des Autos für dieses Phänomen verantwortlich sind."
Durch den Entfall der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien haben die Teams bis zum vierten Rennen in Miami am 3. Mai einen ganzen Monat, um die Entwicklung intensiver als geplant voranzutreiben. "Wir müssen mehr Nutzen als die anderen Teams daraus ziehen", mahnt Albon. "Wir geben alles, um für Miami ein Upgrade zu haben. Andererseits fehlt uns auch Streckenzeit, die wir bräuchten, um das Auto besser kennenzulernen. Aber wir haben schon unseren Fahrplan. Wir werden jede Woche in der Fabrik sein."


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