Von dem Start in die neue Formel-1-Ära versprachen sich viele Fans ein grundlegend neues Kräfteverhältnis. Neue Topteams, schwächelnde Platzhirsche oder sogar die eine oder andere Sensation aus dem Mittelfeld dank Regellücken... Doch auch wenn sich nach den Testfahrten einiges noch nicht abschätzen lässt, so lässt sich zumindest für den Start in das Jahr diese Hoffnung verwerfen.
Die Longruns und die Qualifying-Simulationen in Bahrain sprachen eine klare Sprache: Es sind mit Mercedes, Red Bull, McLaren und Ferrari erneut dieselben vier Teams, welche die Spitze unter sich ausmachen. Die Lücke zwischen ihnen und den Verfolgern hat sich nicht verkleinert, sondern ist deutlich größer geworden. Die ersten Daten lassen einen Abstand von etwa einer Sekunde ausmachen.
Große Lücke zwischen Formel-1-Topteams und Mittelfeld
Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane erklärte, dass ihn diese Entwicklung alles andere als unvorbereitet trifft: "Ich denke nicht, dass es eine Überraschung ist. Immer, wenn man eine Reglement-Änderung hat, ziehen die Topteams davon und die kleineren Teams fallen zurück. Das sollte niemanden überraschen." Doch so etwas wie 'kleine' und 'große' Teams sollte es in Zeiten des Budget Caps zumindest in Bezug auf die sportlich relevante Finanzkraft der Rennställe nicht mehr geben. Fast alle operieren inzwischen an der Budgetgrenze oder zumindest knapp darunter.
Warum zieht sich also immer noch eine Bruchlinie durch das Feld? "Es sind die Tools und die Leute. Diese Dinge ändern sich nicht und die Tools und die Leute verbessern sich die ganze Zeit. Es ist also nicht einfach aufzuholen", so Permane. Der erste Punkt erscheint vollkommen logisch. Denn auch wenn die jährlichen Ausgaben begrenzt sind, so konnten sich die Spitzenmannschaften über Jahre der finanziellen Überlegenheit auch technologisch überlegene Werke aufbauen.
"Die Differenz zwischen den Topteams und den Kleinen lag im Bereich von dutzenden, wenn nicht sogar hunderten Millionen, die ausgegeben wurden, und das erlaubt dir, eine Infrastruktur und Tools aufzubauen, die immer noch benutzt werden", betonte Permane.
Der Rest des Formel-1-Feldes kann nur langsam aufholen. Die Cap-Ex-Regeln erlauben es, Investitionen in die Infrastruktur und Tools in einem gewissen Rahmen außerhalb der Budgetdeckelung zu unternehmen. Aber nicht alle Nachzügler-Teams haben die Finanzkraft für derartige Entwicklungen. Und auch bei jenen, die darüber verfügen - wie etwa Williams oder Aston Martin -, dauert es seine Zeit, bis die neuen Systeme auch richtig kalibriert sind.
Alan Permane: Top-Ingenieure wollen für Topteams arbeiten
Dass allerdings auch beim Personal noch ein klares Gefälle im Feld ersichtlich ist, erscheint dem Formel-1-Finanzreglement zu widersprechen. Denn abgesehen von den drei Topverdienern und den Fahrern fällt es zur Gänze in den Kostendeckel und alle Mannschaften sollten in der Lage sein, einen vergleichbar großen Mitarbeiterstamm aufzubauen und ihren Ingenieuren und Mechanikern vergleichbare Löhne zu zahlen.
Theoretisch sollte sich also das Personal-Talent gleichmäßig verteilen. Aber in der Praxis gäbe es nach wie vor einen weiteren Faktor, der eine Angleichung verhindert. "Auch wenn alle gleich viele Leute haben und alle gleich viel bezahlt bekommen, wollen die Top-Aerodynamiker zum Beispiel doch noch bei den Topteams arbeiten. Diesen Effekt gibt es noch immer", untermauert Permane seine Argumentation.
"Ich denke, es ist ganz natürlich, dass sich die erfolgreicheren Ingenieure zu den erfolgreicheren Teams hingezogen fühlen", so Permane. Am Ende sei die Aussicht auf Erfolge doch ein besonderer Anreiz, auch wenn kleinere Teams gehaltsmäßig den Großen in nichts nachstehen. "Wieso will ein Spitzenfußballer für ein Topteam spielen? Es ist dieselbe Sache. Leute wollen gewinnen", so Permane. Indirekt geht es an diesem Punkt dann doch wieder um das Geld, denn Bonus-Zahlungen fallen nicht in den Budget Cap und werden anhand der Platzierung in der Konstrukteurs-WM ausbezahlt.
Wer wird in der Formel 1 2026 gewinnen? Mercedes gilt vor dem Saisonstart als Favorit, aber die Silberpfeile stapeln tief und betonen ihre Problemstellen.



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